Posts mit dem Label Lügen-Affäre werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Lügen-Affäre werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 5. Mai 2009

Formel 1 News

Hamilton schwört Silber die Treue

Nach dem glimpflichen Ende der Lügen-Affäre wollen die Silberpfeile auch bald wieder auf der Rennstrecke glänzen. Das schönste Geschenk kam aber von Weltmeister Lewis Hamilton, der dem Team die Treue schwört. "Lewis hat einen langfristigen Vertrag und - noch viel wichtiger - er will langfristig mit uns zusammenarbeiten. Sicher auch aus sportlichem Grund", sagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Der vom Team zur Lüge angestiftete 24-jährige Brite wollte McLaren-Mercedes bitter enttäuscht verlassen. Jetzt gibt es einen gemeinsamen Neuanfang - ohne Ziehvater Ron Dennis, dafür aber mit Hamilton.

McLaren-Mercedes schiebt Nachtschichten für den Erfolg, doch der Weg zurück an die Spitze wird extrem schwer. "Wann wir wieder siegfähig sind, vermag ich heute nicht zu sagen", meint Haug vor der Europa-Premiere 2009 am Sonntag (14.00 Uhr/live bei RTL) in Barcelona.

Hamilton belegt vor dem 5. WM-Lauf der Saison mit neun Punkten nur den 7. Platz der WM-Wertung, der Champion liegt Welten hinter den Autos von Ross Brawn zurück. Der Brite Jenson Button führt nach drei Siegen mit 31 Zählern überlegen vor seinem brasilianischen Teamkollegen Rubens Barrichello (19) und Deutschlands Hoffnungsträger Sebastian Vettel (18).

Bremsen und Motor sind die Pluspunkte des Autos, dafür werde man in Barcelona merken, dass es immer noch einen Mangel an Abtrieb im Vergleich zur Spitze gibt, meint Haug. "Es wird schwer, uns für den dritten Teil des Qualifyings und die besten zehn Startplätze zu qualifizieren", sagt der Mercedes-Sportchef.

Ohne Dennis gibt es eine neue Kultur im Team, Ehrlichkeit und Fairplay sollen künftig im Vordergrund stehen. Haug: "Wir haben mit der FIA kooperiert und in aller Offenheit kommuniziert, gemachte Fehler wurden offen eingestanden."

Hauptanteilseigner Mercedes (40 Prozent) soll die treibende Kraft beim Wandel gewesen sein, doch Haug will das nicht an die große Glocke hängen. "Wir arbeiten als Team", sagt der Schwabe. Kritik an Ron Dennis und dessen Führungsstil gibt es zumindest nicht öffentlich. Haug: "Er hat große Verdienste um das Formel-1-Team McLaren-Mercedes, das darf nicht vergessen werden."

Den Streit zwischen FIA-Präsident Max Mosley und Ferrari wegen der Budgetgrenze von rund 44 Millionen Euro verfolgt Haug natürlich aufmerksam, bissige Kommentare über den großen Rivalen aus Maranello verkneift er sich aber: "Wir wollen die Kosten drastisch senken, das ist das Mercedes-Benz-Anliegen schon seit über fünf Jahren. Wie alle Teams stehen wir bei den Kostensenkungs-Programmen zu den Zielen der Teamvereinigung FOTA."

Voll des Lobes ist Haug über Sebastian Vettel. Der Shootingstar habe "absolut" das Zeug dazu, in diesem Jahr Weltmeister zu werden. "Prima für Sebastian, prima für Red Bull, prima für alle deutschen Zuschauer und nicht ganz so prima für uns. Aber wir arbeiten daran, dass sich das wieder ändert", betont der Mercedes-Sportchef, auf dessen Wunschzettel für 2010 Vettels Name ganz oben steht. Der 21-Jährige könnte dann mit Hamilton das Dream Team der Formel 1 bilden.

Die Chronologie der Lügen-Affäre

29. März:Toyota-Pilot Jarno Trulli wird wegen Überholens in der Safety-Car-Phase beim Großen Preis von Australien mit einer 25- Sekunden-Zeitstrafe belegt. Lewis Hamilton rückt im McLaren-Mercedes Rang drei vor. Bei der Anhörung geben Hamilton und Sportdirektor Dave Ryan nach FIA-Angaben zu Protokoll, dass es keine Anweisung gab, Trulli überholen zu lassen. Toyota kündigt Einspruch an.

1. April: Toyota verzichtet auf den Einspruch. Man sehe keine Chance, die Entscheidung der Rennkommissare vor dem Berufungsgericht des Automobil-Weltverbandes FIA zu kippen. 2. April: Die FIA verkündet, dass sich die Rennkommissare von Australien noch am selben Tag treffen. Es sei "ein neuer Aspekt in Bezug auf den Vorfall aufgetaucht". Bei der Verhandlung bleiben Hamilton und Ryan nach anschließenden FIA-Angaben trotz der neuen Aspekte bei ihren Aussagen. Das Urteil: Hamilton und McLaren-Mercedes werden aus der Wertung des Auftaktrennens genommen. Man habe sie "absichtlich irregeführt", so der Vorwurf der Rennkommissare. 3. April: McLaren suspendiert Ryan. Bei einer Pressekonferenz im offiziellen FIA-Raum zeigt Hamilton Reue. "Ich kann nicht sagen, wie beschämend das für mich ist", sagt der Brite. Ryan habe ihn aufgefordert, Informationen zurückzuhalten.

5. April: Martin Whitmarsh stellt am Rande des Großen Preises von Malaysia seine Zukunft als Teamchef infrage. Er sei bereit, seinen Rücktritt anzubieten. Doch die Entscheidung liege bei den Anteilseignern.

7. April: Die FIA gibt bekannt, dass sich McLaren-Mercedes bei einer außerordentlichen Sitzung des Weltrates am 29. April in Paris verantworten muss. McLaren sichert volle Zusammenarbeit zu und gibt gleichzeitig die Entlassung Ryans bekannt. 16. April: Hamiltons sportlicher Ziehvater Ron Dennis zieht sich mit sofortiger Wirkung aus der Formel 1 zurück und gibt auch sein Amt als Chef der McLaren-Firmengruppe auf. Der Brite wird verdächtigt, Hamilton und Ryan zur Falsch-Aussage angestiftet zu haben. 24. April: Ein Brief von Whitmarsh an FIA-Präsident Max Mosley wird bekannt. In dem Schreiben räumt der Teamchef ein Fehlverhalten ein und entschuldigt sich.

25. April: Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche droht in einem Interview des Nachrichtenmagazins 'Focus', für den Fall einer "unangemessenen Bestrafung" das Formel-1-Engagement von Mercedes überdenken zu wollen.

29. April: Der Motorsport-Weltrat der FIA spricht nach der Anhörung in Paris eine Bewährungsstrafe gegen das McLaren-Mercedes-Team aus. Das Team wird nur dann für drei Rennen gesperrt, wenn weitere belastende Fakten in der Affäre auftauchen oder es erneut gegen das Regelwerk verstößt. Die FIA honoriert mit der eher milden Strafe das "offene und ehrliche Auftreten" von Whitmarsh im Zeugenstand.

Europa-Auftakt in Barcelona: Uhren auf Null?

Der Formel-1-Tross ist zurück aus Übersee. Am Wochenende beginnt die Saison 2009 mit dem Großen Preis von Spanien in Barcelona von Neuem. Nach den eher ungewöhnlichen Kursen in Melbourne, Sepang, Schanghai und Manama gilt der Circuit de Catalunya als Gradmesser für die kommenden Rennen. Auf dieser Strecke haben sich die Teams im Winter vorbereitet, hier werden sie erstmals die neuen Entwicklungsprogramme und Modifikationen, die in den vergangenen Wochen von den Ingenieuren ausgetüftelt wurden, zum Einsatz bringen.

Zwar wird sich das Kräfteverhältnis nicht radikal ändern, doch besonders die Top-Teams McLaren-Mercedes, Ferrari und BMW Sauber werden in Barcelona alles in die Waagschale werfen, um sich im Titelkampf zurückzumelden. Sollten Hamilton, Massa & Co. jedoch auch auf der katalanischen Strecke nur den umstrittenen Doppeldiffusor von Brawn GP von hinten sehen, können sie die Saison getrost abschenken.

