Samstag, 9. Mai 2009

3. Freies Training in Barcelona

Ferrari ist wieder da

Im 3. Freien Training zum Großen Preis von Spanien hat Ferrari ein Lebenszeichen gesendet. Der Schnellste auf dem Circuit de Catalunya in Barcelona war Felipe Massa mit der besten Zeit des Wochenendes: 1:20,553 Minuten. Hinter dem Brasilianer folgte Kimi Räikkönen im zweiten Ferrari mit nur 82 Tausendstelsekunden Rückstand. Auf den Plätzen drei und vier beendeten die Brawn-GP-Piloten Jenson Button und Rubens Barrichello die Generalprobe für das Qualifying. Die Rückstände von 0,497 Sekunden für Button und 0,610 Sekunden für Barrichello erscheinen groß, doch alles deutet darauf hin, dass beide mit vollgetankten Autos unterwegs waren. Die schlechten Zeiten der Brawn-Boliden im Mittelsektor, der als 'Gewichtssektor' gilt, lassen diesen Schluss zu.

Bester Deutscher im Abschluss-Training war Timo Glock. Der Toyota-Pilot brauchte für seine schnellste Runde 1:21,377 Sekunden und fuhr damit auf Platz acht. Ganz am Ende des Klassements landete Nick Heidfeld. Der BMW-Sauber-Fahrer leistete sich nach knapp einer halben Stunde in Kurve elf einen Fahrfehler und rutschte in die Reifenstapel. Dabei brachen die Radaufhängung vorne links und der Frontflügel. "Bis zum Qualifying sollte alles wieder repariert sein", sagte Heidfeld nach dem Unfall.

Sebastian Vettel hielt sich zurück im 3. Training. Mit seinem Red Bull kam er lediglich auf den 16. Platz (+ 1,136), aber auch Vettels RB5 dürfte bis oben hin voll mit Benzin gewesen sein. Da Vettel mit größter Wahrscheinlichkeit im Qualifying in Q3 kommen wird, hat Red Bull bereits mit der für Q3 vorgesehenen Spritmenge trainiert. Nico Rosberg, am Vortag noch Trainingsbester, beendete die 3. Session als Zwölfter. Damit lag der Williams-Mann einen Rang hinter Heikki Kovalainen im McLaren-Mercedes.

Noch weiter vorne platzierte sich Weltmeister Lewis Hamilton, der im zweiten McLaren-Mercedes Siebter wurde. Das Ziel der Silberpfeile, die sich mit einem überarbeiteten Paket im Qualifying unter den besten zehn platzieren wollen, scheint realistisch. Davon kann Adrian Sutil nur träumen. Der Kumpel von Hamilton in Diensten von Force India landete auf Postion 19.

Punkte entscheiden über den Weltmeister

Der Formel-1-Weltmeister 2010 wird wie bisher nach dem gewohnten Punktesystem gekürt. Damit sind die Pläne von Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone und des Automobil-Weltverbandes FIA, den Fahrer mit den meisten Siegen zum Champion zu machen, vom Tisch.

Nachdem die FIA die neue Regel im März kurzfristig bereits für dieses Jahr einführen wollte, hatten die Teams sich einstimmig dagegen ausgesprochen. Die FIA hatte daraufhin eine mögliche Änderung erst wieder für 2010 ins Auge gefasst.

Fälschlicherweise stand diese Regel aber noch in dem Ende April nach der letzten Sitzung des World Motor Sport Council der FIA veröffentlichten Reglement für 2010. Jetzt veröffentlichte der Verband eine aktualisierte Version, in der wieder die Punkteregel verankert ist. "Das war ein Versehen unsererseits, das wir jetzt lediglich korrigiert haben", sagte eine FIA-Sprecherin und erklärte, dass es keine heimliche Änderung gewesen sei. Das Sieg-Modell für 2010 sei von der FIA nie verabschiedet worden.

Freitag, 8. Mai 2009

2. Freies Training in Barcelona

Rosberg bleibt Trainings-Weltmeister

Im Training hui, im Rennen pfui. Nico Rosberg bleibt der Trainings-Weltmeister der diesjährigen Saison. Mit Bestzeit im 3. Freien Training zum Großen Preis von Spanien war der Williams-Pilot zum 8. Mal in diesem Jahr Trainings-Schnellster an einem GP-Wochenende. In den ersten vier WM-Läufen war der 23-Jährige dagegen nie besser als Platz 6. In 1:21,588 Minuten markierte Rosberg am Freitagnachmittag auf dem Circuit de Catalunya in Barcelona auch die Tagesbestzeit vor seinem Teamkollegen Kazuki Nakajima (+ 0,152 Sekunden).

Platz 3 in der 2. Trainings-Session und in der Tageswertung sicherte sich Lokalmatador Fernando Alonso im Renault vor GP-Brawn-Pilot Jenson Button. Der WM-Spitzenreiter fuhr die viertschnellste Runde des Tages (1:21,799 Minuten) bereits am Vormittag, im 2. Training landete der Brite auf Platz 6 hinter seinem Teamkollegen Rubens Barrichello und Mark Webber im Red Bull, die in der Tageswertung die Plätze 5 und 6 belegten.

