Freitag, 10. Juli 2009

Formel 1 News

Sehnsucht nach dem puren Sport

Sehnsucht nach dem puren Sport
Auf der Großbaustelle Nürburgring präsentiert sich die Formel 1 mehr denn je wie ein Sanierungsfall. Das endlose politische Gezänk zwischen Weltverband und Top-Teams, das PR-Desaster mit dem untragbaren Hitler-Lob von Rechteverwalter Bernie Ecclestone und die wachsende Zukunftsangst der PS-Branche in Zeiten der Krise drückt Fahrern und Funktionären vor dem Großen Preis von Deutschland am Sonntag schwer aufs Gemüt. In der Boxengasse herrscht die Sehnsucht nach dem puren Sport.

"Das geht schon viel zu lange so. Das hat alles nichts mehr mit meinem Job zu tun", klagte WM-Spitzenreiter Jenson Button, dessen packendes Titelduell mit Sebastian Vettel durch die Turbulenzen vor dem Eifelrennen einmal mehr überschattet wird. Das bereits eröffnete, aber noch ziemlich unfertige Riesenprojekt 'Nürburgring 2009' bietet an diesem Wochenende die perfekte Kulisse für das Formel-1-Theater. Streit ums Geld und politische Querelen waren zuletzt rund um das mehr als 250 Millionen Euro teure Freizeit- und Geschäftszentrum ebenso an der Tagesordnung wie in der Königsklasse.

Theissen kritisiert Ecclestone

Der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso mag das alles nicht mehr hören. "Wir haben genug Zeit damit verbracht, darüber zu reden. Hoffentlich können wir stattdessen über den Sport sprechen", meinte der Renault-Pilot. Der Wunsch des Spaniers dürfte kaum in Erfüllung gehen. Mit Spannung wurde am Freitag die Ankunft von Zampano Ecclestone erwartet, der ausgerechnet vor dem Deutschland-Gastspiel die Macht von Nazi-Diktator Adolf Hitler gewürdigt hatte, "Dinge erledigen zu können". Politiker und jüdische Verbände verurteilten die Aussagen des Briten scharf, Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) sagte ein Treffen mit dem 78-Jährigen ab.

Sehnsucht nach dem puren Sport
Nur in der Formel 1 blieb es lange stumm, ehe BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen am Nürburgring das Schweigen brach. "Es ist historisch falsch, es ist abstoßend und einfach daneben", schimpfte Theissen über Ecclestones Äußerungen. Der BMW-Manager rechnet daher in der Eifel mit einer weiteren Erklärung des Formel-1-Chefs, nachdem sich der Milliardär zwar entschuldigt, seine Worte aber nur relativiert hatte. Die Teamvereinigung FOTA hat sich zumindest intern auf eine Sprachregelung geeinigt, die die Mitglieder auf Fragen nach der Gesinnung ihres Vertragspartners Ecclestone anwenden sollen. Auf ein offizielles Statement hatte die Organisation verzichtet.

Zukunft der Formel 1 weiter offen

Der Wirbel um Ecclestone trifft die Königsklasse zum höchst unpassenden Zeitpunkt. Schon vorher waren die Verhandlungen zwischen den Teams, dem Automobil-Weltverband FIA und den Rechteinhabern über die Zukunft der Formel 1 heikel genug. Nach dem wieder entflammten Streit zwischen der FOTA und der FIA um die Mitsprache bei Regelfragen lebte in der Eifel das Schreckensszenario einer Spaltung der Rennserie neu auf. "Hier ist nichts völlig ausgeschlossen", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Wohl nur ein neuer Grundlagenvertrag könnte den Krach beenden. Zuvor jedoch wollen die FOTA-Mitglieder um Wortführer Ferrari die Garantie, dass ihr Haupt-Widersacher Max Mosley sein Versprechen einlöst und wirklich im Oktober nicht mehr zur Wahl als FIA-Präsident antritt. "Der Rechteinhaber weiß, was erforderlich ist, um unsere Unterschrift unter das Concorde Agreement zu bekommen", entgegnete Toyota-Teampräsident John Howett auf entsprechende Fragen.

Finanzkrise bedroht Königsklasse

"Dieser Sport steckt im Schlamassel", urteilte die Londoner Zeitung 'The Times'. Hiobsbotschaften liefert die Formel 1 derzeit zuhauf. Erst in dieser Woche sagte Toyota den Japan-Grand-Prix 2010 auf seiner Hausstrecke Fuji aus finanziellen Gründen ab. Mehr als unsicher bleibt weiterhin die Zukunft des Großen Preises von Deutschland. 2010 sollte eigentlich wieder Hockenheim Gastgeber sein, doch die Gemeinde will das finanzielle Risiko nicht mehr tragen. Nun soll der frühere Mercedes-Chef Jürgen Hubbert Ecclestone überzeugen, das Rennen auf eigene Rechnung auszurichten. Ausgang ungewiss.

Rosberg in Vettels Schatten

Rosberg in Vettels Schatten
Vor zwei Jahren galt er als der kommende deutsche Formel-1-Star, inzwischen steht Sonnyboy Nico Rosberg im langen Schatten von Sebastian Vettel. Im Moment kann der 24-Jährige allerdings mit dieser Rolle gut leben und freut sich über die unerwarteten Fortschritte seines Williams-Teams. "Ich bin sehr zufrieden mit meinem Team", sagte Rosberg vor dem Heimspiel auf dem Nürburgring am Sonntag (12.45 Uhr/live bei RTL und rtl.de).