Große Hoffnungen hegt auch Toyota. Frei nach dem Motto 'Nichts ist Unmöglich' wollen die Japaner endlich den ersten Sieg in der Teamgeschichte einfahren. "Wir haben das
in Bahrain nur knapp verpasst", sagte Team-Präsident John Howett, "aber durch den Start von Pole Position und die schnellste Rennrunde haben wir gezeigt, dass wir die Pace haben. Wir arbeiten hart, dass es auch bald den Sieg gibt."

Der deutsche Hoffnungsträger Timo Glock, der immerhin bei allen bisherigen Rennen Punkte gesammelt hat, setzt auf ein Upgrade am TF109. "Das bringt hoffentlich zusätzlich etwas", so Glock. Es sei enttäuschend gewesen, in Bahrain nach dem Start in der ersten Reihe nur Siebter zu werden. Das Potential des Autos sei jedoch für jeden "deutlich erkennbar".

Neben Toyota muss Brawn GP auch mit dem Angriff von Red Bull und Williams rechnen. Die Briten sind gewarnt. Teamchef Ross Brawn schickt seine beiden Piloten Jenson Button und Rubens Barrichello mit einem völlig modifizierten Boliden ins Rennen. "Wir sind schon sehr gespannt darauf, unsere Entwicklungsarbeit an diesem Wochenende in Barcelona auf der Rennstrecke zu erleben", so Brawn.

Man müsse das Leistungsniveau der vergangenen Rennen aufrecht erhalten, "wenn wir in diesem Jahr ein ernsthafter Kandidat auf die Titel sein wollen. Das Feld ist seit dem Saisonauftakt ziemlich zusammengerückt und die Leistungsabstände an der Spitze sind verschwindend gering. Während wir in den vergangenen Wochen ständig unterwegs waren, wurde in der Fabrik daher an einem Update-Paket für den BGP 001 gearbeitet."

Top-Pilot Button sieht sich und sein Team daher auch in Spanien im Vorteil. "In Barcelona brauchst du einen Wagen mit einem guten Abtriebsniveau. Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass sich unser Fahrzeug so vorhersehbar verhält. Das verschafft dir in den schnellen Ecken die nötige Portion Zuversicht", so Button. Seine Taktik ist denkbar einfach: Qualifying gewinnen und dann am Start davonbrausen, denn "auf dieser Strecke ist Überholen nicht gerade einfach".


Silberpfeile: Kriechen statt Fliegen

Seit dem vergangenen GP von Bahrain ist McLaren-Mercedes bei der Weiterentwicklung seines Autos offenbar nicht der große Wurf gelungen. Entsprechend kleine Brötchen backt Norbert Haug vor dem Europa-Auftakt der Formel 1. "Ich habe nicht den Eindruck, dass wir dramatisch weiter sind", sagte der Mercedes-Motorsportchef. "Dass wir uns schwertun werden, ist keine Tiefstapelei."

Bei Testfahrten auf dem Circuit de Catalunya vor der Saison waren sowohl Lewis Hamilton aus England als auch sein finnischer Team-Kollege Heikki Kovalainen der Konkurrenz deutlich hinterher gefahren. "Wir haben jetzt noch zu wenig Abtrieb", sagte Haug zum weiterhin bestehenden aerodynamischen Hauptproblem.

Den vielversprechenden Auftritt Hamiltons zuletzt beim Wüstenrennen in Manama solle man auch nicht überbewerten. Dort war der WM-Titelverteidiger Vierter geworden.

BMW droht mit Ausstieg aus der Formel 1

BMW droht mitten in der schwersten sportlichen Krise mit dem Ausstieg aus der Formel 1 und schlägt sich damit im Streit um die Budgetgrenze auf die Seite von Ferrari. "Eine Zwei-Klassen-Formel 1 ist nicht attraktiv für BMW", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen beim traditionellen Medien-Stammtisch in München. Man habe mit dem Vorstand das Formel-1-Engagement im Februar einer ganzheitlichen Bewertung unterzogen, aber wenn sich die Rahmenbedingungen ändern würden, "hat das auch Auswirkungen aufs Projekt."

Nun hängt alles von einem Treffen der Teamvereinigung FOTA am Mittwoch in London ab; dann soll im eskalierenden Machtkampf mit dem Automobil-Weltverband FIA eine gemeinsame Position der insgesamt 10 Rennställe gefunden werden. "Natürlich ist das nicht einfach, wenn das reichste Team fünfmal soviel Geld hat wie das ärmste. Aber wir haben die Flexibilität, auf die anderen zuzugehen", sagte Theissen. Der BMW-Etat liegt in dieser Saison bei geschätzten 210 Millionen Euro, bei Toyota sind es angeblich sogar 280 Millionen.

Laut Theissen sei man nicht generell gegen eine Kostenbremse, es gehe nur um die richtige Zahl: "Man kann das nicht einfach um den Faktor drei eindampfen. Es wäre zum Beispiel ein gleitender Pfad über zwei, drei Jahre denkbar."

FIA-Chef Max Mosley hatte eine ab 2010 gültige Budgetgrenze in der Formel 1 von rund 44 Millionen Euro pro Team durchgedrückt. Wer sich daran hält, bekommt große Freiheiten bei der Aerodynamik und der Motorenleistung der Autos. Dagegen bleiben Rennställen, die weiterhin mehr investieren wollen, diese Vorteile verwehrt.

Wegen der geplanten "Zwei-Klassen-Formel 1" hatte vor BMW schon Ferrari-Chef Luca di Montezemolo mit dem Ausstieg gedroht. Dafür bekam der Italiener, gleichzeitig FOTA-Chef, Rückendeckung von Theissen: "Ferrari ist ein Vorreiter wider Willen. Was di Montezemolo nach außen vertritt, ist FOTA-Gedankengut."

Das darf allerdings bezweifelt werden, denn die ärmeren Rennställe wie Williams, WM-Spitzenreiter Brawn oder Force India haben sich klar für eine niedrige Budgetgrenze ausgesprochen. Selbst Hersteller wie Mercedes oder Renault liebäugeln in Zeiten der Wirtschaftskrise mit der Idee einer radikalen Kostensenkung.

"Hoffentlich am Tiefpunkt angekommen"

Wegen unterschiedlichen Positionen erwartet Theissen vor dem Großen Preis von Spanien am Sonntag eine extrem lange FOTA-Sitzung in London, glaubt aber an eine vernünftige Einigung aller Teams. Ob die FIA danach ihre Beschlüsse noch einmal ändert (Theissen: "Ich tue mich schwer, da reinzuschauen") erscheint ungewiss.

Mosley hatte unlängst gelassen auf die Ausstiegsdrohung der Formel-1-Legende Ferrari reagiert: "Es wäre sehr, sehr traurig, Ferrari zu verlieren. Es ist Italiens Nationalteam. Die Formel 1 überlebt aber auch ohne Ferrari." Das gilt natürlich noch viel mehr im Fall BMW.

Formel-1-Boss Ecclestone glaubt noch an ein Happy End: "Das sind keine monumentalen Dinge, die es auszusortieren gilt." Gelingt die Einigung nicht, könnte das Anfang 2006 begonnene eigene Formel-1-Projekt von BMW Ende dieses Jahres gestoppt werden.

Die als Titelanwärter angetretenen Münchner hatten beim Großen Preis von Bahrain die beiden letzten Plätze belegt. Für das Rennen am Sonntag in Barcelona soll ein neues Aerodynamik-Paket "etwa eine halbe Sekunde" (Theissen) pro Runde bringen. Der Rückstand zur Spitze betrug zuletzt allerdings mehr als eine Sekunde.

Zudem wird BMW - im Gegensatz zum WM-Spitzenreiter Brawn und Topteams wie McLaren-Mercedes - weiter ohne Doppel-Diffusor fahren und verzichtet in Spanien auf das in den ersten vier Saisonrennen von Theissen gepushte Energie-Rückgewinnungs-System KERS.

Auf die Frage, ob BMW am Tiefpunkt angekommen sei, antwortete Theissen: "Ich hoffe es." Es könnte also noch schlimmer kommen ...

BMW mit 'neuem' Auto in Barcelona

4 Punkte aus vier Rennen und Platz 6 in der Konstrukteurs-WM, das ist die erschütternde Bilanz von BMW Sauber in dieser Saison. Um doch noch eine Rolle im PS-Zirkus zu spielen, greift der Rennstall beim diesjährigen Europa-Debüt in Spanien mit einem runderneuerten Auto an.

Die Weiß-Blauen planen in Barcelona den Einsatz eines neuen Aerodynamik-Pakets, das den F1.09 pro Runde eine halbe Sekunde schneller machen soll. Ein bescheidenes Ziel des ehemaligen Titelanwärters. Beim Großen Preis von Bahrain betrug der Rückstand der beiden BMW-Boliden, die auf den letzten Plätzen landeten, mehr als eine Sekunde.

