Sonntag, 11. Oktober 2009

Schreib dich schlank: Vorwort

Von Julia Cameron habe ich neben "Von der Kunst des Schreibens" noch ein weiteres Buch mit dem Titel "Schreib dich schlank". Von dem was ich bisher gelesen habe, könnte das Buch auch gut den Titel "Therapiere dich selbst" haben. Auf jeden Fall sind auch in diesem Buch sehr viele gute Ansichten und Ideen, die ich nachfolgend einmal festhalten möchte.

Vorwort

Ich bin Expertin in Sachen Kreativität, keine Diätexpertin. Warum schreibe ich dann aber ein Buch übers Abnehmen? Weil ich zufällig über ein Geheimnis zum Thema Gewichtsreduzierung gestolpert bin, das Erfolg zeigt.

Seit fünfundzwanzig Jahren unterrichte ich nun schon, wie man kreative Blockaden auflöst, einen Prozess von zwölf Wochen Dauer, den ich in meinem Buch "Der Weg des Künstlers" dargestellt habe. Wenn ich vor meiner Lerngruppe im Unterrichtsraum stand, habe ich oft zugesehen, wie sich deren Leben veränderte - und zu meiner Überraschung veränderte sich auch der Körper. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich schließlich erkannt habe, was sich da abspielt - aber jedenfalls beendeten Studenten, die den Kurs mit einer eher pummeligen Figur begonnen hatten, ihn sichtbar schlanker und fitter.

Was läuft da ab?, fragte ich mich also. War das nur meine Einbildung, oder gab es da wirklich so einen Vorher-nachher-Effekt?
Es gab ihn wahrhaftig!

Für die erfahrenen Augen einer Frau wie mich ist Gewichtsverlust eine häufige Begleiterscheinung, wenn wir unsere Kreativität wiedererlangen. Wer sich überisst, blockiert seine Kreativität. Und auch der Umkehrschluss trifft zu: Wir können unsere Kreativität nutzen, um zu verhindern, dass wir uns überessen. Und genau das werden wir in diesem Buch auch tun, indem wir uns nämlich kreativer Techniken bedienen, um einen Angriff auf unser Übergewicht zu starten: Gewichtsveränderung durch Bewusstseinsveränderung lautet die Losung.
Und ob Sie es nun glauben oder nicht: "Schreib dich schlank" stimmt wirklich - wenn wir schreiben, nehmen wir ab; dieser Mechanismus wird oft übersehen und nicht genutzt, ist aber dennoch enorm effizient.

Es ist ja nicht so, dass ich es mit traditionellen Diäten nie versucht hätte. Ganz im Gegenteil - ich bin zwar kein Profi, aber dennoch Expertin. Im Lauf der Jahre habe ich es mit Atkins probiert, doch da ist mein Cholesterin gestiegen; dann kam South Beach an die Reihe, aber ich habe immer sofort wieder an Gewicht zugelegt, sobald ich von Phase eins abwich; es folgten die Diätvorschriften der Anonymen Essgestörten, doch bei dieser Art Essensentzug drehe ich schier durch, und durchdrehen will ich genauso wenig wie fett sein.
Ich habe mich bei den Weight Watchers angemeldet, aber das Zählen von Punkten erscheint mir auf seine Art nicht minder verrückt.
Was ich zu zählen weiß, sind Wörter. Ich habe im Lauf der Zeit gut zwanzig Bücher geschrieben und dabei gelernt, dass jedes Wort zählt - wie jede Kalorie.

Plötzlich habe ich im wahrsten Sinne des Wortes Gedankenfutter. Was ist, wenn sich Wörter anstelle von Kalorien konsumieren lassen? Was ist, wenn ich mich zu meiner Wunschkleidergröße schlank schreiben kann? Kaum war mir diese Idee gekommen, da wusste ich in meinem tiefsten Inneren, dass sie auch stimmte.

Dass wir uns überessen, weil uns etwas auffrist oder an uns nagt, ist eigentlich jedem bekannt. Was ist also, wenn wir uns diese Frage direkt, routinemäßig jedes Mal stellen, wenn wir etwas essen? Was wäre, wenn ich mir bei einem Heißhungeranfall sagen würde "Was frisst mich auf, dass ich so eine Gier nach Essen habe?"

