Samstag, 18. April 2009

Ergebnis des Qualifyings in China

Vettel rast auf die Schanghai-Pole

Sebastian Vettel ist völlig überraschend auf die Pole Position in Schanghai gerast. Im Qualifying zum Großen Preis von China fuhr der Red-Bull-Pilot auf den letzten Drücker mit seiner einzigen schnellen Runde in Q3 in 1:36,184 Minuten die Bestzeit. Hinter Vettel, der die zweite Pole seiner Karriere und die erste für Red Bull holte, kamen Renault-Pilot Fernando Alonso (1:36,381) und Teamkollege Mark Webber (1:36,466) auf die Ränge zwei und drei. Rubens Barrichello und Jenson Button vom Favoriten-Team Brawn GP landeten auf dem vierten und fünften Rang.

Hinter Toyota-Fahrer Jarno Trulli sicherte sich Nico Rosberg den siebten Startplatz. Der Williams-Pilot konnte damit nicht ganz an die Leistungen des 3. Trainings anknüpfen, in dem er Schnellster war, aber Rang sieben war in Ordnung: “Ich habe das Beste rausgeholt. Aber letztendlich habe ich mir mehr erhofft. Das Problem war, die Reifen auf Temperatur zu bringen. Das war sehr schwierig", so die Analyse des 23-Jährigen.

Glock klebt Pech an den Fersen

Eine erneute Enttäuschung erlebte Nick Heidfeld, der wie schon in Australien und Malaysia als Elfter in Q2 ausschied. Hinter dem BMW-Sauber-Piloten, der sich über "offensichtlich mangelnde Pace" beklagte, landeten Heikki Kovalainen im zweiten McLaren-Mercedes, Felipe Massa im Ferrari und Timo Glock. Damit folgte für den Toyota-Piloten nach dem unplanmäßigen Getriebewechsel und der damit verbundenen Strafversetzung um fünf Plätze der nächste Tiefschlag. “Das Auto war schwierig zu fahren, da sich die Strecke von Freitag auf Samstag stark verändert hat. Mir war schon in Q1 klar, dass es schwer werden wird, in Q3 zu kommen. Ich hoffe, dass es morgen im Rennen regnet“, sagte der frustrierte Glock, der von Rang 19 in den China-GP starten muss.

Als einer der Ersten am RTL-Mikrofon war mal wieder Adrian Sutil. Der Force-India-Pilot schaffte es trotz des starken Mercedes-Motors im Heck nicht unter die besten 15 und schied wie immer im ersten Teil der Qualifikation aus. Sutil, der 19. wurde, bemühte sich jedoch um Fassung: “Ich bin schon sehr enttäuscht, dass wir extrem großen Abstand zu den anderen Teams haben. Es ist eines der schlechtesten Rennen seit langem.“

Ebenfalls Feierabend nach den ersten 20 Minuten des Qualifyings hatten Sutils Teamkollege Giancarlo Fisichella (20.), Toro-Rosso-Pilot Sebastien Bourdais (16.), Renault-Mann Nelson Piquet junior (17.) und überraschend Robert Kubica. Der BMW-Sauber-Fahrer landete nur auf dem 18. Startplatz. Bei dem Polen, der zum ersten Mal in seiner Karriere in Q1 ausschied, hielt sich die Enttäuschung jedoch in Grenzen: “Es ist sicher nicht das beste Ergebnis. Aber die eine Runde mit den weichen Reifen hat nicht funktioniert. Ich habe überhaupt keinen Grip gehabt.“

Vettel hingegen strahlte: "Die Pole Position ist natürlich fantastisch. Ich bin sehr, sehr glücklich", sagte der 21-Jährige, der Nerven wie Stahlseile bewies. In jedem der drei Qualifikationsteile kam er jeweils kurz vor Schluss nur für eine schnelle Runde raus und legte beeindruckende Zeiten hin. "Mehr als eine Runde pro Durchgang braucht man offenbar nicht", sagte Vettel mit einem Schuss Ironie und erklärte anschließend die ungewöhnliche Taktik des Red-Bull-Teams: "Wir hatten Probleme mit dem Auto und wollten deshalb so wenig wie möglich fahren."

Vettel: "Die Pole ist fantastisch"

Sebastian Vettel (Red Bull): "Mehr als eine Runde pro Durchgang braucht man offenbar nicht. Wir hatten Probleme mit dem Auto und wollten deshalb so wenig wie möglich fahren. Das Auto war aber sehr schnell, das hat ja Mark mit seinen Zeiten gezeigt. Aber wenn man jeweils nur eine Runde hat, ist das natürlich sehr riskant. Die Pole Position ist natürlich fantastisch. Ich bin sehr, sehr glücklich - auch für das Team. Vielen Dank an die Mechaniker, die die ganze Nacht durchgearbeitet haben, um das Auto hinzubekommen."

Fernando Alonso (Renault): "Das Team hat das Auto verbessert und auf einmal sind wir konkurrenzfähig. Nun müssen wir sehen, wie es im Rennen aussieht."