Außerdem wird BMW auf dem Circuit de Catalunya erstmals in dieser Saison ohne das Energie-Rückgewinnungs-System KERS und weiter ohne Doppel-Diffusor fahren. "Beim Thema Doppel-Diffusor hätte ich mir im Nachhinein gewünscht, dass wir früher aufgesprungen wären", sagte Dr. Mario Theissen. Wann die Bayern das Bauteil bei ihrem Rennwagen erstmals einsetzen, ließ der BMW-Motorsportdirektor offen: "Red Bull mit Sebastian Vettel ist ohne den Diffusor das schnellste Auto." Gleichzeitig sprach er dem deutschen Youngster ein großes Lob aus: "Wenn man die ersten zwei Jahre von Schumachers Karriere ansieht und vergleicht, dann sehe ich ihn auf dem Niveau. Die weitere Entwicklung muss man sehen. Er hat alle Anlagen, ein ganz Großer zu werden."

Überraschend ist der Verzicht auf Theissens Lieblingskind KERS, das BMW in den ersten vier Saisonrennen zumindest im Auto von Nick Heidfeld immer eingesetzt hatte. "Die Abstimmzeit am Freitag mit unserem neuen Aerodynamik-Paket wäre zu kurz", begründete Theissen den Ausbau. KERS bringt wegen des hohen Gewichts offenbar nicht den Zeitvorteil, den sich die Münchner vor der Saison ausgerechnet hatten. In Barcelona erwartet Theissen, dass beide Fahrer unter die Top Ten in der Qualifikation kommen: "Wir wollen uns aus dem hinteren Mittelfeld nach vorn arbeiten."


Freitag, 1. Mai 2009

Blaues Auge für die Silbernen

Blaues Auge für die Silbernen

Das World Motor Sport Council der FIA hat McLaren-Mercedes in der "Lügen-Affäre" für drei Rennen auf Bewährung gesperrt. Weltmeister Lewis Hamilton und der inzwischen entlassene McLaren-Sportdirektor Dave Ryan hatten nach dem Großen Preis von Australien in Melbourne die Renn-Kommissare angelogen. Die Dauer der Bewährung beträgt zwölf Monate.

Sollten weitere belastende Fakten in der Angelegenheit auftauchen oder das Team erneut gegen das Regelwerk verstoßen, wird die Strafe wirksam, hieß es. Funk-Mitschnitte hatten Silberpfeil-Pilot Hamilton und McLaren-Sportdirektor Dave Ryan nach dem Saisonauftakt in Australien der Falsch-Aussage vor den Renn- Kommissaren überführt.

Die FIA begründete das eher milde Urteil mit dem "offenen und ehrlichen Auftreten" von McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh bei der Anhörung.

Whitmarsh hatte sich bei der Anhörung am Vormittag für seinen Rennstall entschuldigt. "Wir haben Fehler gemacht und uns dafür bei der FIA und der Öffentlichkeit entschuldigt", sagte der Brite, nachdem er bereits eine knappe Stunde nach Beginn der Sitzung die FIA-Zentrale am Place de la Concorde in Paris wieder verließ.

Als Strafe für McLaren-Mercedes wäre auch ein kompletter WM-Ausschluss möglich gewesen. Als zuvor letztes Team war am 5. Mai 2005 BAR-Honda wegen eines illegalen Zusatztanks für zwei Rennen gesperrt worden. McLaren-Mercedes hatte 2007 in der Spionage-Affäre die Rekord-Geldstrafe von 100 Millionen Dollar (damals 72 Millionen Euro) erhalten.

Whitmarsh äußerte seine Hoffnung, dass die Affäre mit dem Urteil der FIA beendet sei. "Ich hoffe, wir können einen Schlussstrich ziehen und uns wieder aufs Rennfahren konzentrieren", sagte der Brite.

Danner: "Ein salomonisches Urteil"

Drei Rennen Sperre auf Bewährung - Christian Danner ist mit dem Urteil des World Motor Sport Councils der FIA in der 'Lügen'-Affäre um McLaren-Mercedes "sehr zufrieden". Das Urteil zeige, "dass die FIA dem McLaren-Mercedes-Team die Chance zu einem Neuanfang gibt", sagte der RTL-Experte im Interview mit sport.de

Entscheidend für das "salomonische" Urteil sei der mehr oder weniger erzwungene Rückzug des bisherigen Teamchefs Ron Dennis. "Ich bin mir sicher, dass Mercedes seinen ganzen Einfluss geltend gemacht hat, um diesen Neuanfang zu ermöglichen", so Danner. "Ab dem Moment, in dem Mercedes Dennis sozusagen entsorgt hat, war es der FIA möglich, so zu entscheiden." Wäre Dennis heute noch Teamchef, wäre das Urteil härter ausgefallen - davon ist der ehemalige Formel-1-Pilot überzeugt.

Die Rücktrittsdrohung von Mercedes hat dagegen nach Ansicht von Danner bei dem Strafmaß keine Rolle gespielt. "Der FIA-Weltrat ist ein unabhängiges Gremium, das sich von so etwas nicht beeinflussen lassen darf und sich auch nicht beeinflussen lässt. Es wäre so, als würde der FC Bayern dem Schiri sagen: 'Wenn du keinen Elfmeter für uns pfeifst, spielen wir nicht mehr in der Bundesliga.' Das geht ja auch nicht."

Für Danner ist der Fall damit abgeschlossen. Dass McLaren-Mercedes während der Bewährung 'rückfällig' wird, hält er für ausgeschlossen. "Das Team weiß jetzt ganz genau, was es zukünftig nicht machen darf, unter anderem die Renn-Kommissare zu belügen. Deshalb halte ich es für wahrscheinlich, dass es bei der Bewährungsstrafe bleibt."

McLaren-Mercedes akzeptiert faires Urteil

McLaren-Mercedes hat die vom Internationalen Automobilverband FIA verhängte Bewährungsstrafe wegen der 'Lügen-Affäre' akzeptiert. Das teilte das Team am Mittwoch in einer Presseerklärung mit. "Wir danken den Mitgliedern des Motorsport-Weltrats der FIA für die sehr faire Anhörung, die sie uns heute Morgen gewährt haben", hieß es in dem Statement weiter. Das Team wolle nun das in der Vergangenheit eher getrübte Verhältnis zur FIA weiter verbessern.

Zuvor hatte der Verband das Team zu einer Sperre von drei Rennen für den Fall verurteilt, dass in den kommenden zwölf Monaten weitere belastende Fakten in der 'Lügen-Affäre' um Weltmeister Lewis Hamilton bekanntwerden oder der Rennstall erneut gegen das Regelwerk verstößt. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug begrüßte die Entscheidung. "Ein faires Urteil", sagte Haug. Wegen der einjährigen Bewährungsfrist habe er "keine Bedenken". Das Team werde "mit allergrößter Präzision und Vorsicht vorgehen und keine Fehler machen", versprach Haug.

FIA-Präsident Max Mosley nannte das Urteil ebenfalls "vollkommen fair" und lobte den Auftritt von Teamchef Martin Whitmarsh im Zeugenstand. Der Brite habe "einen sehr guten Eindruck" hinterlassen und sei "sehr aufrichtig" gewesen. Formel-1-Chef Bernie Ecclestone sagte: "Ihnen wurde auf die Finger geklopft, das war alles, was sie gebraucht haben. Sie sind genug bestraft worden.»"

Mercedes geht zum Angriff über

Zwölf Monate auf Bewährung: Nach dem Gnadenakt in der 'Lügen-Affäre' wollen Weltmeister Lewis Hamilton und sein McLaren-Mercedes-Team den ramponierten Ruf mit Erfolgen auf der Strecke aufpolieren. 'Lewis' WM-Traum lebt weiter, weil er für seine Lügen ungeschoren davonkommt', kommentierte das englische Boulevardblatt 'The Sun' am Tag nach der Urteilsverkündung, die eine Sperre von drei Rennen für die Silberpfeile für ein Jahr zur Bewährung hervorbrachte. "Eine balancierte Entscheidung", befand Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

Erleichtert über die Milde des Weltverbandes lenkte Haug am Tag danach sofort alle Konzentration wieder auf die Aufholjagd in der Weltmeisterschaft. Es sei für den Autobauer Mercedes-Benz auf Dauer "kein akzeptabler Zustand, dass mindestens eine Handvoll Teams" derzeit schneller sei als die Silberpfeile. "Das muss sich also so schnell wie möglich ändern, und daran arbeiten wir Tag und Nacht", sagte der 56-Jährige.

