Mittwoch, 21. Oktober 2009

"Vettel wird Weltmeister"

Horner: "Vettel wird Weltmeister"

Horner: Vettel wird Weltmeister
Die Enttäuschung nach dem verpassten Weltmeister-Titel war bei Sebastian Vettel und seinem Red-Bull-Team sehr groß. Doch mit etwas Abstand zu den Ereignissen beim Großen Preis von Brasilien zog Teamchef Christian Horner ein nüchternes Fazit und wertete die Saison 2009 als Erfolg. Zurecht: Denn mit fünf Siegen, fünf Pole Positions, 14 Podiumsplätzen und 135,5 Punkten nach 16 Rennen gelang dem Rennstall seine mit Abstand beste Saison.

Ein Grund für den rasanten Aufstieg des Teams ist Vettel, über dessen Entwicklung Horner sagte: “Unglaublich! Er ist ein sehr schneller Fahrer, dem nur eins fehlt: Erfahrung. Er wird immer besser. Ich denke, wir haben erst die Eisbergspitze von Sebastians Potenzial gesehen“, lobt der Teamchef den 22-Jährigen in einem Interview mit der ’Sport Bild’. Dazu gehöre auch, aus Fehlern zu lernen. “Alle großen Champions haben Fehler gemacht und daraus gelernt. Darauf kommt es an“, sagte Horner, der glaubt, dass Vettel 2010, spätestens 2011 Weltmeister wird. “Ich bin optimistisch, dass es in einem der beiden Jahre klappt.“

Gute Aussichten für Red Bull und Vettel

Horner gibt jedoch zu bedenken: “Im Titeljahr muss alles passen: die Leistung des Fahrers, die Zuverlässigkeit des Autos – und das nötige Glück.“ Genau daran haperte es in diesem Jahr. “Zu Beginn der Saison war es der Diffusor. Dann der verlorene 2. Platz von Sebastian in Melbourne, die Strafe in Malaysia, die Motorschäden und der Ausfall in Ungarn, als er mit Kimi Räikkönen kollidierte und mit kaputter Aufhängung ausfiel. Und zuletzt die Durchfahrstrafe in Singapur – das hat alles Punkte gekostet“, resümiert der 35-jährige Teamchef treffend. Red Bull hat also viel Raum für Verbesserungen. Dass Ferrari und McLaren-Mercedes nach einer verkorksten Saison im kommenden Jahr zurück an die Spitze kommen werden, bereitet Horner dabei kein Kopfzerbrechen. Es gebe keinen Grund, warum Red Bull nicht auch 2010 “konkurrenzfähig sein sollte“.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Kimi will viel Kohle

Toyota: Abfuhr für geldgierigen Räikkönen

Toyota: Abfuhr für geldgierigen Räikkönen
Kimi Räikkönen pokert weiter um ein Cockpit für die kommende Saison, tritt dabei allerdings auf der Stelle. Die Verhandlungen mit Toyota liegen wegen zu hoher Gehaltsforderungen des Ferrari-Piloten auf Eis. "Er hat uns einen Preis genannt, der viel zu hoch ist", sagte Teamchef John Howett 'Motorsport aktuell': "Seine Summe kommt für uns nicht infrage. Er muss jetzt mit einem neuen Angebot auf uns zukommen. Aber er sagt, er hat zwei Optionen. Wir warten."

Doch auch bei der zweiten Option, die McLaren-Mercedes ist und Räikkönen wohl zum Geldgeier gemacht haben, gibt es "keine neuen Entwicklungen an der Front", sagte Motorsportchef Norbert Haug. Sollte der Finne ein Silberner werden, kassiert er angeblich eine Abfindung in Höhe von 25 Millionen Euro aus dem Lager der Scuderia.

Dessen Sponsor Bank Santander überweist die stattliche Summe dafür, dass Räikkönen seinen Platz bei Ferrari für Fernando Alonso geräumt hat. Als gleichzeitiger Geldgeber von McLaren fließen die 25 Millionen allerdings nur bei einem Wechsel zu dem britischen Rennstall auf das Konto vom 30-Jährigen.

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Auch wenn sich viele Teams nach Räikkönen als letzten Top-Piloten ohne Cockpit die Finger lecken, könnten ihm seine Gehaltsvorstellungen zum Verhängnis werden. Dass Heikki Kovalainen bei McLaren aussortiert werde, sei laut Haug "so sicher nicht"- ein Platz für den Weltmeister von 2007 also genauso wenig.

