Sonntag, 29. März 2009

Formel 1 Grand Prix von Melbourne

Button siegt, Vettel wirft Podest weg

Jenson Button hat die Formel-1-Welt auf den Kopf gestellt und den Großen Preis von Australien gewonnen. Beim souveränen Start-Ziel-Sieg des Brawn-GP-Piloten im Albert Park von Melbourne belegte Teamkollege Rubens Barrichello den 2. Platz. Nicht minder überraschend war der 3. Rang von Lewis Hamilton. Der McLaren-Mercedes-Pilot hatte das Rennen von Rang 18 aufgenommen, profitierte aber auch von der Bestrafung von Jarno Trulli. Weil der Toyota-Fahrer kurz vor Rennende in der Safety-Car-Phase Hamilton überholt hatte, brummten ihm die Rennkommissare eine 25-Sekunden-Strafe auf. Damit rutsche Trulli von Platz drei auf 12 zurück.
Toyota war wenig begeistert und legte offiziell Protest gegen die Entscheidung ein. Ob dem Einspruch stattgegeben wird, entscheidet die FIA allerdings erst am 14. April in Paris.

Vettel im Pech

Riesenpech hatte auch Sebastian Vettel, der bis drei Runden vor Schluss auf Position zwei gelegen hatte. Doch bei einem Angriff des BMW-Sauber-Piloten Robert Kubica kollidierten beide und schieden anschließend aus.

Vom Pech des Red-Bull-Piloten Vettel und von Trulli profitierten die anderen Deutschen Timo Glock und Nico Rosberg. Toyota-Mann Glock wurde Vierter. Ebenfalls WM-Punkte sammelte Williams-Pilot Rosberg, der hinter Fernando Alonso als Sechster gewertet wurde. Bei seinem Debüt punktete unerwartet Sebastien Buemi, der für Toro Rosso zwei WM-Punkte sammelte. Teamkollege Sebastien Bourdais rutschte nach Trullis Bestrafung als Achter noch in die Punkteränge. Adrian Sutil belegte im Force India den 9. Platz, gefolgt von BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld. Ebenfalls leer aus gingen die Ferrari-Piloten Felipe Massa und Kimi Räikkönen, die kurz vor Rennende ihr Auto mit Defekten abstellten.

Vettel: "Ich bin ein Idiot"

Das Rennen hatte ähnlich turbulent begonnen, wie es endete. Button gewann den Start souverän, Teamkollege Barrichello kam dagegen gar nicht von der Stelle. Das nutzten Vettel und zunächst auch Rosberg, der als Dritter in die erste Kurve einlenkte, sich beim Herausbeschleunigen jedoch den mit KERS ausgestatteten Fahrern Massa und Räikkönen sowie Kubica beugen musste und nach der 1. Runde auf Platz sechs rangierte. Pech beim Start hatten Heidfeld und Sutil. Barrichello schob in der ersten Kurve Webber an, der wiederum Heidfeld rausdrückte. Sutil hatte keine Chance und raste in ein Trümmerteil. Heidfeld und Sutil mussten unverschuldet, ebenso wie Webber und Heikki Kovalainen, die Box ansteuern und anschließend dem Feld hinterherfahren.

Vorne war Rosberg schnell unterwegs und machte viel Druck auf Räikkönen. In der 9. Runde schnappte er sich den Weltmeister von 2007, der Probleme mit abbauenden Reifen hatte. Auch Massa, der wie sein Teamkollege mit weichen Reifen startete, hatte Probleme mit den Pneus und fuhr bereits in der 11. Runde an die Box. An der Spitze hatte sich Button nach elf Runden knapp fünf Sekunden von Vettel abgesetzt, der wiederum 28 Sekunden vor Kubica im BMW Sauber fuhr.

Nach 16 Runden kam auch Vettel zum Tanken und zog erneut harte Reifen auf. Alles lief glatt, ganz im Gegensatz zu Rosbergs Stopp. Die Williams-Crew bekam das linke Vorderrad nicht richtig befestigt. Rosberg stand 21 Sekunden und verlor wertvolle Zeit sowie zehn Ränge – er rutschte von Platz 3 auf 13. In der 19. Runde wurden die Karten neu gemischt, weil Nakajima nach einem Fahrfehler in die Streckenmauer einschlug und das Safety Car rauskommen musste. Nach fünf Runden kam das Saftey Car wieder rein und das Rennen begann von vorne. Button behauptete die Führung vor Vettel und Massa und hatte das Rennen voll unter Kontrolle.