Mark Webber (Red Bull): "Es wäre natürlich schön, wenn Sebastian und ich auf eins und zwei gestanden hätten. Aber Fernando Alonso hat auch eine ganz gute Runde hinbekommen."

Glock hofft auf ein Regen-Rennen

Nico Rosberg (Williams): "Ich habe das Beste rausgeholt. Aber letztendlich habe ich mir mehr erhofft. Das Problem war, die Reifen auf Temperatur zu bringen. Das war sehr schwierig."

Timo Glock (Toyota): "Das Auto war schwierig zu fahren, da sich die Strecke von Freitag auf Samstag stark verändert hat. Mir war schon in Q1 klar, dass es schwer werden wird, in Q3 zu kommen. Ich hoffe, dass es morgen im Rennen regnet."

Adrian Sutil (Force India): "Ich bin schon sehr enttäuscht, dass wir extrem großen Abstand zu den anderen Teams haben. Es ist eines der schlechtesten Rennen seit langem."

Robert Kubica (BMW Sauber): "Es ist sicher nicht das beste Ergebnis. Aber die eine Runde mit den weichen Reifen hat nicht funktioniert. Ich habe überhaupt keinen Grip gehabt."

Norbert Haug (Mercedes-Motorsportchef): "Ich vermute, es gibt ein paar Autos vor uns, die leichter sind als wir. Ich glaube, dass Fernando Alonso vor uns an die Box gehen wird. Die Brawn GP werden aber wahrscheinlich noch etwas mehr auf der Pfanne haben und etwas schwerer unterwegs sein. Von der Kombination Motor/KERS bin ich sehr zufrieden, immerhin haben wir mit Brawn GP ja schon zwei Siege eingefahren, mit dem Chassis bin ich allerdings noch nicht zufrieden. Hier müssen wir noch sehr viel arbeiten."

Kampf ums letzte Gramm

Noch nie war das Gewicht von Fahrer und Bolide so entscheidend wie in dieser Saison. Obwohl alleine das Energierückgewinnungs-System KERS mit ca. 40 Kilogramm zu Buche schlägt, wurde das Mindestgewicht im Reglement nicht angehoben. Mindestens 605 kg müssen die Autos inklusive Fahrer, Kamera und Ballast auf die Waage bringen - ohne Benzin.

Für Leichtgewichte wie Ferrari-Pilot Felipe Massa (59 kg) ist das ein klarer Wettbewerbsvorteil. Der Brasilianer kann sein Auto trotz KERS noch mit zahlreichen Zusatzgewichten bestücken, um die Balance entscheidend zu verbessern. Anders sieht es zum Beispel bei Robert Kubica aus: Der großgewachsene Pole wiegt 73 kg. Aus diesem Grund verzichtet sein Team BMW Sauber bei ihm auf den Einsatz von KERS, denn zusammen mit den wichtigen Zusatzgewichten würde er die 605-kg-Marke überschreiten. Die Formel ist einfach: mehr Gewicht = geringere Beschleunigung.

Das bringt die Gewichtstabelle

Ob mit oder ohne KERS - alle Fahrer wiegen ohne Benzin ca. 605 Kilogramm. Die Differenz zum gemessenen Gesamtgewicht ergibt die Treibstoffmenge im Tank. So sind Rückschlüsse auf die Strategie der Teams möglich.

Strategie-Prognose nach dem Qualifying

Angegeben ist das Gesamtgewicht von Fahrer und Auto inklusive Benzin
in Reihenfolge der Startaufstellung. Daraus ergibt sich der erwartete 1.
Boxenstopp.

Fahrer & Auto

Gewicht in kg

Erwarteter 1.Stopp

Vettel (Red Bull)

644,0

13

Alonso (Renault)

637,0

10

Webber (Red Bull)

646,5

14

Barrichello (Brawn GP)

661,0

19

Button (Brawn GP)

659,0

18

Trulli (Toyota)

664,5

20

Rosberg (Williams)

650,5

15

Räikkönen (Ferrari)

673,5

24

Hamilton (McLaren)

679,0

26

Buemi (Toro Rosso)

673,0

24

Heidfeld (BMW)

679,0

26

Kovalainen (McLaren)

697,0

32

Massa (Ferrari)

690,0

30

Nakajima (Williams)

682,7

27

Bourdais (Toro Rosso)

690,0

30

Piquet (Renault)

697,9

33

Kubica (BMW)

659,0

18

Sutil (F. India)

648,0

14

Glock (Toyota)

652,0

16

Fisichella (Force India)

679,5

26


3. Freies Training in China

Rosberg top - Pech für Glock und Vettel

Nico Rosberg hat seinen Ruf als 'Trainings-Weltmeister' bestätigt und das 3. Freie Training zum Großen Preis von China für sich entschieden. In der Generalprobe für das Qualifying in Schanghai verwies der Williams-Pilot mit einer Bestzeit von 1:36,133 Minuten Jarno Trulli im Toyota (+ 0,139) Sekunden) und McLaren-Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton (+ 0,197) auf die Plätze zwei und drei. WM-Spitzenreiter Jenson Button landete mit seinem Brawn GP auf dem 4. Platz mit einem Rückstand von 0,331 Sekunden.