Ziel sei es, "in sieben Wochen zu erreichen, was in sieben Monaten nicht erreicht worden ist". In der WM liegt Hamilton nach vier Saisonrennen als Siebter mit 9 Punkten bereits 31 Zähler hinter Spitzenreiter Jenson Button (Brawn GP) und muss um seinen Titel bangen. Sein Team ist nur Vierter der Konstrukteurswertung mit 13 Zählern, Brawn GP hat 50.

Das 'Grüne Licht' der FIA für den Start beim Großen Preis von Spanien am 10. Mai hat beim britisch-schwäbischen Rennstall neuen Ehrgeiz entfacht. Während die Medien in Hamiltons englischer Heimat das Urteil des Motorsport-Weltrats einhellig als korrekt bewerteten, regte sich auf dem Kontinent allerdings Widerspruch. "Die FIA erfindet für McLaren eine Geistersanktion. Sie verhängt eine Strafe, setzt sie aber nicht um", schrieb die spanische Zeitung 'As'.

Der 'Figaro' aus Frankreich erklärte die Formel 1 zur "sehr sonderbaren Welt" und zeigte sich "verblüfft" über die Nachsicht der FIA. Der italienische 'Corriere dello Sport' titelte gar: "Ein wütendes Ferrari denkt über einen Abschied nach" - und spekulierte munter über den vermeintlichen Zorn der Scuderia wegen der angeblichen Bevorteilung des Dauerrivalen McLaren-Mercedes.

Grund für die Gnade der FIA war offensichtlich die radikale Politikwende im Hause McLaren mit der konsequenten Abkehr des zum Rücktritt gezwungenen Patriarchen Ron Dennis. Der frühere Teamchef und Präsident der Firmengruppe hatte eine Dauerfehde mit FIA-Boss Max Mosley gepflegt und den Rennstall mit einem kalten Hauch umgeben. Nachfolger Martin Whitmarsh hingegen setzte nach Bekanntwerden des Skandals um Falsch-Aussagen von Hamilton und McLaren-Sportdirektor Dave Ryan auf einen Stil von Transparenz und Bußfertigkeit. Die FIA erkannte einen 'Kulturwandel' und ließ Milde walten.

"Ich denke, zur Voraussetzung dazu hat Lewis mit seiner Offenheit genauso beigetragen wie das Team und Teamchef Martin Whitmarsh, der ohne Umschweife Fehler eingestand", lobte Mercedes-Manager Haug. Mosley zufolge honorierte die FIA mit ihrem Urteil auch den Rückzug von Dennis, der als Drahtzieher des Skandals verdächtigt worden war, und die Entlassung von Ryan. "Das waren Entscheidungen von Leuten, die nicht länger dabei sind. Daher wäre es unfair gewesen, noch weiter in der Sache vorzugehen", sagte der Brite.


Samstag, 25. April 2009

Formel 1 News

Geldstrafen gegen Vettel & Kimi

Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel muss 400 Euro Strafe zahlen, weil er im Training zum Großen Preis von Bahrain zu schnell in der Boxengasse war. Statt der erlaubten 60 Stundenkilometer fuhr der 21 Jahre alte Hesse aus Heppenheim am Freitag in Sachir 62 km/h.

Wesentlich tiefer in die Tasche greifen musste Vettels finnischer Formel-1-Kollege Kimi Räikkönen: Der Ferrari-Pilot hatte 19,5 km/h zu viel auf dem Tacho, weshalb die drei Rennkommissare 4000 Euro Bußgeld gegen ihn verhängten. Laut Reglement des Internationalen Automobil- Verbandes FIA kostet jeder Stundenkilometer über dem erlaubten Boxenlimit 200 Euro. Die Fahrer können ihre Geschwindigkeit per Knopfdruck unmittelbar vor Erreichen der Boxengasse begrenzen.

Vettel träumt nicht von Yachten

Formel-1-Shootingstar Sebastian Vettel hat sich für seinen Triumph beim Großen Preis von China mit einer Pyjama-Hose belohnt. "Mein größter Traum ist es, Weltmeister zu werden. Da spielt es gar keine Rolle, wie viel Geld man auf dem Konto hat", sagte der 21-Jährige in einem RTL-Interview: "Hier in Bahrain waren wir in einem Einkaufszentrum und da habe ich mir eine Pyjama-Hose gekauft. Das ist wohl eher bescheiden, aber ich finde sie bequem."

Der bescheidene junge Mann mit einem Jahreseinkommen von geschätzten 3,5 Millionen Euro fügte hinzu, dass er nicht von Yachten träume: "Das ist für mich viel zu weit weg." Er fühle sich überhaupt nicht wie ein Superstar und sei schüchtern, wenn ihn jemand nach einem Autogramm frage: "Im Prinzip möchte ich hier mein Zeug machen. Ich genieße mein Leben, meinen Sport und lebe für meinen Sport. Es ist für mich noch immer eine Überraschung, wenn mich jemand anspricht."

"Zuhause ist es am Schönsten"

Vettel erklärte, dass er in der glücklichen Lage sei, mit Autofahren sein Geld verdienen zu können: "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Wenn man jeden Tag aufwacht mit dem Gefühl, befreit leben zu können und keinen Zwang verspürt, ist das das Beste." Das Reisen um die Welt gehöre zum Job dazu, "aber Zuhause ist es am Schönsten." Am meisten vermisse er seine Eltern und seinen kleinen Bruder. Mit seiner Familie hatte Vettel nach dem Triumph in China auch zuerst telefoniert, zudem kamen 80 Glückwunsch-SMS und zahllose E-Mails von Freunden, Bekannten und Fans.

Als Erinnerung an den Triumph von Shanghai hat er den Rennanzug mitgenommen: "Wer weiß, in fünf, zehn Jahren kann man zurückschauen und sagen, diesen Anzug habe ich damals in China getragen, als ich das erste Rennen für Red Bull Racing gewonnen habe. Natürlich hat man ein bisschen mehr Rückenwind und Selbstvertrauen gewonnen, aber letzten Endes konzentriert man sich dann wieder sehr rasch auf das nächste Rennen und macht im Prinzip einen Haken hinter China." Bis zum nächsten Pyjama ...

Teams wehren sich gegen Mosley-Pläne

Die Debatte um eine Budgetgrenze in der Formel 1 spaltet erneut die Formel 1. Die Kontroversen verlaufen nicht nur zwischen dem Internationalen Automobil-Verband FIA und der Teamvereinigung FOTA, auch die Rennställe liegen nicht auf einer Linie. Ferrari sprich sich beispielsweise entschieden gegen ein Limit aus, Renault ist für eine schrittweise Begrenzung, und Williams favorisiert eher einen schnellen Schnitt.

Renault-Teamchef Flavio Briatore versicherte vor dem Großen Preis von Bahrain: "Es geht hier nicht um einen Machtkampf. Wir wollen alle gut zusammenarbeiten." Nun soll Luca di Montezemolo, der Fiat-Präsident und FOTA-Vorsitzende, bei einer spontanen Stippvisite in Sachir die Wogen innerhalb der Teamvereinigung glätten. Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali bestätigte in Bahrain, dass die FOTA inzwischen einen Brief Mosleys beantwortet habe, in dem dieser die Rennställe aufgefordert hatte, eigene Vorstellungen über ein Etatlimit mitzuteilen.

FOTA stellt sich gegen FIA-Präsident Mosley

Die Mehrzahl der zehn FOTA-Mitglieder, vor allem die Automobilkonzerne, wollen sich allerdings von Mosley nicht diktieren lassen, bis wann sie ihre Ideen entwickeln. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen und nun auch Domenicali erklärten, sie wollten sich erst bei ihrem Treffen Anfang Mai vor dem Großen Preis von Spanien intensiv und detailliert mit diesem Problem auseinandersetzen. Die Vertreter von BrawnGP, Williams oder Red Bull befürchten, dass der mächtige Mosley bis dahin Fakten geschaffen haben könnte.

Trotz aller Differenzen mit dem Dachverband ist sich die FOTA in einem zentralen Punkt einig. "Wir müssen die Kosten weiter dramatisch und drastisch reduzieren", forderte Briatore. Domenicali und Red-Bull-Teamchef Christian Horner stimmten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz fast wortgleich zu. Auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug und Theissen unterstützen diese Linie voll und ganz. "Wir reduzieren unseren Etat ständig", sagte Haug.