In der 32. Runde eröffnete Massa die zweite Boxenstopp-Phase. Somit rückte Kubica auf Rang drei vor und machte mächtig Druck auf Vettel, dessen Vorsprung auf den Polen Runde um Runde schmolz. In der 40. Runde durfte Vettel wieder etwas durchatmen, denn Kubica kam zu seinem zweiten und letzten Stopp. In der 46. Runde stoppte Vettel und verteidigte seinen 2. Platz. Nach Buttons letztem Stopp wurde es noch mal richtig eng, denn der Brite stand knapp 14 Sekunden. Dadurch kam Vettel bis auf rund 1,5 Sekunden an den Führenden heran und es sah so aus, als könne der 21-Jährige mit um den Sieg kämpfen.
Doch es kam ganz anders. Die weichen Reifen funktionierten am Red Bull überhaupt nicht, und Kubica hing in Vettels Getriebe. Drei Runden vor Schluss kam die Attacke des Polen. Vettel hatte keinen Grip und hielt zu hart dagegen und beide beschädigten ihre Autos so stark, dass das Rennen zu Ende war.
Das Safety Car musste erneut für zwei Runden rauskommen. "Ich bin ein Idiot, das tut mir sehr, sehr, sehr leid", sagte der 21-Jährige völlig deprimiert über Boxenfunk seinem Team. Wie Vettel hatte auch Rosberg am Schluss Pech, denn der Williams-Pilot wurde auf weichen Reifen in den letzten acht Runden von Platz vier auf neun durchgereicht. Dank Vettels und Kubicas Nullnummer sowie Trullis Strafe erbte der Williams-Pilot jedoch noch drei Positionen und somit drei WM-Punkte.

Brawn eine Legende, Vettel ein Idiot

Jenson Button (Brawn GP): "Was soll ich sagen? Bis zum Safety Car ging alles sehr gut, aber es war ziemlich viel los auf der Strecke. Am Ende war es ganz fantastisch. Was für ein Tag. Ich freue mich über den Sieg, keine Frage. Es kann sich kaum jemand vorstellen, wie eng das heute war." Zu Teamchef Ross Brawn: "Ross, du bist eine Legende."

Rubens Barrichello (Brawn GP): "Ein leichtes Rennen war das nicht. Zwischendurch habe ich gedacht: Du kommst nie aufs Podium, aber ich konnte das wieder rausholen. Nach dem ersten Stint dachte ich, ich bräuchte eine neue Nase. Wenn jemand denkt: Nur der Diffusor macht unser Auto stark, sollte das nochmal überdenken. Nach den ganzen Crashs waren wir auch stark. Entscheidend war nur die Pace."

Ross Brawn (Teamchef): "Das war etwas ganz Besonderes. Wir haben versucht, Vettel auf Distanz zu halten, aber er ist ja dann ausgeschieden. Es war ein großartiges Rennen, aber die Konkurrenz ist stark. Wir haben ein gutes Fahrzeug und ein starkes Team. Vielleicht schreiben wir bald noch ein Märchen."

Richard Branson (Sponsor Brawn GP): "Das war absolut brillant. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Vor zwei Monaten war das Team draußen, kein Sponsor, kein Geld. Das ist eine tolle Geschichte. Zum Schluss hatte ich nochmal ein ziemlich hohen Puls. Besonders als Barrichello am Schluss Probleme bekommen hat. Es war ein fantastisches Rennen."

Jarno Trulli (Toyota): "Ich bin froh, dass ich von Beginn an im Kuddelmuddel mit drin war. Ich habe meine Arbeit gemacht, aber das Team hat gewonnen. Es hat mir ein sehr gutes Auto hingestellt."

