Montag, 26. April 2010

Nürnberg - BVB 2:3

3:2 - Barrios schießt BVB zum Auswärtssieg in Nürnberg

[24.04.] Borussia Dortmund hat den Angriff des VfB Stuttgart abgewehrt! Am 32. Spieltag der Fußball-Bundesliga siegte der BVB beim 1. FC Nürnberg mit 3:2 (1:1) und wahrte seinen Drei-Punkte-Vorsprung auf die Schwaben. Nach zuletzt zwei torlosen Auswärtsspielen hintereinander war Lucas Barrios, der alle drei Dortmunder Tore erzielte, der umjubelte Held.
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Aus Nürnberg berichten
Boris Rupert und Bastian Bergmann


48.548 Zuschauer im ausverkauften easyCredit-Stadion sahen bei sommerlichen Temperaturen eine tempoarme erste Hälfte, in der beide Mannschaften ihre jeweils erste Torchance nutzen konnten: Barrios köpfte in der 27. Minute das 0:1, Frantz glich nur 180 Sekunden später aus. Nach dem Wechsel nahm der BVB Fahrt auf und ging durch zwei weitere Treffer des Argentiniers mit 3:1 in Führung (62./78.). Eiglers Anschlusstreffer in der 84. Minute leitete eine turbulente Schlussphase ein.

Ausgangslage:
Durch den Stuttgarter Auswärtssieg in Bochum hatte sich die Situation für beide Teams vor dem Anpfiff leicht verändert: Der BVB war nur noch punktgleich mit den Schwaben, Nürnberg konnte nur noch bei einer sehr hohen Niederlage auf den Relegationsplatz abrutschen. Der FCN, der mit der Heimniederlage gegen Wolfsburg vor 14 Tagen eine Serie von vier ungeschlagenen Partien auf eigenem Platz beendet hatte, startete von Platz 14 in die Partie, der BVB, der nur eines der letzten sechs Auswärtsspiele gewinnen konnte, von Rang fünf. Für die
Westfalen sprach die Bilanz im Frankenland: Nur jedes dritte Gastspiel (neun von 27) hatten sie verloren; seit 1992 gab es nur eine Niederlage beim "Club".

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Valdez spielte von Beginn an.
Personalien:
Mit Wolf und Bayern-Leihgabe Breno fehlte den Gastgebern die "erste Innenverteidigung". Maroh und Nordtveit hieß der Ersatz. Außerdem war Nürnbergs letzter Siegtorschütze gegen den BVB (2007), Charisteas, nicht dabei. Der BVB - mit Schmelzer für Dede - musste neben Kehl (Adduktoren) auf Zidan (Kreuzbandriss) verzichten. Für ihn kam Valdez in die Mannschaft ...

Taktik:
... so dass es bei den Schwarzgelben zu einer leichten Systemverschiebung kam. Valdez agierte als "hängende Spitze" hinter Barrios und setzte bei Ballverlust die gegnerischen Aufbauspieler früh unter Druck. Der Spielaufbau auf Seiten der Borussen verlagerte sich nach Zidans Ausfall mehr auf Sahin, der nach gebrochenem Nasenbein mit einer Karbonmaske spielte, während Bender deutlich mehr Defensivaufgaben übernahm und sich in erster Linie um Nürnbergs zentralen offensiven Mittelfeldspieler Gündogan kümmerte. Die Franken agierten in dem vom BVB bis letzte Woche gewohnten 4-2-3-1-System, während sich die taktische Formation der Dortmunder dann doch eher Richtung 4-4-2 verschob, was die Aufgabe für Barrios - bislang einzige Spitze, immer allein gegen zwei Innenverteidiger - etwas leichter machte. Nach dem Seitenwechsel agierte der BVB - mit Hajnal für Bender - aus einer 4-1-3-2-Grundordnung. Aber auch Nürnberg im zweiten Durchgang noch offensiver mit Bunjaku häufig als zweiter Spitze.

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Sven Bender im Kopfballduell mit Albert Bunjaku.
Spielverlauf & Analyse:
Es war ein enorm wichtiges Spiel für beide Mannschaften an diesem 32. Spieltag. Und genau das zeigten sie gut 20 Minuten lang auf eindrucksvolle Art und Weise auf dem grünen Rasen. Die Devise, vor allem auf Nürnberger Seite, war klar: Bloß keinen Fehler machen und ins Hintertreffen geraten.

Borussia Dortmund agierte in seiner taktischen Grundordnung zwar offensiver als gewohnt, in guten Torchancen schlug sich das aber zunächst nicht nieder. Im Gegenteil: Das war nicht die Borussia, die man diese Saison in Auswärtsspielen schon so oft gesehen hatte. Kaum Pressing gegen den Ball führenden Spieler, viele ungenaue Zuspiele und daher wenig flüssige Kombinationen kennzeichneten das Spiel des BVB in den ersten 20 Minuten. Doch Nürnberg stand in nichts nach. Eine Flanke von Tavares segelte durch den Strafraum an Freund und Feind vorbei - ein minimaler Hauch von Torgefahr (12.). Da musste schon ein tückischer Aufsetzer her. Diekmeiers viel zu langer Pass in die Spitze konnte nur Weidenfeller als Adressaten gehabt haben, doch unmittelbar vor Dortmunds Schlussmann sprang der Ball unnatürlich auf und sorgte für einen kleinen Moment für Aufregung.