Vettel fehlen drei Zehntel auf Button

Sebastian Vettel war in 1:22,082 Minuten Siebtschnellster des Tages und des 2. Trainings. Auf WM-Spitzenreiter Button fehlten dem zweiten des letzten Rennens in Bahrain damit rund drei Zehntelsekunden. Enttäuschend lief der Freitag dagegen für die anderen deutschen Piloten. Nick Heidfeld kam trotz seines runderneuerten BMW Saubers am Nachmittag mit rund 1,5 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit nicht über Position 17 hinaus. Teamkollege Robert Kubica landete auf Platz 16, seine Vormittagszeit (1:22,221) reichte aber immerhin noch zu Platz 9 in der Tageswertung, in der Heidfeld mit seiner Zeit aus dem 1. Training nur Rang 13 belegte.

Trotzdem war BMW-Teamchef Mario Theissen nicht unzufrieden. "Unsere Daten haben sich auf der Strecke bestätigt, es ist ein Schritt nach vorne. Ein wie großer, kann man noch nicht sagen", meinte Theissen und versprach: "Wir haben noch Potenzial in der Abstimmung." Heidfeld beklagte, am Vormittag ziemlich viel Zeit mit einer Reihe von Problemen verloren zu haben. Unter anderem musst an Heidfelds Auto die Bremsanlage gewechselt werden. "Das war schade, denn mit einem so neuen Paket ist jeder Kilometer wichtig", sagte der BMW-Pilot.

Wieder Klatsche für Ferrari und McLaren-Mercedes

Noch schlechter lief es für Toyota-Mann Timo Glock. Während sein Teamkollege Jarno Trulli in 1:22,154 Minuten, gefahren am Vormittag, in der Tageswertung auf Platz 8 kam, musste sich Glock mit dem enttäuschenden 17. Rang begnügen. In der 2. Trainings-Sitzung landeten Glock und Trulli abgeschlagen gar nur auf den Positionen 18 und 19. Ein bittere Klatsche gab es auch für Ferrari und McLaren-Mercdes, die nach enttäuschendem Saison-Auftakt in Barcelona mit modifizierten Rennwagen eigentlich zum Angriff blasen wollten.

Zum Auftakt des Wochenendes war davon wenig zu sehen. Kimi Räikkönen zog sich noch einigermaßen ordentlich aus der Affäre: Knapp eine Sekunde Rückstand auf die Tagesbestzeit bedeutete Platz 10 in Training 2 und Rang 11 in der Tageswertung. Stallgefährte Felipe Massa fuhr seine schnellste Runde des Tages dagegen am Vormittag: 1:22,895 Minuten reichten im Tagesklassement aber nur zu Position 18. Nur zwei Plätze besser war Weltmeister Lewis Hamilton, der seinen modifizierten Silberpfeil am Nachmittag in 1:22,809 Minuten auf Platz 13 steuerte. Teamkollege Heikki Kovalainen war als 14. nur 0,067 Sekunden langsamer, belegte im Tagesklassement jedoch nur den vorletzten Rang.

Rosberg: Erst Bestzeit, dann kein Sprit mehr

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug verbreitete dennoch Zuversicht. "Unsere Zeiten am Nachmittag bei der Rennsimulation waren nicht so schlecht. Die Richtung stimmt, seit wir beim Testen hier vor zwei Monaten im Niemandsland waren", sagte der Schabe. Wenig Verheißungsvoll begann das Grand-Prix-Wochenende auch für Adrian Sutil. Wegen einer defekten Benzinleitung musste der Tank im Force India des 26-Jährigen ausgebaut werden. Durch die Arbeiten verpasste Sutil das komplette 2. Freie Training und damit wichtige Testrunden, um sein Auto für das Rennen am Sonntag (14:00 Uhr live bei Sport.de und RTL) abzustimmen. Mit seiner Vormittagszeit (1:23,536) belegte er im Tagesklassement den letzten Platz.

Rosberg muss sich indes weiter die Fragen anhören, wann er im Rennen die guten Trainings-Ergebnisse bestätigen kann. "Vielleicht fahren wir mal mit mehr Benzin, dann stellt sich diese Frage erst gar nicht", hatte er vor dem Training geflachst. Sein Team hielt sich aber nicht daran: Eine Minute vor Ende des Trainings rollte Rosberg nach seiner schnellsten Runde offenbar ohne Sprit aus ...

1. Freies Training in Barcelona

Button wieder vorn, aber BMW holt auf

Der mit Spannung erwartete Auftakt zum Großen Preis von Spanien hielt nur bedingt, was er im Vorfeld versprach. Trotz der vielen Neuerungen, mit denen insbesondere die großen Rennställe Ferrari und McLaren-Mercedes in Barcelona anreisten, änderte sich an den Kräfteverhältnissen im 1. Freien Training kaum etwas. Schnellster auf dem 4,655 km langen Circuit de Catalunya war WM-Spitzenreiter Jenson Button im Brawn GP mit einer Bestzeit von 1:21,799 Minuten. Dahinter folgte Toyota-Pilot Jarno Trulli mit 0,355 Sekunden Rückstand.

Der beste Ferrari landete mit Felipe Massa am Steuer nur auf dem 9. Platz - der Rückstand von 1,056 Sekunden gibt trotz aller Anstrengungen im aerodynamischen Bereich Anlass zur Sorge. Teamkollege Kimi Räikkönen belegte den 11. Platz (+ 1,074). Noch schlechter platzierten sich die Silberpfeile. Weltmeister Lewis Hamilton kam im McLaren-Mercedes MP4-24 mit 1,278 Sekunden Rückstand auf Position 14, Teamkollege Heikki Kovalainen wurde Vorletzter.