Ferrari lehnt Budget-Limit ab

Theissen erklärte, dass BMW seine Kosten seit der Trennung vom einstigen Partner Williams vor vier Jahren "um 40 Prozent reduziert" habe. Allerdings liegen die Top-Teams trotz des allgemeinen Sparkurses wegen der weltweiten Wirtschaftskrise mit Jahresbudgets um die 270 bis 300 Millionen Euro immer noch weit über Mosleys radikalen Vorstellungen. Der FIA-Präsident hatte im März eine Obergrenze von 33 Millionen Euro vorgeschlagen. Teams, die 2010 mit dieser Summe antreten, sollten durch massive Zugeständnisse im technischen Bereich belohnt werden.

Dieser revolutionäre Vorstoß hatte beim Establishment einen Aufschrei der Entrüstung ausgelöst. "Wir als Ferrari sind gegen die Budgetlimitierung, weil wir spüren, dass erst noch einige Dinge geregelt werden müssen", begründete Domenicali das "No" der Scuderia. Die Teams hätten zu unterschiedliche Strukturen und Voraussetzungen, als dass alles über einen Kamm geschert werden könne. "Ich glaube auch nicht, dass wir den Etat innerhalb eines Jahre so radikal kürzen können", sagte er.

Briatore kürzt sich selbst das Gehalt

Briatore brachte ein eigenes Modell ins Spiel, sprach sich aber ebenfalls gegen einen radikalen Schnitt aus: "Wir könnten bis 2010 auf 80 Millionen gehen und bis 2012 auf 50 Millionen reduzierten", schlug der Italiener vor, der teamintern mit gutem Beispiel voran geht und sein eigenes Gehalt gekürzt hat. "Wir sparen im ganzen Team Kosten ein, nicht nur mein Gehalt", sagte der Italiener.

Briatore zufolge verzichten auch der Konstrukteurs-Chef Pat Symonds und der Technische Direktor Bob Bell auf ein Fünftel ihrer Bezüge. Die zweite Führungsriege verdiene ab sofort zehn Prozent weniger, beim Rest der Mannschaft werde man fünf Prozent der Gehälter eingesparen. Bereits im März hatte Briatore mit seinen Fahrern Fernando Alonso und Nelson Piquet junior Gehaltskürzungen vereinbart.

Briatore: KERS ist geldfressendes Genie

Laut Renault-Teamchef Flavio Briatore will die Formel-1-Teamvereinigung FOTA das gerade eingeführte Energie-Rückgewinnungs-System KERS ab der nächsten Saison wieder verbieten lassen. "Die FOTA möchte ein Verbot ab 2010. Wir haben begriffen, dass das System ein geldfressendes Genie ist. Das sollte auch die FIA bemerkt haben", sagte der Italiener der 'Gazzetta dello Sport'.

Der Automobil-Weltverband FIA hatte auf die Einführung von KERS bestanden, um der Königsklasse ein grünes Image zu geben. Die Teams hatten mit zweistelligem Millionenaufwand das neue System entwickelt, das den Piloten pro Runde maximal 6,6 Sekunden 82 zusätzliche PS bringt und damit unter anderem das Überholen erleichtern soll.

Teams motten KERS bereits ein

Weil KERS aber bei den meisten Rennställen wegen seines zu hohen Gewichts und gefährlicher technischer Defekte noch nicht ausgereift ist, fuhren beim Großen Preis von China am vorigen Sonntag gerade drei (zwei McLaren-Mercedes und ein BMW) von 20 Autos mit dem System.

Da in der Formel 1 massiv Kosten gesenkt werden sollen, ist laut Briatore die Mehrheit der Rennställe nun offenbar für ein KERS-Verbot. Die FIA hatte zuletzt für 2010 die Einführung eines Standard-KERS und eine entsprechende Ausschreibung angekündigt. Mercedes und BMW hatten bereits Interesse bekundet.

Daimler-Boss denkt an F1-Ausstieg

Daimler setzt den Internationalen Automobil-Verband in der "Lügen-Affäre" um Weltmeister Lewis Hamilton unter Druck. Der Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche droht der FIA für den Fall eines harten Urteils offen mit einem Ausstieg aus der Formel 1. "Wenn sich das Umfeld ändern sollte, etwa durch eine unangemessene Bestrafung durch die FIA, wäre es möglich, dass wir das Engagement überdenken", sagte der Konzern-Chef dem Nachrichtenmagazin 'Focus'.

Mercedes-Sportchef Norbert Haug bestätigte in Bahrain bei RTL entsprechende Aussagen von Zetsche, meinte aber, dass es "kein Ausstiegsszenario" sei. "Wir haben immer gesagt, sollten die Rahmenbedingungen nicht stimmen, dann denken wir nach. Und zu den Rahmenbedingungen gehört auch, dass wir eine gerechte Strafe erhalten", sagte Haug. Am kommenden Mittwoch (29.04.2009) entscheidet der FIA-Weltrat in Paris über die Angelegenheit.

McLaren droht Sperre oder drastische Geldstrafe

Hamilton hatte beim Saisonauftakt während einer Safety- Car-Phase, in der Überholen verboten ist, Jarno Trulli vorbeigelassen. Hamilton hatte bei der Anhörung vor den Rennkommissaren bestritten, Anweisungen für sein Manöver gehabt zu haben. Durch seine Aussagen hatte Toyota-Pilot Trulli eine 25- Sekunden-Zeitstrafe erhalten und seinen dritten Platz an Hamilton verloren. Später stellte sich heraus, dass McLaren-Mercedes seinem Piloten über Boxenfunk sehr wohl mitgeteilt hatte, Trulli passieren zu lassen.

Mercedes-Zukunft hängt vom FIA-Urteil ab

Der FIA lagen dazu auch Tonbänder der britischen BBC und der Funkverkehr vor. Trulli erhielt nachträglich Platz drei zurück, der Brite wurde disqualifiziert. McLaren-Mercedes droht eine mehrere Rennen umfassende Sperre oder eine drastische Geldbuße. Ein WM-Ausschluss, wie von verschiedenen Seiten spekuliert, scheint ausgeschlossen. 2007 war das Team in der "Spionage-Affäre" bereits zur Rekordstrafe von 100 Millionen Dollar verurteilt und aus der Konstrukteurs-Wertung ausgeschlossen. Damals ging es um den illegalen Transfer von geheimen Ferrari-Daten an einen ehemaligen McLaren-Ingenieur.

Woche der Entscheidungen bei Mercedes

Daimler will voraussichtlich am Dienstag seine 141.000 Beschäftigte über die Einzelheiten seines Sparpakets informieren. Dazu seien in den deutschen Werken außerordentliche Betriebsversammlungen geplant. Wegen des dramatischen Absatzeinbruchs in den vergangenen Monaten müssen sich die Beschäftigten auf starke Lohneinbußen einstellen.

Bereits am Montag will der Daimler-Vorstand Laut 'Focus' "über Ausstiegsszenarien aus dem 250 Millionen Euro teuren Spektakel debattieren". Der Daimler-Betriebsratsvorsitzende hatte bereits einen Grand-Prix-Ausstieg gefordert. Die Arbeitnehmer hätten angesichts der Krise kein Verständnis mehr für das Engagement.

Freitag, 24. April 2009

Formel 1 News

Vettel braucht Geduld

Sebastian Vettel muss nach seinem Sieg beim verregneten China-GP noch zwei weitere Rennen ohne einen leistungssteigernden Doppel-Diffusor an seinem Red Bull auskommen. "Wir werden keinen Doppel-Diffusor vor dem Rennen in Monaco haben", kündigte Chef-Designer Adrian Newey in der Team-Vorschau auf den Großen Preis von Bahrain am kommenden Sonntag an. Ds bedeutet, dass der 21-Jährige beim Europa-Auftakt am 10. Mai in Barcelona auf einen neuen Diffusor verzichten muss, wo voraussichtlich mehrere Konkurrenten ein solches Bauteil erstmals einsetzen werden. Das Rennen in Monte Carlo findet am 24. Mai statt.
Die Zeitverzögerung bei Red Bull resultiert aus einer eigenen, flacheren Hinterachskonstruktion. "Das ist eine gute Lösung, wenn man keinen Doppel-Diffusor hat", meinte Newey. Sie mit einem Doppel-Diffusor nach Vorbild von Brawn, Toyota und Williams zum arbeiten zu bringen, sei viel schwieriger, sagte der Brite, der dennoch an einer Diffusor-Lösung arbeitet, weil sie auf jeden Fall eine Verbesserung bringe: "Er lohnt sich für jeden in der Startaufstellung. Unsere Herausforderung ist jetzt, ihn an unser Auto anzupassen. Wir arbeiten daran, aber wir müssen auch an der generellen Weiterentwicklung des Autos arbeiten."