Aufregend wurde es dann ab der 25. Minute. Und zwar, weil die Nürnberger Spieler und Zuschauer mit den Entscheidungen des Schiedsrichters Kircher immer unzufriedener wurden. Das Ganze schaukelte sich von Minute zu Minute hoch und hatte seinen vorläufigen Höhepunkt in einer berechtigten Gelben karte für Pinola. Der musste Kuba ziehen lassen und konnte den Polen nur noch mit einem Foul am Eindringen in den Strafraum hindern. Pinola wetterte und schimpfte, als Kircher mit der Hand an der Brusttasche auf dem Weg zu ihm war, um ihm Gelb zu zeigen. Daraufhin drosch Pinola aus Frust den Ball noch gegen die Werbebande. Mit etwas Pech wäre für den Nürnberger die Partie bereits nach 26 Minuten beendet gewesen.

Doch die Strafe folgte auf dem Fuße. Sahin hob den fälligen Freistoß gefühlvoll über den Fünfmeterraum und die indisponierte Nürnberger Abwehr hinweg auf den Kopf von Barrios, der am zweiten Pfosten in einem kleinen Pulk einnickte und damit seine Torflaute von über sechs Stunden mit dem symbolischen Jubel des Last-Abstreifens beendete (27.).

Doch anstelle das Heft nun in die Hand zu nehmen, ließ man nur drei Minuten später Frantz gewähren. Der bedankte sich mit einem feinen Solo und einem Lupfer über die BVB-Abwehr, um dann aus knapp 16 Metern trocken ins rechte Eck zu vollstrecken - 1:1 (30.). Die gute Ausgangsposition war mit einem Male wieder dahin.

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Lucas Barrios lauerte auf seine Chance und nutzte sie drei Mal.
Verständlicherweise tat der Ausgleich dem Spiel des BVB nicht in Ansätzen gut. Zwar wollte die Mannschaft nach vorne spielen und war bemüht. Doch mehr als eine halbe Chance durch Hummels nach einem Freistoß von Sahin war nicht drin (32.). Stattdessen waren alle Offensivbemühungen von mangelnder Präzision geprägt. Es konnte in Halbzeit zwei eigentlich nur besser werden.

Das hatte der Trainer ebenfalls erkannt und stellte sein System um. Hajnal kam für Bender, und Klopp verordnete seiner Mannschaft eine 4-1-3-2-Grundordnung mit Sahin als alleinigem Sechser und insgesamt fünf offensiven Akteuren. Die erste Gelegenheit hatte aber Nürnberg, als Choupo-Moting Weidenfeller mit einem Seitfallzieher prüfte (54.).

Die Schlagzahl war in der ersten Viertelstunde nach der Pause deutlich höher als noch im ersten Durchgang. Trotzdem brauchte der BVB eine weitere Standardsituation. Ecke Sahin, Kopfball Subotic - und Schäfer mit einem klasse Reflex auf der Linie verhinderte die neuerliche Dortmunder Führung (55.). Denn langsam griffen die einzelnen Rädchen des schwarz-gelben Systems ineinander. Bestes Beispiel war der mittlerweile nicht unverdiente 2:1-Führungstreffer nach 62 Minuten: Sahin spielte einen genialen Pass aus dem Mittelfeld auf den frei stehenden Barrios, und der überwand Nürnbergs Schlussmann Schäfer.

Und dieses Mal machte der BVB rechtzeitig den Sack zu. Valdez verpasste zwar nach einer Kuba-Flanke noch knapp. Doch auf Barrios war an diesem Nachmittag einfach Verlass. Ein toller Angriff, über Schmelzer und Großkreutz eingeleitet, fand
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Umjubelt: Lucas Barrios (l.)
Sahin im Strafraum, der Schäfer zu einer Glanzparade zwang. Barrios setzte nach, scheiterte erneut an Schäfer - und der Ball lag drei Meter vor dem leeren Nürnberger Tor... Barrios reagierte am schnellsten und kam fast von der Grundlinie zurück und drosch das Leder zum 3:1 in die Maschen (77.). Das 18. Saisontor von "El Pantera" machte den sechsten Auswärtssieg des BVB perfekt.

Oder etwa doch nicht? Die Borussia zog sich zu weit zurück. Eigler ließ sich nicht bitten, und der erst dritte Nürnberger Torschuss der zweiten Halbzeit saß (84.). Eine spannende Schlussphase war garantiert. Auch die drei Minuten Nachspielzeit überstand die Borussia mit etwas Zittern und sicherte sich einen 3:2-Sieg in Nürnberg und klettert vorerst wieder auf den vierten Tabellenplatz.

Ausblick:
Im letzten Heimspiel der Saison trifft Borussia Dortmund am Samstag, 1. Mai (15.30 Uhr) auf den noch amtierenden Deutschen Meister VfL Wolfsburg. Die wenigen noch erhältlichen Karten für diese Partie können Sie bequem online bestellen

Quelle

Ergebnisse des 32. Spieltages

Freiburg - Wolfsburg 1:0
Mönchengladbach - Bayern München 1:1
Bochum - Stuttgart 0:2
Hoffenheim - Hamburg 5:1
Nürnberg - Dortmund 2:3
Hertha BSC - Schalke 0:1
Leverkusen - Hannover 3:0
Bremen - 1. FC Köln 1:0
Mainz - Frankfurt 3:3

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