Dagegen scheint bei BMW Sauber die Formkurve nach oben zu zeigen. Mit einem verbesserten Aerodynamik-Paket, am signifikantesten an der deutlich höheren Nase zu erkennen, raste Robert Kubica auf den 3. Platz (+ 0,422). Direkt dahinter platzierte sich Nick Heidfeld im zweiten BMW Sauber (0,860), der damit bester Deutscher war. Dabei war Heidfeld mindestens die Hälfte der Session zum Zuschauen verdammt, weil ein Problem an der Bremsanlage auftrat.

Nico Rosberg belegte im Williams einen guten 6. Platz (+ 0,868). Toyota-Pilot Timo Glock landete auf Rang acht mit einem Rückstand von 1,029 Sekunden. Schlusslicht war Adrian Sutil im Force India (1,737).

Formel 1 News

Hamilton auf dem 'Walk of Fame'

In einer Reihe mit Michael Schumacher und Ayrton Senna: Lewis Hamilton ist mit einer Plakette auf der 'Champions Avenue' des Circuit de Catalunya in Barcelona verewigt worden. "Das ist eine großartige Sache für mich", freute sich Hamilton, nachdem er im Fahrerlager die Plakette enthüllt hatte. Er sei sehr überrascht darüber, meinte der Weltmeister und suchte bei seiner kurzen Dankesrede etwas nach den Worten.

Der britische McLaren-Mercedes-Pilot befindet sich damit in Gesellschaft von Rekordweltmeister Schumacher, dem dreifachen Champion Senna oder Doppel-Weltmeister Fernando Alonso. "Das Tolle an Lewis ist, dass er seine Wurzeln nicht vergessen hat. Das sind die Jungs, die wir in der Formel 1 brauchen", lobte Bernie Ecclestone den Silberpfeil-Piloten, der die Auszeichnung vor dem Motorhome des Chefpromoters entgegennahm. Fans waren daher keine dabei, dafür scharten sich die Fotografen und Journalisten bei der Zeremonie - nach nicht mal fünf Minuten war alles vorbei.

Ex-Rivale Alonso vermisst Hamilton

An den Kurs in Katalonien hat Hamilton indes nicht nur gute Erinnerungen. Vor gut einem Jahr war er dort noch Opfer rassistischer Schmährufe und Beleidigungen geworden. Noch immer aufgebracht über die sportliche Niederlage, die der Shootingstar ihrem Liebling Fernando Alonso 2007 beigebracht hatte, hatten sogenannte Fans sogar Gegenstände in Richtung der McLaren-Mercedes-Box geworfen. Dabei gehen dem zweimaligen Weltmeister Alonso, der ebenfalls zu den Mitgliedern des 'Walk of Fame' auf der Heim- und Hausstrecke der Formel 1 gehört, die teaminternen Duelle mit seinem Widersacher von einst sogar etwas ab.

"Ich vermisse ein bisschen den Wettkampf mit ihm", bekannte der Spanier bereits vor der Ehrung Hamiltons: Es habe Spaß gemacht, immer weiter zu pushen und die eigenen Grenzen herauszubekommen. Alonso, bei der offiziellen Pressekonferenz des Internationalen Automobilverbandes FIA einträchtig neben Hamilton sitzend, bezeichnete seinen Nachbarn als "großartigen Fahrer" und "großartigen Champion". In dieser Saision kämpft Hamilton mehr mit seinem neuen McLaren-Mercedes.

Auf dem Weg zu alter Stärke?

Vor der Auszeichnung war er beim ersten Freien Training zum Großen Preis nicht über Rang 14 hinausgekommen. Während Teams wie BMW-Sauber und Ferrari mit so gut wie runderneuerten Autos den Neustart beim Europa-Auftakt der Saison mit dem Großen Preis von Spanien an diesem Sonntag (14.00 Uhr live bei sport.de und RTL) versuchen, gibt es am Silberpfeil keine 'radikalen' Neuerungen.

Platz vier von Hamilton zuletzt beim Wüstenrennen von Bahrain ließ Hoffnungen aufkeimen, doch von bereits blühenden Zeiten wollen die Silbernen, die mit der Lügenaffäre und dem völligen Rückzug von Ex- Teamchef Ron Dennis keine leichten Wochen hinter sich haben, noch nichts wissen. Erst nach diesem Wochenende wisse man in etwa, ob man wieder auf dem Weg zu alter Stärke sei, befand Hamilton. Sein Denkmal bleibt aber auf jeden Fall.

Vettels WM-Prämie steht schon fest

Eine Prämie für den WM-Titel hat Formel-1- Shootingstar Sebastian Vettel schon ausgehandelt. Laut Informationen der 'Bild'-Zeitung bekommt der Red-Bull-Pilot zehn Prozent seines Jahresgehalts, sollte ihm der sensationelle Coup in seiner erst zweiten kompletten Saison als Stammpilot gelingen. In Zahlen: 350 000 Euro, da sich sein Salär per annum auf 3,5 Millionen belaufen soll. "Es wäre blöd, wenn er keine ausgehandelt hätte. Und blöd ist Sebastian ganz sicher nicht", sagte Teamchef Christian Horner.