Trotz Krise: Piloten glauben an Zukunft

Die Ausstiegsforderung des Mercedes-Betriebsrats hat die Formel 1 erschüttert. "Es ist schockierend, so etwas zu hören. Wenn so jemand darüber nachdenkt, ist er sicher nicht der Einzige. Aber Mercedes gehört zur Formel 1", sagte Williams-Pilot Nico Rosberg vor dem Großen Preis von Bahrain (Sonntag 14 Uhr live bei sport.de und RTL). Der 23-Jährige hatte im Winter selbst noch mit McLaren-Mercedes über einen Wechsel verhandelt.

China-Sieger Sebastian Vettel wollte zu dem Thema nicht viel sagen, allerdings sei die Situation für seinen Rennstall Red Bull sicher eine andere als bei den großen Automarken: "Wir verkaufen Dosen." Für BMW-Pilot Nick Heidfeld ist die Diskussion in Zeiten wachsender Arbeitslosigkeit und von Gehaltskürzungen verständlich: "Aber die Formel 1 wird ja nicht betrieben, um Geld zu verbrennen. Es ist finanziell sinnvoll und ein Vorteil für die Marke durch die weltweite Werbung."

BMW bekennt sich zu Formel-1-Engagement

Das gelte für BMW und Mercedes, das als Motorenlieferant für WM-Spitzenreiter Brawn "derzeit alles in Grund und Boden fährt" (Rosberg). Mercedes ist gemeinsam mit McLaren in der Formel 1 vertreten und beliefert zudem Brawn und Force India mit Triebwerken. Beim schwäbischen Autobauer wird laut Sportchef Norbert Haug "mindestens einmal pro Jahr" vom Vorstand über die Zukunft der Formel 1 entschieden. Ein Ausstieg komme jedoch - zumindest vorerst - nicht in Frage. "Einige Leute haben unterstellt, dass sich Mercedes aus der Formel 1 zurückziehen könnte. Aber Mercedes zieht sich nicht zurück", sagte Haug vor dem Großen Preis von Bahrain. Der Gesamtetat von McLaren-Mercedes liegt bei geschätzten 270 Millionen Euro, beide Partner kommen dabei Schätzungen zufolge für etwa die Hälfte der Gesamtsumme auf. Mit der Motorenproduktion für die zwei Formel-1-Teams wird laut Haug dagegen Geld verdient.
Auch bei BMW hatte es vor Jahren einmal vom Betriebsrat Zweifel am Formel-1-Projekt gegeben. Zum jetzigen Zeitpunkt sei ein Ausstieg aus der Formel 1 trotz der weltweiten Wirtschaftskrise laut BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen kein Thema. "Das Formel-1-Projekt wird vom Vorstand regelmäßig bewertet. Ergebnis der Analyse ist: Die Formel 1 ist für BMW wertvoll." Der Auto-Hersteller stehe "uneingeschränkt positiv" zu seinem Engagement beim BMW Sauber.

Fahrer fordern weitere Kostenreduzierung

Theissen erklärte, angesichts der Krise sei die finanzielle Seite des Grand-Prix-Projektes "eingehender Teil der Bewertung". Zudem seien die Kosten seit dem Referenzjahr 2005 um 40 Prozent gesenkt worden. "Weitere Einsparungen sind geplant", sagte er. Dazu kämen auf der Habenseite die Erfolge und der Technologietransfer. Es sei sicher nicht gut, wenn die Großwetterlage in der Formel 1 durch Ereignisse abseits der Strecke bestimmt werde, aber ein Domino-Effekt sei durch die Mercedes-Ereignisse nicht zu befürchten.

Auch Heidfeld geht angesichts der Krise davon aus, dass die bereits drastisch reduzierten Kosten zwangsläufig weiter sinken werden. "Der Markt regelt das. Das gilt auch für die Fahrergehälter, auch wenn natürlich keiner gerne einer Kürzung zustimmt", sagte der 31-Jährige. "Angebot und Nachfrage entscheiden." Rosberg forderte ebenfalls, die Kosten weiter zu senken, damit die Hersteller keine Bedenken hätten. "Wenn Werksteams doch rausgehen sollten, müssten Privatteams rein können", erklärte der für den privaten Williams-Rennstall fahrende Rosberg.

Daimler-Betriebsratsvorsitzenden fordert F1-Ausstieg

Trotz massiver Kostenreduzierung ist für den Daimler-Betriebsratsvorsitzenden Lense der Formel-1-Auftritt von Mercedes mit Blick auf geplante Einsparungen innerhalb dse Konzerns von zwei Milliarden Euro in diesem Jahr nicht mehr vermittelbar. "Die Formel 1 hat keine Akzeptanz in der Belegschaft. Das muss man zur Kenntnis nehmen", hatte er der 'Stuttgarter Zeitung' gesagt. Die Reaktion der Beschäftigten auf den Betriebsversammlungen in allen Daimler-Werken im April hätte dies gezeigt - deshalb sei ein Ausstieg angeraten.

Es ist mein Ziel, die WM zu gewinnen"

Haben Sie Ihren Triumph von Shanghai inzwischen auch etwas genießen können oder war die Zeit dafür zu knapp?
Sebastian Vettel: Der Flug von Bahrain nach China war lang, ich hatte also Zeit, mich etwas auszuruhen und über den schönen Sieg in China nachzudenken.

Vor zwei Jahren fuhren Sie auch in Shanghai im Regen im Toro Rosso vom 17. Startplatz auf Rang vier vor. Im vergangenen September feierten Sie beim Regenrennen in Monza Ihren ersten Grand-Prix-Sieg. Jetzt China. Sind Sie der neue 'Regen-König'?
Sebastian Vettel: Regen-König hin oder her, fest steht, dass man bei Regenrennen nie weiß, womit man zu rechnen hat. Mir scheint Regen gut zu tun. In China hatten wir sehr viel Aquaplaning, teilweise sind wir mehr geschwommen als gefahren. Jede Runde war eine große Herausforderung und es war extrem schwer, das Auto über das ganze Rennen am Limit zu bewegen und auf der Strecke zu halten. Es war eine riesige Erlösung, am Ende über die Ziellinie zu fahren und zu wissen, dass man das Rennen gewonnen hat. Ein fantastisches Gefühl.

Zählt Red Bull in dieser Saison schon zu den Top-Teams?
Sebastian Vettel: Ich denke, wir haben von Anfang der Saison an gezeigt, dass wir ein gutes Auto haben. Ich bin überglücklich darüber. Die ersten zwei Rennen bin ich leider nicht ins Ziel gekommen, aber wir waren schnell genug, um ganz vorne mitzufahren. In China hat es dann geklappt, auch wenn die Umstände etwas anders waren. Unterm Strich waren sie für alle gleich und wir waren sehr schnell unterwegs und haben den Sieg wohlverdient nach Hause gefahren. Jetzt muss man bei den nächsten Rennen weitersehen, wie sich die Kräfteverhältnisse entwickeln werden. Die Autos sind noch frisch und stehen am Anfang ihrer Entwicklung.

Rechnen Sie sich für 2009 WM-Chancen aus?
Sebastian Vettel: Derjenige, der am Ende die meisten Punkte gesammelt hat, wird die WM gewinnen. Drei Rennen liegen hinter uns und 14 vor uns. Es wird ein langer, harter Weg, Ziel ist es, immer und überall zu gewinnen, das auch im Hinblick auf die WM."

Rekord-Weltmeister Michael Schumacher traut Ihnen zu, eines Tages den Titel zu holen. Wann bekommt er mit seiner Prognose Recht?
Sebastian Vettel: Ich bin hier um zu gewinnen und mein Traum ist es, Weltmeister zu werden. Prognosen sind allerdings wenig stichfest. Wenn jemand sagt, dass es regnen wird, glaubt man es auch erst, wenn es nass ist.

Was sind Ihre Ziele für dieses Jahr?
Sebastian Vettel: Das Auto und Team sind gut, also ist es mein Ziel, die Weltmeisterschaft zu gewinnen.