Für die anderen deutschen Fahrer lief es überhaupt nicht gut. Sebastian Vettel hatte Probleme mit der Aufhängung seines Red Bull und wurde 16. Nur auf sieben Runden kam er im Abschlusstraining und hatte keine Gelegenheit mehr, die weichen Reifen auszuprobieren. Noch schlimmer erwischte es Toyota-Pilot Timo Glock. Getriebeprobleme zwangen den 26-Jährigen nach nur sechs Runden zum Zuschauen. Glock belegte den letzten Platz. Was jedoch viel schlimmer ist, dass das Getriebe des TF109 gewechselt werden muss und Glock somit fünf Plätze in der Startaufstellung strafversetzt wird.

Glock verliert fünf Startplätze

Nick Heidfeld hatte zwar keine erkennbaren Probleme, landete im BMW Sauber aber dennoch nur auf Rang elf. Mit dieser Position wäre 'Quick Nick' im Qualifying sicher nicht zufrieden. Adrian Sutil holte dagegen mit Platz 17 aus seinem Force India das raus, was zu erwarten war.

Ein Lebenszeichen sendeten die Roten. Mit Platz sechs und einem Rückstand von 0,395 Sekunden bewegte sich Felipe Massa im Bereich der Favoriten. Auch Kimi Räikkönen war mit Platz neun deutlich weiter vorne als am Vortag. Dass mit McLaren-Mercedes zu rechnen ist, belegt nicht Hamiltons 3. Platz, sondern auch der 7. Platz von Heikki Kovalainen im zweiten McLaren-Mercedes.

Briatore ein schlechter Verlierer

Schlechter Verlierer mit miesem Stil

Renault-Boss Flavio Briatore gibt am Rande des China-GP den schlechten Verlierer. Nachdem sein Team ebenso wie Red Bull und Ferrari mit ihrem Protest gegen den Doppel-Diffusor von Brawn GP vor dem Berufungsgericht des Internationalen Automobilverbandes gescheitert ist, geht der Italiener verbal auf die Konkurrenz los. In Zeitungs-Interviews beleidigte Briatore seinen einstigen Benetton-Weggefährten Ross Brawn - verantwortlich für die Weltmeisterautos von Michael Schumacher 1994 und 1995 - und dessen Fahrer aufs übelste.

Jeder sei besser als Brawn, spottete Briatore. "Sogar der erstbeste chinesische Taxi-Fahrer, den man auf der Straße trifft", höhnte der 59-Jährige und drohte damit, Brawn als Chef der Technik-Kommission der Formel 1 "zu entfernen". Der Frust über die Niederlagen am Grünen Tisch und auf der Strecke, wo Renault in den ersten beiden Saison-Rennen hoffungslos hinerher eierte sitzt tief beim erfolgsverwöhnten Lebemann Briatore.

Denn bei einer weiteren Pleiten-Saison wie im vergangenen Jahr droht nicht nur der Abschied von Fernando Alonso, sondern möglicherweise auch der Ausstieg von Renault aus der Formel 1.

"Wollen die Fans so was wirklich sehen?"

"Die diesjährige WM wird zwischen einem Fahrer ausgefochten, der schon fast in Rente war. Und einem Kerl, der letztes Jahr noch herumkroch wie eine lahme Ente", beleidigte Briatore auch die beiden Brawn-GP-Piloten Rubens Barrichello und Jenson Button. Hinten stünden Super-Fahrer wie Fernando Alonso, Kimi Räikkönen, Felipe Massa, Lewis Hamilton und Robert Kubica während Button, Barrichello, Kazuki Nakajima, Nico Rosberg oder Timo Glock Weltmeister würden.

Briatore: "Wollen die Fans so was wirklich sehen?" Offenbar schon, die Einschaltquoten liegen in diesem Jahr sogar über denen aus der vergangenen Saison, in denen immer nur die "üblichen Verdächtigen" Siegchancen hatten. Dank neuem Reglement müssen Ferrari, McLaren-Mercedes, BMW-Sauber und Renault um ihre Vormachtstellung kämpfen. Wie würde Briatore wohl auftreten, wenn Formel-1-Superhirn Brawn für sein Renault-Team der Doppel-Diffusor-Geniestreich gelungen wäre?

Frust sitzt tief beim Renault-Teamchef

"Flavio ist doch nur verbittert, weil wir so ein schnelles Auto gebaut haben", bleibt Button, 2001 und 2002 in Diensten von Briatore ganz gelassen. "Und er sollte nicht vergessen, dass er mich dieses Jahr verpflichten wollte ..." Briatore wollte sich also, um es mit seinen Worten zu sagen, "eine lahme Ente" in sein Team holen? Derzeit lahmt jedoch lediglich sein Bolide und seine Entwicklungsabteilung. Statt die Versäumnisse im eigenen Team einzugestehen, schlägt Briatore wie ein pupertierender Jugendlicher um sich. Das zeugt von ziemlich miesem Stil!