Vereinbart hat Vettel, der schon als kleiner Knirps bei Automessen Sponsoren für seine Rennsport-Leidenschaft gesucht hatte, die Prämie selbst mit seinem Arbeitgeber. "Er braucht keinen Manager. Es gibt niemanden, der ihn besser vertreten könnte als er selbst", meinte Horner zum Selfmademan aus dem hessischen Heppenheim. Volle Unterstützung ist Vettel aber von seiner Familie gewiss, mit der er sich in wichtigen Fragen berät. Am Sonntag wird sie ihm beim Großen Preis von Spanien (14.00 Uhr live bei sport.de und RTL) die Daumen drücken.

Donnerstag, 7. Mai 2009

Formel 1 News

Ecclestone kritisiert die großen Teams

Die zehn Formel-1-Teams demonstrieren weiter Einigkeit, im Kampf gegen den Automobil-Weltverband und die von FIA-Präsident Max Mosley geplante Budgetgrenze für 2010 läuft ihnen allerdings die Zeit davon. Schon zwischen dem 22. und 29. Mai müssen sich alle interessierten Teams für die kommende Saison einschreiben und für oder gegen die Obergrenze entscheiden. Kein Wunder, dass die Teamvereinigung FOTA nach einem Treffen in London in einer Pressemitteilung "dringende Verhandlungen" mit der FIA gefordert hat.

Doch auf das nächste Treffen mit Mosley müssen die Teams vorerst warten. Nach dem plötzlichen Tod seines Sohnes Alexander am Dienstag hat der 69 Jahre alte Brite seine geplante Reise zum Großen Preis von Spanien in Barcelona (Sonntag, 14.00 Uhr live bei sport.de und RTL) abgesagt. Bleibt als Ansprechpartner für die Teams vorerst nur Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone, der möglicherweise zum Vermittler zwischen den Kontrahenten werden könnte. Schließlich ist dem Briten naturgemäß daran gelegen, "seine" Formel 1 so attraktiv wie möglich zu gestalten - mit Ferrari und allen anderen Top-Teams.

Ecclestone: Geld kauft keinen Erfolg

Allerdings spricht sich auch Ecclestone bislang deutlich gegen Geldverschwendung und für eine Budgetgrenze aus. "Die großen Teams kapieren es nicht, weil es nicht in ihrer DNA steckt, mit der Formel 1 Geld zu verdienen. Sie wollen nur ausgeben, ausgeben, ausgeben. Das ist in einer Zeit, in der die ganze Welt versucht, Kosten zu reduzieren und Geld zu sparen, schon paradox", sagte Ecclestone im ‚Daily Express’.

Weiter führte er aus, dass der zur Diskussion stehende "Deckel" von rund 44 Millionen Euro durch die darin nicht enthaltenen Ausgaben für Fahrergehälter und Marketing ohnehin auf rund 66 Millionen Euro steigen würde. "Vergesst nicht, es gibt Teams, die im Moment 280 Millionen Euro pro Jahr ausgeben. Das kauft nicht automatisch Erfolg", sagte Ecclestone: "Ferrari hat zehn Jahre lang viermal so viel Geld wie alle anderen ausgegeben, ohne Weltmeister zu werden."

FOTA: Auch wir wollen sparen

Neben der Höhe der Budgetgrenze ist den Teams vor allem die dadurch entstehende Zwei-Klassen-Gesellschaft ein Dorn im Auge, da die FIA den Teams innerhalb der Kostengrenze größere technische Freiheiten bei der Aerodynamik und der Motorenleistung zugestehen will. "Eine Zwei-Klassen-Formel 1 ist nicht attraktiv für BMW", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen in München und stellte wie zuvor schon Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo einen möglichen Ausstieg aus der Königsklasse in den Raum.

Veränderte Rahmenbedingungen hätten "auch Auswirkungen aufs Projekt", sagte Theissen. Sparen will aber auch die FOTA, die ihrerseits für 2010 Pläne vorgelegt hat, mit denen die Ausgaben um 50 Prozent reduziert werden könnten. "Die FOTA verfolgt entschieden weiter das Ziel, die Kosten in der Formel 1 einzudämmen und gleichzeitig den Aufmerksamkeitswert der weltweit populärsten Rennserie noch weiter zu steigern", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug am Donnerstag.

Budgetgrenze lockt neue Teams

"Bei diesen Zielsetzungen herrscht Einigkeit bei allen in der FOTA vereinten Teams", sagte Haug, der sich einen "konstruktiven Dialog mit der FIA" wünscht. Allerdings dürfte es für die FOTA nicht einfach werden, in den Verhandlungen mit der FIA eine gemeinsame Linie zu vertreten. Kleinere Teams wie Williams, Force India und WM-Spitzenreiter Brawn hatten schon angedeutet, durchaus mit einer Budget-Obergrenze leben zu können.

Zudem haben bereits ein neuer US-Rennstall, der Sportwagenbauer Lola, das Prodrive-Team des früheren Benetton- und BAR-Teamchefs David Richards sowie mehrere GP2-Teams Interesse an einem Einstieg in die Formel 1 geäußert - unter den Bedingungen der Obergrenze. Super Aguri, das im vorigen Jahr wegen finanzieller Probleme ausgestiegen war, denkt an ein Comeback. Insgesamt will die FIA für die kommende Saison 13 Teams mit 26 Autos zulassen, das wären drei Teams mehr als in diesem Jahr.