Können Sie am Sonntag in Bahrain bei sicherlich komplett anderen Witterungsverhältnissen wieder ganz vorne landen?
Sebastian Vettel: Bahrain ist eine eigene Strecke. Die Beschaffung der Strecke ist ganz anders als in China. Top Speed auf der Geraden ist wichtig, die Teams mit KERS (Kinetisches Energie-Rückgewinnungssystem) haben vielleicht einen Vorteil, Bremsen und Reifen müssen richtig eingesetzt werden, die Luft ist heiß und trocken. Fahrzeug und Fahrer werden sehr beansprucht. Wir müssen uns gut vorbereiten, damit wir ganz vorne mitkämpfen können. Wir sprechen uns am Sonntag, nachdem ich die Ziellinie überfahren habe. Dann kann ich sagen, wo ich stehe.

Bleibt BrawnGP vorerst die Nummer 1 oder hat der Red-Bull-Doppelsieg in China die Wachablösung eingeläutet?
Sebastian Vettel: Die Saison ist drei Rennen alt. Unterm Strich ist BrawnGP das stärkste Team, aber das Jahr ist lang und besonders durch die große Revolution der Regeln kann noch viel passieren. Alle werden hart arbeiten und es ist schwer, an die Spitze zu kommen.

Können die etablierten Teams McLaren-Mercedes, Ferrari und BMW-Sauber das Blatt noch wenden und trotz des verpatzten Saisonauftakts ohne Doppel-Diffusor den Weltmeister stellen?
Sebastian Vettel: Wie bereits gesagt, die Saison hat gerade erst begonnen und es kann noch viel passieren. Zudem darf man Teams wie McLaren-Mercedes, Ferrari und BMW-Sauber niemals unterschätzen und abschreiben.

Kristallklar: Vettel "will gewinnen"

Erst musste Regenkönig Sebastian Vettel unzählige Kameras umkurven, dann gab der Shootingstar der Formel 1 den Sieg in der Wüste als nächstes Ziel im Titelkampf aus. "Es ist kristallklar, wofür wir hier sind: Wir wollen gewinnen. Wenn wir das Ziel nicht hätten, könnten wir gleich zu Hause bleiben", sagte der China-Sieger vor dem Großen Preis von Bahrain am Sonntag (14 Uhr live bei RTL).

Der Shootingstar wird nach seiner Galavorstellung inzwischen schon von Mercedes und Ferrari umworben. Doch verändert hat er sich nicht - bei seinem ersten Auftritt beim Wüsten-Grand-Prix nahm sicher der 21-Jährige in aller Ruhe Zeit für ein Foto mit einem kleinen Mädchen zu machen.

Und Vettel erzählte auch, dass ihm selbst Formel-1-Boss Bernie Ecclestone nach seinem Triumph in Shanghai angerufen hätte: "Ich war total überrascht und überhaupt nicht darauf vorbereitet. Aber es war eine schöne Anerkennung." Auch viele Fahrer wie Timo Glock hätten fair gratuliert.

Bei 35 Grad im Schatten und trotz null Chancen auf Regen will Vettel auch in Bahrain auf der Überholspur bleiben: "Ich habe kein Problem mit der Hitze, genau, wie ich keins mit dem Regen habe. Vielleicht sind wir ein Titelkandidat." In der WM-Wertung hat er als Dritter elf Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Jenson Button (Großbritannien) im Brawn.

Ein Sieg würde Vettel zehn Punkte bringen - allerdings hat er seine beiden Erfolge jeweils im Regen geholt. "Regen wäre gut, aber da sind die Chancen hier wohl derzeit nicht so perfekt. Obwohl es vor zwei Wochen bei der MotoGP in Katar einen Wolkenbruch gegeben hat", sagt der 21-Jährige grinsend. Vielleicht helfen wieder die beiden Glücksmünzen im Schuh.

Er verweist darauf, dass sein Red Bull auch im Trocknen höchst konkurrenzfähig sei: "Schließlich waren wir zum Auftakt in Australien vor meinem Aus Dritter und haben in China die Pole Position geholt." Chefdesigner Adrian Newey will zudem bis zum Rennen in Monaco einen Doppel-Diffusor nach Brawn-Vorbild in den Red Bull einbauen und Vettels Dienstfahrzeug damit noch schneller machen.

Spätestens seine Gala in China hat Vettel zum begehrtesten Piloten im Fahrerlager gemacht. Mercedes-Sportchef Norbert Haug machte dem Heppenheimer schon im vergangenen Winter ein Angebot und legt jetzt nach: "Vettel besitzt enorme Intelligenz und großen Rennwitz - vielleicht kreuzen sich unsere Wege. Er weiß, wir sind Weltmeister, und er will es noch werden." Man arbeite dran, den deutschen Nachfolger des siebenmaligen Weltmeisters Michael Schumacher zu verpflichten.

Vettel ist auch bei Ferrari ein Thema, wo er ab 2011 ein Cockpit als Nachfolger von Kimi Räikkönen (Finnland) oder Felipe Massa (Brasilien) bekommen könnte. Der Deutsche könnte dann ein Dreamteam mit dem zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso (Spanien) bilden.

Bis Ende 2010 steht Vettel aber bei Red Bull unter Vertrag, und sein Boss Dietrich Mateschitz hat den Hessen für "unverkäuflich" erklärt. Vettel verdient pro Jahr bislang nur geschätzte 3,5 Millionen Euro und hat seinen Vertrag nur mit Hilfe von Vater Norbert selbst ausgehandelt.

Sein ehemaliger Chef bei Toro Rosso, Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger, glaubt, dass "Sebastian die WM gewinnen kann". Mit 21 Jahren sei er weiter, als alles, was er bisher erlebt habe, meint der Österreicher und vergleicht Vettel schon mit dem vielleicht besten Rennfahrer aller Zeiten: "Diese besondere Gabe war man nur von Ayrton Senna gewohnt."

Haug schließt Mercedes-Ausstieg aus

Trotz der Ausstiegs-Forderungen des Betriebsrats und der 'Lügen-Affäre' will Mercedes laut Sportchef Norbert Haug in der Formel 1 bleiben - zumindest vorerst. "Einige Leute haben unterstellt, dass sich Mercedes aus der Formel 1 zurückziehen könnte. Aber Mercedes zieht sich nicht zurück", sagte Haug vor dem Großen Preis von Bahrain am Sonntag (14.00 Uhr live bei RTL, RTL.de und sport.de) dem englischen Fachmagazin Autosport: "Wir haben die Bestätigung für unsere Aktivitäten - wenn auch nicht unbeschränkt bis in alle Ewigkeit."

Man könne nicht sagen, was in den nächsten Monaten in der Autoindustrie passiere und ob das Klima besser werde, meinte Haug: "Wenn wir mehr Autos verkaufen, kommen wir in eine bessere Situation." Mercedes ist gemeinsam mit McLaren in der Formel 1 vertreten und beliefert zudem Brawn GP und Force India mit Triebwerken.

Endet die McLaren-Ära schon am Mittwoch?

McLaren-Mercedes kämpft auch auf einem anderen Schauplatz um seine Zukunft. Am 29. April muss sich der Rennstall bei der Anhörung des Automobil-Weltverbandes FIA zur 'Lügen-Affäre' verantworten. Als Entscheidung ist vom Freispruch bis zum WM-Ausschluss alles möglich. "Wir kooperieren mit der FIA. Ansonsten wollen wir uns auf den Sport konzentrieren, jeder weiterer Kommentar zu diesem schwebenden Verfahren bringt Unruhe", sagte Haug.

Zuvor hatte der Daimler-Betriebsratsvorsitzende Helmut Lense die Diskussion um einen Formel-1-Ausstieg angeheizt und mit Blick auf geplante Einsparungen von zwei Milliarden Euro im Konzern ein Ende des F1-Engagements gefordert. "Darüber sprechen wir in Stuttgart und nicht an der Rennstrecke", kommentierte Haug. "Die Formel 1 hat keine Akzeptanz in der Belegschaft. Das muss man zur Kenntnis nehmen", hatte Lense gesagt. Die Reaktion der Beschäftigten auf den Betriebsversammlungen in allen Daimler-Werken im April hätte dies gezeigt - deshalb sei ein Ausstieg angeraten.