Bei Toyota ist man nicht bereit, Räikkönen das Geld in den Rachen zu werfen und will stattdessen auf Talente setzen. "Ich würde am liebsten einen ganz jungen Fahrer aufbauen", sagte Howett.

Eine letzte Alternative für Räikkönen, der noch bis 2010 einen Vertrag bei Ferrari besitzt, könnte der Abschied aus der Formel 1 sein. Gerüchte um eine Flucht zum Rallye-Sport kursieren schon lange in der Szene, doch ob da noch die Abfindung der Santander-Bank für die Rente reicht?

Button will bei Brawn verlängern

Button will bei Brawn verlängern

Button will bei Brawn verlängern
Formel-1-Pilot Jenson Button will nach dem Gewinn des Weltmeistertitels seinen auslaufenden Vertrag beim Team Brawn GP verlängern. "Ich will bei Brawn bleiben. Wir haben nur noch nicht drüber gesprochen", sagte der Brite. Er werde die Verhandlungen mit seinem Rennstall über einen neuen Kontrakt in den kommenden Tagen aufnehmen, fügte der 29-Jährige hinzu.

Button hatte nach dem Ausstieg von Honda bis kurz vor der Saison um sein Cockpit in der Königsklasse zittern müssen, ehe das Nachfolgeteam Brawn ihn übernahm. In Brasilien sicherte er sich am vergangenen Sonntag im vorletzten Saisonrennen den WM-Titel.

Ross Brawn will Versäumtes nachholen

"Ich will nicht zu einem anderen Team wechseln, nur weil sie mir vielleicht einen Haufen Geld bezahlen", versicherte Button. "Natürlich werde ich ein wenig Druck ausüben, aber so teuer bin ich nicht."

Zuvor hatte bereits Teamchef Ross Brawn seine Bereitschaft für Vertragsgespräche signalisiert. "Wir haben die Möglichkeit dazu im Sommer versäumt. Jetzt werden wir uns mit den Fahrern in den nächsten Wochen zusammensetzen und die Dinge anpacken", sagte Brawn.

Ein neuer Vertrag für Button gilt dabei als Formsache. Dagegen könnte sein 37-jähriger Teamkollege Rubens Barrichello im Tausch mit dem Wiesbadener Nico Rosberg zu Williams wechseln.

Montag, 19. Oktober 2009

Ohne Brawn hätten wir es nicht geschafft

Button: Ohne Brawn hätten wir es nicht geschafft

Button: Ohne Brawn hätten wir es nicht geschafft
Der Meistermacher hat wieder zugeschlagen. Wo 'Superhirn' Ross Brawn ist, da ist Erfolg praktisch garantiert. Alle sieben Titel holte Michael Schumacher mit dem Briten, zwei bei Benetton, fünf bei Ferrari. Nun machte Brawn Jenson Button zum Champion. "Er hat eine Medaille verdient", meinte Button, der nach neun vergeblichen Anläufen triumphierte und sich mit einem dicken Schmatzer auf die Wange bei Boss Brawn bedankte.

Rekord-Weltmeister Schumacher gratulierte per Internet-Botschaft: "Für Ross, den ich nun so lange kenne, freut es mich wahnsinnig. Er hat diesen Erfolg verdient." Brawn hatte schon 1996 bei seiner Ankunft bei Ferrari aufgeräumt. Auch jetzt hat er es verstanden, die richtigen Leute um sich herum zu sammeln, sie richtig zu fördern, zu führen und das Maximale herauszuholen. "Das ist ein Mensch mit Talent und nichts anderes", urteilte Ex-Weltmeister Keke Rosberg.

Schumacher lobt seinen ehemaligen Weggefährten

Eine Show der Emotionen versagte sich Brawn indes wie gewohnt. "Euphorisch, aber benommen", fühle er sich nun, sagte er nach dem doppelten Weltmeister-Triumph. "Es gibt ein paar Momente, in denen ich realisiere, was das Team erreicht hat. Es ist etwas sehr Besonderes", meinte er. "Was die geschafft haben, ist aller Ehren wert", urteilte auch sein früherer Schützling Schumacher. Mindestens so wichtig wie Buttons Titel ist für die 'Brawnies' der Gewinn der Konstrukteursmeisterschaft. Dies bringt dem Team viel frisches Geld. Die Verteilung der Vermarktungseinnahmen wird nach eben dieser Rangliste geregelt.