Heidfeld hofft auf Geburtstags-Geschenk

Vom WM-Kuchen wird Nick Heidfeld wohl auch in seinem Jubiläumsjahr kein großes Stück abbekommen, und auch vom ersehnten Premierensieg dürfte er selbst an seinem Ehrentag weit entfernt sein. Auf ein Wunschergebnis für den Großen Preis von Spanien will sich der noch 31-Jährige vorerst nicht festlegen. Nur so viel: "Da ich Sonntag Geburtstag habe, wäre ein starkes Resultat natürlich doppelt schön für mich". Und sehr wichtig.

Denn in seiner zehnten Formel-1-Saison muss der BMW-Sauber-Pilot aus Mönchengladbach für einen neuen Vertrag noch kräftig Punkte sammeln. Über derlei Sorgen muss sich Landsmann Sebastian Vettel nicht den Kopf zerbrechen. Überhaupt: Heidfeld und Vettel, das sind zwei Formel-1-Biografien, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Der eine mühte sich über zweitklassige Teams zum WM-Kandidaten BMW Sauber und wartet seit mehr als 150 Rennen darauf, auf dem obersten Podestplatz zu stehen. Der andere gewann bereits zwei der 29 Rennen, bei denen er Gas gab.

Heidfeld muss wieder um sein Cockpit kämpfen

Und Vettel stahl Heidfeld schon bei seinem Formel-1-Debüt die Schau, als er 2007 als Ersatzfahrer für den zuvor verunglückten Robert Kubica im BMW-Sauber als jüngster Pilot der Grand-Prix-Geschichte in die Punkte fuhr (8.). Im Sommer desselben Jahres legten die Weiß-Blauen dem Senkrechtstarter keine Steine in den Weg und gewährten ihm den Wechsel ins Stammcockpit von Toro Rosso. "Auf jeden Fall ist er mit der Reife und der Form, die er hat, für jedes Team ein Gewinn", sagt sein Ex-Chef, BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen, über Vettel.

Seine aktuellen Piloten stehen trotz des enttäuschenden Saisonauftakts aber nicht zur Diskussion, versichert Theissen. "Wenn wir ein Auto haben, mit dem man Rennen gewinnen kann, dann können wir auch wieder über die Fahrer reden." Heidfeld, der schon einige Male mit spektakulären Überholmanövern die PS-Fans in Deutschland verzückte, droht trotz seiner anerkannten Qualitäten als Entwickler und Ratgeber für den Autobau im Rennen der Piloten-Generationen auf der Strecke zu bleiben. Heidfelds immer wieder aufs Neue formulierter Titel-Traum kann stattdessen für Vettel Wirklichkeit werden.

BMW-Chef Theissen lobt Ex-Schützling Vettel

Vor dem fünften WM-Lauf an diesem Sonntag (14.00 Uhr live bei sport.de und RTL) auf dem Circuit de Catalunya lauert der Heppenheimer auf Rang drei mit 18 Punkten hinter den BrawnGP-Piloten Jenson Button (31) und Rubens Barrichello (19) - und das in Vettels zweitem Jahr als Stammfahrer. Kein Wunder, dass auch Theissen den Vergleich zu Rekordchampion Michael Schumacher zieht, wenn er über den vom Boulevard gern als "Baby-Schumi" betitelten Vettel sinniert."«Wenn man die ersten zwei Jahre von Schumachers Karriere ansieht und vergleicht, dann sehe ich ihn auf dem Niveau. Die weitere Entwicklung muss man sehen. Er hat alle Anlagen, ein ganz Großer zu werden."

Und wer sagt, dass er eines Tages nicht wieder zu BMW-Sauber zurückkehrt? "Warten Sie es ab - nein, kein Kommentar", antwortet Theissen auf die Frage, ob man um Vettel kämpfen werde. Doch um den von Experten durchgängig als kommenden Weltmeister ausgerufenen Hessen zu verpflichten, müsste ja erstmal ein Platz beim bayrischen Werksrennstall frei werden - womöglich der von Heidfeld.

Vettel: Es wird schwierig in Barcelona

Mit dem Europa-Auftakt in Barcelona beginnt die Formel-1-Saison noch einmal neu. Alle Teams haben zum Großen Preis von Spanien aufgerüstet - die Top-Teams Ferrari, McLaren-Mercedes und Sauber BMW blasen mit zum Teil rundumerneuerten Boliden zur Jagd auf Brawn-GP mit WM-Spitzenreiter Jenson Button und Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel. Der derzeitige WM-Dritte vermutet: "Es wird schwierig in Barcelona."

"Alle werden näher an Brawn sein, als dies noch in Australien der Fall war", prophezeite Vettel. "Einige Teams werden sogar richtig große Fortschritte machen." So rückt Ferrari mit einem neuen Auto inklusive Doppel-Diffusor an, McLaren-Mercedes stellt Weltmeister Lewis Hamilton einen modifizierten Silberpfeil mit neuem Frontflügel und einem weiter entwickelten Doppel-Diffusor zur Verfügung und Nick Heidfeld wird einem aerodynamisch überarbeiteten BMW Sauber an den Start gehen.