Nico Rosberg (Williams): "Ich hätte schon noch besser sein können. Ich hatte immer Reifenprobleme, wenn sie kalt waren. Bis zum ersten Pitstop war ich in Super-Position. Leider ist dort ein kleiner Fehler unterlaufen und wir haben Zeit verloren. Ich habe alles rausgeholt, 7. Platz und zwei Punkte ist ok. Unsere Entscheidung, weiche Reifen zu nehmen, war eigentlich eine Katastrophe. Ich glaube, alle neuen Regeln haben das Spektakel erhöht. Ich glaube nicht, dass KERS so den Unterschied gemacht. Auf der Geraden konnte ich voll mithalten. KERS ist ja 10% mehr Power, aber anscheinend nimmt es nicht so viel Einfluss."

Sebastian Vettel (Red Bull): "Ich bin ein Idiot, das tut mir sehr, sehr leid", sagte er seinem Team über Funk. Nach dem Rennen im Interview: "Der Crash zum Schluss ist sehr enttäuschend. Wir waren heute sehr schnell unterwegs und hätten eine gute Platzierung verdient gehabt. Aber nachdem ich den letzten Satz weiche Reifen bekommen habe, hat mich das wie ein Schlag getroffen. Es ging gar nichts mehr, ich bin nur noch rumgerutscht." Zum Unfall: "Ich war leicht vorne, konnte dann aber beim Überholmanöver von Robert wegen meinen Reifen nicht mehr nach rechts lenken. Es war für mich unmöglich, die Kollision zu vermeiden. Im Nachhinein hätte ich vor der Situation einfach zwei, drei Schritte voraus denken sollen. Ich wusste das Robert mit seinem harten Reifengemisch schneller ist als ich. In den letzten drei Runden wäre er bestimmt noch an mir vorbei gezogen. Da war ich ein bisschen blauäugig. Aber letztendlich trifft keinen von uns eine alleinige Schuld. Robert wollte einen Platz gut machen, ich wollte meinen Platz verteidigen. Schade ist natürlich, dass wir beide dadurch aus dem Rennen genommen wurden."

Robert Kubica (BMW):"In den letzten Runden war ich sehr gute Zeiten gefahren. Mit meinen harten Reifen wusste ich, dass ich schneller bin als Jenson und Sebastian, die durch ihre weichen Reifen Probleme kriegen. Beim Crash wr Sebastian einfach ein bisschen zu optimistisch. Wenn nicht da, dann hätte ich ihn eben drei Kurven später gekriegt. Das ist jetzt natürlich sehr ärgerlich. Bis zu dem Unfall hatten wir beide ein gutes Wochenende, jetzt gehen wir ohne Punkte nach Hause."

Chris Dyer (Chefingenieur Ferrari): "Das ist ein schwieriger Tag für uns. Vielleicht sind wir im Moment noch nicht in der Position, vorne mitzufahren."


Meine Meinung:

Echt ein super Rennen. Das frühe Aufstehen hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ich meine, ich wäre sonst immer um 05.00 Uhr aufgestanden (wobei ich das Rennen nicht immer gesehen habe, weil ich dann auf der Couch eingeschlafen bin). Rennstart um 08.00 Uhr bzw. aufstehen um 07.00 Uhr, um noch die Vorberichterstattung zu sehen, ist auf jeden Fall angenehmer.

Die Kollision von Sebastian Vettel und Robert Kubica gegen Ende des Rennens war echt unnötig. Ich sehe die Schuld aber eher bei Kubica, weil er früh in die Rechtskurve eingelenkt hat und somit Vettel gar keinen Platz hatte. Einige Runden zuvor haben Alonso und Glock das Überholmanöver an der gleichen Stelle besser hinbekommen. Kubica hätte in der Situation auch zurückstecken können, da Vettel Probleme mit dem weichen Satz Reifen hatte und Kubica Vettel sowieso überholt hätte.

Enttäuschend war die Vorstellung von Ferrari (beide Fahrer sind ausgeschieden). Na ja, und das Auto von McLaren-Mercedes scheint gar nicht so schlecht zu sein, wie vorher behauptet wurde. Zwar hat Hamilton von den Ausfällen provitiert, trotzdem ist er Vierter geworden und hat damit Punkte geholt.

Am besten war die Vorstellung vom Brawn GP Team. Pole geholt und einen Start-Ziel-Sieg eingefahren. Mehr geht nicht. Mal sehen, ob das Team die nächsten Rennen auch so stark ist ...

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