Hatte der einstige Weltmeister-Rennstall in den letzten Jahren im Verlauf einer Saison stets an Boden verloren, scheint die Richtung diesmal zu stimmen. "Wir haben uns stark verbessert, ich bin sehr zuversichtlich, dass das auch weiter anhalten wird", sagte Rosberg: "Ich denke, dass wir aus unseren Fehlern gelernt haben."

Sechsmal in den bisherigen acht Rennen fuhr der in Wiesbaden geborene Sohn des früheren Weltmeisters Keke Rosberg in die Punkte, vor dem Großen Preis von Deutschland belegt Rosberg mit 15,5 Punkten Platz sieben in der WM-Wertung. Dabei hat er das Potenzial des Autos im Rennen unter anderem wegen misslungener Boxen-Strategien oft gar nicht ausschöpfen können.

Wenn im Rennen mal alles passen sollte, hält Rosberg ganz klar einen Podiumsplatz für möglich. "In den letzten beiden Rennen waren wir das drittbeste Team hinter Red Bull und Brawn", sagt er und hofft auf eine weitere Steigerung in der Eifel: "Vielleicht klappt es ja an diesem Wochenende, auch wenn wir dafür ein bisschen Glück brauchen. Schließlich haben die beiden Teams vor uns ja insgesamt vier Autos am Start."

Rosberg in Vettels Schatten
Der frühere Formel-1-Pilot und heutige RTL-Experte Christian Danner traut Rosberg den Sprung aufs Podium auf jeden Fall zu. "Williams hat erstaunlicherweise in diesem Jahr Fortschritte gemacht. Und fahrerisch ist Nico eh klasse, ein Spitzenpilot", sagte Danner.

Mit Fragen nach seiner Zukunft geht Rosberg inzwischen gelassen um, nachdem er vor Saisonbeginn noch eine deutliche Steigerung von Williams als Bedingung für sein Bleiben eingefordert hatte. Interesse von anderen Teams wie McLaren-Mercedes oder BMW-Sauber wird nach wie vor immer mal wieder kolportiert. "Ich schaue mir meine Optionen an", sagt Rosberg: "Aber für den Augenblick ist es nur wichtig, dass ich mit meinem Team gut zusammenarbeite."

Schumi lobt Vettel über den grünen Klee

Schumi lobt Vettel über den grünen Klee
Michael Schumacher beobachtet mit viel Freude die Entwicklung seines potenziellen Nachfolgers Sebastian Vettel. Nach Meinung des Rekord-Weltmeisters hängt ein möglicher WM-Titel nicht von Vettels Fähigkeiten ("Da gibt es überhaupt kein Fragezeichen mehr"), sondern lediglich vom richtigen Auto ab.

"Damit steht und fällt letzten Endes der Erfolg. Bis jetzt hat er da einen guten Riecher gehabt. Er sitzt im Moment im absolut richtigen Auto und macht einen hervorragenden Job", sagte Schumacher in einem RTL-Doppelinterview mit ihm und Vettel, das am Sonntag ab 12.45 Uhr im Vorfeld des Großen Preises von Deutschland ausgestrahlt wird.

Wie früher er selbst würde auch Vettel "aus schwierigen Situationen seine Lehren ziehen", sagte Schumacher mit Blick auf den einen oder anderen Fehler in dieser Saison wie beispielsweise in Melbourne oder in Monte Carlo. "Er ist jung genug, dass er das durchleben darf, und dadurch lernt er sehr schnell sehr viel. Wir werden schon noch sehr viel Spaß an ihm haben, davon gehe ich aus", sagte Schumacher, der an dem 22-Jährigen "diese Jugendlichkeit, diese Unbeschwertheit" schätzt: "Da macht es immer wieder Spaß, ihm die Daumen zu drücken."

Schumi lobt Vettel über den grünen Klee
Vettel, der als Zehnjähriger bei der Siegerehrung eines Kartrennens Schumacher erstmals persönlich getroffen hatte, hat sich bei dem früheren Ferrari-Piloten vor allem dessen akribische Arbeitsweise abgeschaut. "Immer das Ziel vor Augen. Er hatte immer den Hunger, wollte sich stets verbessern, wollte jedes Detail verbessern. Insgesamt war er dann so viel besser als alle anderen", sagte Vettel: "Die waren vielleicht nicht so schlau, das alles mit in Betracht zu ziehen."

Dass er es selbst in einem Rennen nicht mehr gegen seinen früheren Helden antreten durfte, bedauert Vettel aber nicht. "Die Herausforderung ist immer groß genug", sagte er: "Natürlich war er eine Ausnahme, aber es ist nicht so, dass ich sage, ich weine jetzt, weil ich zwei Jahre zu spät kam, das ist Quatsch."

Auch Schumacher reizt ein Duell mit dem Red-Bull-Piloten nicht mehr. "Ich habe meinen Spaß gehabt. Wenn die junge Generation jetzt antritt und sich misst, macht es Spaß, da zuzugucken", sagte er: "Ich habe sehr viele andere Hobbys, denen ich jetzt in Ruhe nachgehen kann, ich genieße die Freiheit. Wir können zwischendurch vielleicht mal Kart fahren und ein bisschen Spaß haben."


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