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Ross Brawn: gewiefter Taktiker, cleverer Stratege, Mann vom Fach, der in der glamourösen Formel-1-Welt irgendwie ein bisschen kauzig daherkommt. Seine Hobbys sind nicht gerade actiongeladen: Fischen und Rosenzüchten. Seinen ersten Job im Motorsport trat Brawn 1976 an, bei Williams und March. Über Lola und Arrows sowie Jaguar landete der Mann aus Manchester bei Benetton, mit Schumacher. Der Kerpener, beeindruckt von Brawns Gründlichkeit, nahm ihn dann mit zu Ferrari.

'Superhirn' Brawn trickste Konkurrenz aus

Ihre Zeit dort endete auch gemeinsam: Schumacher beendete nach der Saison 2006 seine Karriere, Brawn stieg für ein Sabbatjahr aus. Statt der Rückkehr zu den Roten ging der 54 Jahre alte Vater zweier Töchter zu Honda. Wenn auch mit viel Zittern und Bangen: Die nächste Erfolgsgeschichte nahmen ihren Anfang. Am 6. März, kurz vor dem WM-Start in diesem Jahr verkündete Aussteiger Honda: "Wir sind erfreut, dass wir das Team an Ross Brawn verkaufen konnten." Weltmeister Button betonte: "Dieses Team würde nicht existieren, wenn Ross nicht hier wäre. Sein Name steht auf der Seite des Autos und das bedeutet eine Menge Druck."

Die volle Konzentration hatte Brawn schon früh im vergangenen Jahr auf die Entwicklung des neuen Autos für 2009 gelegt. Ein Vorsprung, den die gestürzten Branchenführer McLaren-Mercedes und Ferrari nicht mehr aufholen konnten. "Ich denke nicht, dass irgendeiner von uns glaubt, dass wir es ohne ihn geschafft hätten", meinte Button.

Portrait Jenson Button

PS-Playboy Button: Triumphaler "Langweiler"

PS-Playboy Button: Triumphaler Langweiler
Hochgelobt, verspottet und nun triumphal umjubelt: Nach einer Achterbahn-Karriere ist Jenson Button im zehnten Anlauf am Ziel seiner Träume angekommen. Der Engländer mit dem charmanten Lächeln und einer Vorliebe für schöne Frauen, der vor der Saison schon arbeitslos war, krönte sich in seinem 169. Grand Prix zum neuen Champion der Formel 1. "Ich war schon als Kind Formel-1- Fan. Jetzt hier zu sein, ist eine Ehre und ein großes Glück", schwärmte der Brawn-Pilot.

Nach einer grandiosen ersten Saisonhälfte mit sechs Siegen in sieben Rennen brachte er den größten Triumph seiner wechselhaften Karriere vorzeitig - auch dank taktischer Zurückhaltung - in trockene Tücher. "«Das ist es, was ein Champion macht. Es geht darum, alle unterschiedlichen Möglichkeiten durchzuspielen. Darum, Rennen zu gewinnen, wenn Du musst. Darum, das Beste aus jeder Situation zu machen. Genau das habe ich getan", konterte Button in Brasilien Vorwürfe zu seiner eher mäßigen zweiten Saisonhälfte.

Kritik ist der Blondschopf gewohnt - auch wenn er bei den motorsportverrückten Engländern zu Beginn zum 'Everybody's Darling' avancierte. Doch die hohen Erwartungen konnte Button, der drei Schwestern hat und stets von seinem Vater John Button - braun gebrannt, mit weit aufgeknöpftem Hemd und dem rauen Charme eines Seefahrers - zu den Rennen begleitet wird, nicht erfüllen. Ob bei Williams-BMW, Benetton, Renault, BAR oder zuletzt Honda - es waren viele verlorene Jahre dabei.

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Nachdem er 2000 sein Debüt in der Formel 1 bei Williams gefeiert hatte, machte er stattdessen durch Wechseltheater Schlagzeilen. Erst ein Notarbüro des Internationalen Automobilverbandes brachte 2005 Klarheit. Der Button-Kontrakt mit seinem alten Arbeitgeber BAR war gültig, der Wechsel zu Williams-BMW geplatzt. 2006 wollte Button dann auf einmal nicht mehr BAR verlassen. Von seiner Unterschrift bei Williams kaufte er sich mit einer Millionensumme frei.

WM-Dritter 2004, ein Sieg in neun Jahren. Buttons Bilanz brachte wenig Glanz. Für Glamour sorgte er mit seinem Lebensstil. Schon als Formel-1-Fahrschüler parkte er seine Jacht 'Little Missy' im Hafen von Monte Carlo, wo er noch heute seinen Wohnsitz hat, und machte sich als Frauenheld einen Namen. 'Our Jense' tauften ihn die britischen Medien, und 'Spice Boy' in Anlehnung an die Girls-Band. Bald wurde es aber weniger nett: "Winless Wonder - Siegloses Wunder".