Was wäre, wenn ich mir Gedankenfutter zuführen würde anstelle von realen Nahrungsmitteln? Wenn wir Essen benutzen können, um unsere Gefühle abzublocken, weshalb können wir dann nicht Wörter verwenden, um unser Essverhalten zu blockieren?
Kalorien sind schließlich Energieeinheiten, und das sind Wörter auch.

Eine spannende Idee, wie ich finde. Meine lange Erfahrung als Schriftstellerin hat mich gelehrt, dass Schreiben eine Möglichkeit darstellt, das Leben zu verstoffwechseln. Wenn ich über etwas schreiben kann, kann ich damit umgehen - und oft sogar recht souverän. Ob Schreiben vielleicht eine Methode ist, die Ebbe und Flut meines eigenen Stoffwechsels zu verstoffwechseln?

Ich denke, ja. Ich war nie dünn, aber auch nie dick - oder erst, als ich ein Medikament einnehmen musste, bei dem Gewichtszunahme eine der möglichen Nebenwirkungen ist. Das Medikament ist eine Notwendigkeit. Die Gewichtszunahme ist - in den Augen meines Arztes - ein kleiner Preis, den ich für meine psychische Stabilität zu bezahlen habe. Aber da muss es doch einen Ausweg geben, geht es mir durch den Kopf.

Ob Schreiben des Rätsels Lösung ist?

In den fünfundzwanzig Jahren, die ich nun bereits unterrichte, wie sich kreative Blockaden auflösen lassen, zählt das tägliche morgendliche Schreiben, die "Morgenseiten", zu meinen Routinetechniken.

Wie oft habe ich gesehen, dass meine Studenten ihre Morgenseiten verwenden, um Pfunde wie auch kreative Hemmungen loszuwerden. Auch wenn wir in einem Seminar mit dem Thema "Der Weg des Künstlers" auf kreative Erneuerung aus sind, geht damit oft eine physische Renaissance einher - der Prozess geht Hand in Hand. Oft wenden sich pummelige, deprimierte Kursteilnehmer an mich. Ich sage ihnen, dass sie schreiben sollen.

Eine konstante Selbstreflexion als Diät reguliert rasch ihre Neigung, sich zu überessen - die Pfunde beginnen zu schwinden.

Da die Morgenseiten ihr Leben verstoffwechseln, essen sie nicht mehr zu viel, um auf diese Weise ihre schwierigen Gefühle abzublocken. Ihre Kreativität nimmt zu, während sich ihre Gewicht reduziert.

Schreiben schafft Bewusstsein. Und mit diesem neuen Bewusstsein wird es schwierig, unbewusst über die Stränge zu schlagen.
Ist uns klar, dass Überessen ein Blockademechanismus ist, fällt es und schwerer, zu Nahrungsmitteln zu greifen; es wird einfacher, nach Worten zu greifen.
Und genau das lehrt dieses Buch Sie.

Wenn Sie einen Fressanfall haben, können Sie sich Ihren Seiten zuwenden, anstatt dem Kühlschrank. Tun Sie das, reagiert Ihre Kreativität mit einem Strom von Einsichten und Ideen.

"Es liegt mir schon auf der Zunge", sagen wir oft, wenn uns eine Idee kommt. Was wir dabei nicht berücksichtigen, ist, dass derartige Ideen oft gleichsam auf unserer Zunge zu Hause sind - und dass wir solche Ideen regelrecht ersticken, wenn wir uns überessen.

Wir machen Bekanntschaft mir unseren Emotionen. Und sobald wir sie dann kennen, können sie uns nicht mehr sabotieren - und wir alle können kreativer sein, als dies momentan der Fall ist. Wenn wir unsere Blockademechanismen aufgeben, finden wir zu unserer eigenen Kraft.

In diesem Buch konzentrieren wir uns vorrangig auf Essen als Blockademechanismus - und auf das Schreiben als Mittel zur Gewichtskontrolle.

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