"Wir müssen in allen Bereichen zulegen"

Während auch der neue Brachen-Primus Brawn-GP mit größeren Modifikationen anreisen will, muss Vettel mit kleineren Neuerungen an seinem Red Bull vorlieb nehmen. Der große Entwicklungssprung mit neuem Doppel-Diffusor soll erst zum übernächsten Grand Prix in Monaco erfolgen. Für den ersten Einsatz von KERS gibt es bei Red Bull noch kein konkretes Datum. Dennoch glaubt Vettel auch beim 5. Saison-Lauf an seine Chance.

"Ich will die Weltmeisterschaft gewinnen!"

"Ich denke, wir haben gezeigt, dass wir ein gutes Auto haben", sagte Vettel, schränkte jedoch ein: "Wir müssen in allen Bereichen zulegen." Ziel sei es "immer und überall zu gewinnen, das auch im Hinblick auf die WM." Das Entwicklungs-Team um Design-Genie Adrian Newey wisse, wo das Auto noch zu verbessern ist. Vettel: "Da mach' ich mir keine Sorgen. Außerdem haben wir in den letzten Rennen gezeigt, dass wir auch ohne Doppel-Diffusor konkurrenzfähig sind." Wie er selbst ohne Manager, und dabei wird es auch weiterhin bleiben.

Vettel: Kein interesse an einem Teamwechsel

"Ein so genannter Manager ist für mich mehr als jemand, der sich nur um Finanzen und so weiter kümmert. Es sollte in erster Linie ein jemand sein, dem man zu hundert Prozent vertrauen und mit dem man über alles reden kann. Diese Menschen gibt es für mich", sagte er: "Ich sehe im Moment nicht, dass ich daran etwas ändern müsste." Also müssten potenzielle Interessenten wie Ferrari-Boss Luca di Montezemolo oder Mercedes-Sportchef Norbert Haug weiter Vettel direkt anrufen, auch wenn der neue deutsche Formel-1-Liebling sich über einen Teamwechsel überhaupt keine Gedanken macht.

"Ich gehe die Dinge Schritt für Schritt an und lasse mich nicht von Spekulationen beeinflussen. Mein Ziel ist es, im bestmöglichen Auto zu sitzen und Rennen zu gewinnen. Ich bin im Moment gut aufgehoben, dort wo ich bin", sagte er. Er fahre für Red Bull, die ihn seit Jahren unterstützten und ihm den Formel-1-Einstieg ermöglicht hätten, und fühle sich wohl, weil sein Auto momentan eines der besten im gesamten Feld sei. "Red Bull Racing hat großes Potenzial. Es liegt an uns Fahrern und am ganzen Team, dieses Potenzial richtig zu nutzen und das Beste rauszuholen", sagte Vettel: "Ich will die Weltmeisterschaft gewinnen und der Beste auf der Strecke sein."

Mittwoch, 6. Mai 2009

Formel 1 News

Red Bull ab Monaco mit Doppel-D

Ausruhen nach dem traumhaften Saisonstart ist kein Thema, Sebastian Vettel will seinem Red Bull auch beim Europa-Auftakt in Barcelona (ab 12.45 Uhr im Live-Stream) Flügel verleihen. "Ich denke, wir haben gezeigt, dass wir ein gutes Auto haben", sagte Vettel vor dem Großen Preis von Spanien. Sich selbst und seinem Team setzt der 21-Jährige hohe Ziele: "Vier Rennen liegen hinter uns und 13 vor uns. Ziel ist es, immer und überall zu gewinnen, das auch im Hinblick auf die WM."

Nach der erfolgreichsten Woche seiner Karriere mit dem Sieg in China und Platz 2 in Bahrain hatte Vettel zu Hause die Erlebnisse nur kurz Revue passieren lassen. "Es ist natürlich ein schönes Gefühl. Familie und Freunde teilen die Freude mit einem", sagte er: "Aber man lebt nicht in Erinnerungen, in der Formel 1 geht es immer weiter. Wer rastet, der rostet. Also habe ich die Zeit mehrheitlich genutzt, um mich vorzubereiten."

Vettels Auto wurde ebenfalls verbessert, obwohl er auf einen Doppel-Diffusor und das Energie-Rückgewinnungs-System KERS weiter warten muss. Darin sieht der aktuelle WM-Dritte aber kein Problem. "Ich denke, wir haben schon bei den letzten Rennen gezeigt, dass wir auch ohne Doppel-Diffusor ein sehr konkurrenzfähiges Auto haben. Das Design-Team weiß, wo das Auto noch zu verbessern ist, da mach' ich mir keine Sorgen", meinte Vettel.

Chef-Konstrukteur Adrian Newey hat das Rennen in Monte Carlo am 24. Mai für die Premiere seiner Diffusor-Lösung ins Auge gefasst. Für den ersten Einsatz von KERS "haben wir noch kein Datum", erklärte Vettel, meinte aber auch: "Bisher sind wir ohne KERS ausgekommen."

Wie er selbst ohne Manager, und dabei wird es auch weiterhin bleiben. "Ein so genannter Manager ist für mich mehr als jemand, der sich nur um Finanzen und so weiter kümmert. Es sollte in erster Linie ein Jemand sein, dem man zu hundert Prozent vertrauen und mit dem man über alles reden kann. Diese Menschen gibt es für mich", sagte er: "Ich sehe im Moment nicht, dass ich daran etwas ändern müsste."

"Ich will die Weltmeisterschaft gewinnen!"