Nach dem Honda-Ausstieg schien der Sturzflug des Briten aus dem aus dem südenglischen Frome auf dem absoluten Tiefpunkt. "Es war eine dunkle Zeit", bekannte der Rennfahrer, der sich als Achtjähriger bei Kartrennen mit dem Vollgas-Virus infiziert hatte. Erst im März war das Rettungspaket von Teamchef Ross Brawn endlich geschnürt, im letzten Test vor Saisonbeginn meldete sich Button doch noch zurück. Und wie! "Er ist der perfekte Rennfahrer", schwärmte Brawn, der auch schon Michael Schumacher zum Rekord-Weltmeister machte.

Endlich hatte Button auch die Einstellung, die es brauchte, um sich als Nachfolger seines Landsmanns Lewis Hamilton als zehnter Brite in die Weltmeister-Listen einschreiben zu können - beide übrigens mit einem Mercedes-Motor unter der Haube. Alle Konzentration gilt dem nächsten Rennen. "Ich bin ein totaler Langweiler geworden, fragt meine Freundin", scherzte Button, der seinen Körper mit mehr als beachtlichen Resultaten beim Triathlon stählt, jüngst und verwies auf das Unterwäsche-Model Jessica Michibata. Mit einer langweiligen WM-Party rechnete aber ganz sicher niemand.

Das Zittern hat sich gelohnt

Team-Weltmeister Brawn: Zittern hat sich gelohnt

Team-Weltmeister Brawn: Zittern hat sich gelohnt
Achterbahnfahrt im Eiltempo: Ein Jahr nach dem Aus des Vorgänger-Rennstalls hat Brawn GP den Weltmeistertitel der Konstrukteure eingefahren. Am 5. Dezember 2008 verkündete Honda seinen Rückzug aus der Formel 1, mit einem Schlag standen Jenson Button und PS-Veteran Rubens Barrichello ohne Team da. Viele nervenzehrende Wochen vergingen. Während die Konkurrenz ihre Wagen schon vorstellte und testete, suchten Ross Brawn & Co. nach neuen Geldgebern und Motoren.

Drei Monate und einen Tag später dann die Rettung: "Wir sind erfreut, dass wir das Team an Ross Brawn verkaufen konnten", teilte Honda am 6. März mit. Brawn - Angler aus Leidenschaft und einst Ferraris 'Superhirn', nun Teamchef und Mitbesitzer des gleichnamigen Teams. Die rund 700 Mitarbeiter im Werk in Brackley durften aufatmen. Im Gegensatz zu Button und Barrichello verdienten sie zuvor keine Millionensummen. Die Fahrer sollen Medienberichten zufolge auf Teile ihres Gehalts verzichtet haben, Brawn bekam bei der Übernahme damals angeblich eine finanzielle Mitgift von Honda.

Perfektes Paket mit Mercedes-Power

Die Abfindung für die Werksangestellten wäre für den japanischen Autobauer nach dem britischen Arbeitsrecht wohl wesentlich teurer gewesen - bis zu 150 Millionen Euro - als die vermeintliche Wiederaufbau-Prämie. Anfangs noch geradezu unschuldig weiß, versammelten sich nach und nach auch die Sponsorenaufkleber auf dem neuen Brawn-Rennwagen.

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Und unter der Abdeckung lief der neue Motor wie ein Schweizer Uhrwerk. Er stammt aus Stuttgart: Mercedes beliefert den Rennstall mit Aggregaten und startete mit Brawn richtig durch, während die McLaren-Mercedes-Rennwagen erstmal nicht auf Touren kommen wollten. Das Brawn-Paket stimmte, mit dem Doppeldiffusor unter der Leitung des damaligen Chefdesigner Jörg Zander aus Deutschland fuhren die 'Brawnies' der Konkurrenz in der ersten Saisonhälfte auf und davon.

Button in den ersten Rennen nicht zu stoppen

Sechsmal stand Button in den ersten sieben Rennen ganz oben, insgesamt fuhr BrawnGP bei noch einem ausstehenden Grand Prix in zwei Wochen in Abu Dhabi acht Siege in 16 Rennen ein. Der Vorsprung auf Verfolger Red Bull ist in der Konstrukteurswertung nicht mehr einholbar, der WM-Titel nicht mehr zu nehmen. Das lange Zittern vor der Saison hat sich gelohnt - bei der Geldausschüttung nach den 17 Läufen steht BrawnGP ganz vorn.