Also müssten potenzielle Interessenten wie Ferrari-Boss Luca di Montezemolo oder Mercedes-Sportchef Norbert Haug weiter Vettel direkt anrufen, auch wenn der neue deutsche Formel-1-Liebling sich über einen Teamwechsel überhaupt keine Gedanken macht. "Ich gehe die Dinge Schritt für Schritt an und lasse mich nicht von Spekulationen beeinflussen. Mein Ziel ist es, im bestmöglichen Auto zu sitzen und Rennen zu gewinnen. Ich bin im Moment gut aufgehoben, dort wo ich bin", sagte er.

Er fahre für Red Bull, die ihn seit Jahren unterstützten und ihm den Formel-1-Einstieg ermöglicht hätten, und fühle sich wohl, weil sein Auto momentan eines der besten im gesamten Feld sei. "Red Bull Racing hat großes Potenzial. Es liegt an uns Fahrern und am ganzen Team, dieses Potenzial richtig zu nutzen und das Beste rauszuholen", sagte Vettel: "Ich will die Weltmeisterschaft gewinnen und der Beste auf der Strecke sein."

Auch vor den Brawn-Piloten Jenson Button (Großbritannien/31) und Rubens Barrichello (Brasilien/19), die in den ersten vier Rennen als einzige mehr WM-Punkte gesammelt haben als Vettel (18) und die der 21-Jährige "noch leicht vorne" sieht. Und auch vor Toyota-Pilot Timo Glock (12), der nur wenige Kilometer von Vettels Heimat Heppenheim entfernt groß geworden ist: "Es geht nicht um eine hessische Meisterschaft. Willst du siegen, musst du alle schlagen. Auch die Hessen."

Selbst Lob von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, der ihn als kommenden Weltmeister sieht, nimmt Vettel gelassen. "Natürlich freut es einen, zu lesen oder zu hören, wenn jemand wie Bernie Ecclestone so etwas sagt. Aber ich sehe das sehr verhalten, denn meiner Meinung nach macht es mich auf meiner nächsten Runde nicht schneller. Ich muss mich genau so anstrengen wie zuvor und kriege deswegen auch nichts geschenkt."

Ferrari, BMW & Mercedes: Mit neuen Autos die letzte WM-Chance nutzen

Am Wochenende steht in der noch jungen Formel-1-Saison zwar erst das 5. Rennen an, für die (ehemaligen) Topteams ist der Große Preis von Spanien aber schon ein Finale. Ferrari, McLaren-Mercedes & BMW Sauber kämpfen am Sonntag in Barcelona (ab 12.45 Uhr im Live-Stream) um ihre letzte Chance, vielleicht doch noch im Kampf um den WM-Titel ein Wörtchen mitzureden.

Sollte sich der Europa-Auftakt als Flop erweisen, können die Rennställe die Saison schon jetzt abhaken. Damit das nicht passiert, hat das Trio in den vergangenen Wochen getüftelt wie nie zuvor. Um den Rückstand auf Brawn GP zu verkürzen, hat jedes Team andere Schwerpunkt in der Entwicklung gesetzt.

Ferrari - Platz 9 in der WM (3 Punkte)

Die Scuderia war in den ersten vier Rennen nicht wiederzuerkennen. In Spanien schicken die Italiener ein runderneuertes Auto an den Start: Endlich fährt auch Ferrari mit dem 'Wunder-Diffusor', den Brawn GP, Toyota und Williams schon seit Saisonbeginn einsetzen. Dieses Aerodynamik-Element lässt den Boliden durch die enorme Andruckkraft bis zu 5 Zehntelsekunden pro Rennrunde schneller fahren.

Außerdem können die Fans ein neues Design beim F60 begutachten: Mit einem geänderten Front- und Heckflügel versuchen die Roten, zusätzliche Zehntel zu finden. Außerdem sieht die Motorverkleidung etwas verändert aus. Zum Europa-Auftakt kommen die Umbauarbeiten, die zu einem Gewichtsverlust von rund 15 Kilo führen, nun früher als geplant zum Einsatz. Eigentlich wollten sich die Roten bis zum Türkei-GP (7. Juni) Zeit lassen. Der große Rückstand in der Konstrukteurs-WM zwang sie aber zum Handeln. Nach wie vor setzt Ferrari auf das Energierückgewinnungs-System. Für Felipe Massa ist KERS "ein klarer Vorteil".

BMW in der Sparversion - Schlechter Kurs für Silber

BMW Sauber - Platz 6 in der WM (4 Punkte)

Die Weiß-Blauen werden am Sonntag in Spanien erstmals in dieser Saison ein Rennen ohne KERS bestreiten. Der Grund ist einfach: Weil BMW das Auto aus aerodynamischen Gründen verschlankt hat, ist für die KERS-Batterien kein Platz mehr an Bord. Die Seitenkästen des F1.09 sind jetzt kleiner, dafür verzichtet BMW auf die zusätzlichen 82 PS von KERS. Von dem Aerodynamik-Paket verspricht sich BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen einen Zeitvorteil von einer halben Sekunde pro Runde.

Zudem werden Nick Heidfeld und Robert Kubica weiter ohne Doppel-Diffusor fahren. BMW arbeitet nach eigenen Angaben zwar fieberhaft dran, allerdings hat die Zeit nicht ausgereicht. Für Theissen ist der Doppel-Diffusor nicht allein der Schlüssel zum Erfolg: "Red Bull mit Sebastian Vettel ist ohne den Diffusor das schnellste Auto."

McLaren-Mercedes - Platz 4 in der WM (13 Punkte)

Die Silberpfeile haben in den vergangenen Rennen mit kleinen Schritten kontinuierlich den Rückstand auf die Topteams verringert. In Barcelona soll ein komplett neuer Frontflügel einen weiteren Schritt Richtung Spitze machen. Allerdings zählt der Circuit de Catalunya nicht zu den Lieblingsstrecken von Mercedes. Bei den Testfahrten im März waren die Silberpfeile der Konkurrenz deutlich hinterhergefahren. Der Grund dafür liegt in den vielen Kurven des Kurses, die den MP24-4 beim Herausbeschleunigen wie eine Schnecke wirken lassen. "Wir haben jetzt noch zu wenig Abtrieb", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Eine neue Entwicklungsstufe des Diffusors soll dem mangelnden Abtrieb entgegenwirken.

Es bleibt abzuwarten, wie die überarbeiteten Autos der 'eingeschlafenden Riesen' in Barcelona einschlagen werden. Gut möglich, dass die Saison für eines der drei Rennställe schon am Sonntag vorbei ist. Dann kann sich das Team in aller Ruhe auf die neue Saison vorbereiten.

Glock: Topteams kommen näher

Ole: Zum Europa-Auftakt der Formel 1 will Red- Bull-Star Sebastian Vettel die Konkurrenz wieder auf die Hörner nehmen. Doch kampflos werden die zuletzt mitdominierenden Teams Brawn GP und Toyota, aber auch die auf Wiedergutmachung sinnenden ehemaligen Branchenführer der deutschen WM-Hoffnung die Arena beim Großen Preis von Spanien nicht überlassen. BMW Sauber schickt Nick Heidfeld und Robert Kubica mit einem runderneuerten Auto am Wochenende an den Start, McLaren-Mercedes hofft beim "Prüfstein Barcelona" (Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug) vorsichtig auf den nächsten Schritt aus der Krise, geschweige denn Ferrari.

"Speziell die letztjährigen Topteams werden näher rankommen", prophezeite Toyota-Pilot Timo Glock. "Barcelona wird sicher wegweisend dieses Jahr", sagte Rennrivale und Landsmann Nico Rosberg. Dessen Williams-Team schätzt Haug neben den neuen Hierarchie-Oberen stark ein. An der auf den Kopf gestellten Hackordnung wird sich Haug zufolge auch auf dem Circuit de Catalunya, den alle Fahrer dank ausgiebiger Tests aus dem Eff-Eff kennen, aber nicht viel ändern.

Brawn GP mit den WM-Führenden Jenson Button und Rubens Barrichello, dicht gefolgt von Red Bull insbesondere mit China-König und dem WM-Dritten Vettel, Toyota und Williams - so die Rangfolge der Stärke laut dem Mercedes-Motorsportchef. Im Gegensatz zu den ersten vier WM- Läufen rechnet Haug aber nicht mit einem weiteren spektakulären Rennen: So anspruchsvoll die Strecke für die Autos auch sei, so sehr glichen die Rennen dort in der Vergangenheit "einer Prozession", sagte er.

Heidfelds letzte Chance

Eines ist auch klar: Wer beim vermeintlichen Neustart in die Saison keine klare Tendenz zum Guten hin aufweist, braucht sich für die restlichen zwölf Rennen kaum mehr ernste Hoffnungen zu machen. Nach Spanien steht der Stadtkurs in Monte Carlo auf dem Programm. Einen Kampf bis zum letzten Lauf versprach dennoch bereits BMW- Motorsportdirektor Mario Theissen. "Wir haben den Ehrgeiz, in dieser Saison noch das Maximum zu erreichen und am Ende zu sagen: Ein enttäuschender Start, aber wir haben nicht nachgelassen und die Kurve gekriegt", sagte er.

Insbesondere für Heidfeld, der in diesem Jahr mit den Weiß-Blauen endlich ernsthaft um den Titel kämpfen wollte, wird die Zeit aber knapp - nun muss er und sein polnischer Kollege Kubica Gas geben. "Ich hoffe, wir stehen in Barcelona im Verhältnis zur Konkurrenz tatsächlich etwas besser da, aber das ist schwer abzusehen, weil jedes Team mehr oder weniger große Nachrüstpakete zum Europaauftakt mitbringen wird", so Heidfeld, der mit vier Punkten lediglich auf Rang 9 der Gesamtwertung vor dem fünften von 17 WM-Läufen liegt. Die Führung hat Button (31 Punkte) vor Barrichello (19) und Vettel (18) inne.

Vorne mitmischen möchte neben den sportlich geprügelten Ferrari- Fahrern Kimi Räikönnen, der seinen bis dato letzten Sieg vor rund einem Jahr in Spanien feierte, und Felipe Massa am liebsten auch Titelverteidiger Lewis Hamilton nach glimpflich überstandener Lügenaffäre wieder. Allerdings bremste der Wüsten-Vierte schon mal die Erwartungen. "Unsere gute Vorstellung in Bahrain sollte uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Strecke in Barcelona unserem Auto nicht so gut liegt", bekannte der Brite, der mit seinem Silberpfeil bei den Tests vor der Saison konstant der Konkurrenz deutlich hinterhergefahren war.