BMW: Ab Barcelona konkurrenzfähig - hoffentlich

Für 'Quick Nick' kommt es derzeit knüppeldick. Statt um den Titel mitzufahren, dümpelt Nick Heidfeld nach drei Saison-Rennen im Niemandsland herum. "Das ist schon ärgerlich", räumte er vor dem Großen Preis von Bahrain ein. "Ich bin mit ganz hohen Erwartungen in die Saison gegangen und dachte, wir sind ganz vorne dabei." Aber bislang ist BMW Sauber nur Mittelmaß und lebt von der Hoffnung, nach dem ersten großen Entwicklungsschub beim Europa-Auftakt in Spanien konkurrenzfähiger zu sein.

"Das Paket verspricht einen Leistungssprung", versicherte Teamchef Mario Theissen. Für Heidfeld könnte dies das schönste Geburtstagsgeschenk werden: Am Rennsonntag am 10. Mai in Barcelona wird er 32. So lange müssen sich Heidfeld und die Weiß-Blauen mit ihrer frustrierenden Nebenrolle abfinden. Auch für den vierten Saisonlauf am Sonntag (Start: 14.00 Uhr live bei sport.de und RTL) in Sachir stehen die Chancen auf den ersten Sieg des Mönchengladbachers schlecht. "Ich habe keine große Hoffnung", sagte Heidfeld. "Meine Hoffnungen ruhen auf Barcelona." Seit 153 Rennen wartet der BMW-Pilot auf seinen ersten Sieg, da scheint es auf einen Grand Prix mehr oder weniger nicht anzukommen.

"Kleine Schritte reichen nicht"

Heidfeld weiß, dass angesichts des technischen Rückstands gegenüber den derzeit führenden Konkurrenten BrawnGP, Red Bull, Toyota und Williams Geduld gefragt ist. Schließlich teilen auch die anderen Etablierten McLaren-Mercedes, Renault und insbesondere Ferrari das Schicksal, vorerst das Tempo der Emporkömmlinge nicht mitgehen zu können, was immerhin ein schwacher Trost ist. "Wir müssen Ruhe bewahren", sagte er. "Die Situation kann man nicht in Sekunden ändern." Allerdings lässt der Highspeed-Sport nicht viel Zeit zum Aufholen, zumal auch die Spitze systematisch weiterentwickelt.

Gelingt BMW-Sauber der für Barcelona prognostizierte Sprung nicht, dürfte der WM-Zug schon vor dem ersten Saisondrittel endgültig abgefahren sein. "Um unser Ziel zu erreichen, um den WM-Titel zu kämpfen, reichen kleine Schritte nicht", hob Heidfeld hervor und forderte damit zugleich mehr Tempo bei der Aufholjagd. "Wir haben für Barcelona ein größeres Update im aerodynamischen Bereich. Aber es ist damit zu rechnen, dass alle ein neues Paket bringen", wies er auf die Schwierigkeiten hin.

Theissen schreibt Titel noch nicht ab

Auch Theissen räumte ein: "Wir sind natürlich nicht zufrieden mit dem Saisonstart und unserer Leistung." Das selbst ausgegebene "hohe Ziel" bleibt aber die Messlatte. "Wir werden alles dafür tun", versprach der Teamchef und versicherte, den Titelgewinn noch keineswegs abgehakt zu haben. Angesichts von bereits 17 Punkten Rückstand auf WM-Spitzenreiter Jenson Button (21) muss sich der Gesamtsiebte Heidfeld (4) langsam sputen, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Sein zweiter Platz im Regenchaos von Malaysia, für den es wegen des Abbruchs nach etwas über die Hälfte der Distanz nur die halbe Punktzahl gab, brachte bislang auch die einzigen Zähler fürs Team, da Robert Kubica dreimal leer ausging. In Bahrain dürfte Heidfeld weiter an Boden einbüßen. "Die BrawnGP sind klar vorneweg. Dann kommen Red Bull, Toyota und Williams", beschrieb 'Quick Nick' das Kräfteverhältnis. "Danach wird es eng." Fällt aber nicht mindestens ein Fahrer aus diesem Team- Quartett aus, gibt es für den Rest des Feldes eh keine Punkte.

'Lügen-Affäre': McLaren gibt Fehler zu

McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh hat in der 'Lügen-Affäre' um Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton angeblich ein Fehlverhalten gegenüber dem Internationalen Automobil-Verband FIA eingeräumt. Die britische Tageszeitung 'Times berichtete, der Nachfolger des zurückgetretenen Ron Dennis habe in einem Brief an FIA-Präsident Max Mosley Verstöße gegen den Sportparagrafen 151c zugegeben. Dieser Paragraf sieht Strafen vor, wenn das Ansehen des Sports beschädigt wird.

McLaren-Mercedes muss sich am 29. April vor dem FIA-Weltrat in Paris wegen der 'Lügen-Affäre' verantworten. Im schlimmsten Fall droht dem englisch-schwäbischen Rennstall ein Ausschluss aus der Weltmeisterschaft. Nach Dennis' Rückzug auch von seinem Posten als Vorstandsvorsitzender der McLaren Group in der Vorwoche scheint aber eine wesentlich mildere Strafe wahrscheinlich. Dennis und Mosley sind seit Jahren erbitterte Gegner. So soll der FIA- Präsident den ehemaligen Teamchef auch für die Enthüllung seiner "Sex-Affäre" verantwortlich gemacht haben. Dieser Skandal hätte Mosley beinahe das Amt gekostet.

Nun wird spekuliert, dass McLaren-Mercedes mit einer Sperre von zwei bis drei Rennen oder einer hohen Geldstrafe davonkommen könnte. In der 'Spionage-Affäre' 2007, wo es um den illegalen Transfer von geheimen Ferrari-Daten an einen ehemaligen McLaren-Ingenieur gegangen war, wurde das Team zur Rekordstrafe von 100 Millionen Dollar verurteilt und aus der Konstrukteurs-Wertung ausgeschlossen.

Im jetzigen Fall geht es um den Großen Preis von Australien. Hamilton hatte beim Saisonauftakt während einer Safety-Car-Phase, in der Überholen verboten ist, Jarno Trulli vorbeigelassen. Hamilton hatte bei der Anhörung vor den Rennkommissaren bestritten, Anweisungen für sein Manöver gehabt zu haben. Durch seine Aussagen hatte Toyota-Pilot Trulli eine 25-Sekunden-Zeitstrafe erhalten und seinen dritten Platz an Hamilton verloren. Später stellte sich heraus, dass McLaren-Mercedes seinem Piloten über Boxenfunk sehr wohl mitgeteilt hatte, Trulli passieren zu lassen.

Der FIA lagen dazu auch Tonbänder der britischen BBC und der Funkverkehr vor. Trulli erhielt nachträglich Platz drei zurück, der Brite wurde disqualifiziert. McLaren hatte seinen Sportdirektor Dave Ryan, der Hamilton zu der Anhörung begleitet und ihm angeblich zum Verschweigen der Team-Anweisung geraten hatte, einige Tage später suspendiert. Gerüchten zufolge soll aber Dennis seinen Angestellten und den Piloten dazu gedrängt haben, nicht die Wahrheit zu sagen. Meldungen, der ehemalige Teamchef habe 80 SMS verschickt, hatte ein leitendes Teammitglied als "lächerlich und schon rein zeitlich gar nicht möglich" bezeichnet.

Ferrari steht zu Schumacher

Der punktlose WM-Letzte Ferrari steht trotz des schwächsten Saisonstarts seit 1981und der Kritik der letzten Wochen zu seinem Berater Michael Schumacher. "Michael ist ein wichtiger Teil unseres Teams und er arbeitet hart für uns", sagte Teamchef Stefano Domenicali vor dem Großen Preises von Bahrain. "Michael ist für die Truppe sehr wichtig. In bestimmten Momenten kann er aufgrund seiner Persönlichkeit beschwerlich sein, aber die positiven Dinge überwiegen bei weitem die negativen." Spekulationen, wonach Schumacher durch Niki Lauda ersetzt werden soll, verwies Domenicali ins Reich der Fabel.

Die Situation bei der Scuderia ist schlecht wie seit Jahren nicht mehr - im Training in Bahrain blamierten sich Felipe Massa und Kimi Räikkönen erneut. Zuletzt hatte es mehrere Krisengespräche in Maranello gegeben, Ferrai-Präsident Luca di Montezemolo forderte, "dass wir nicht als Comedytruppe auftreten". Doch bislang half nichts - Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen beziffert den Rückstand auf WM-Spitzenreiter Brawn auf eine Sekunde pro Runde. "Wir haben einfach momentan den Speed nicht und so keine Chance", sagte der Finne.

Domenicali: "Wir werden leiden"

Domenicali hatte zuletzt angekündigt, sich möglicherweise frühzeitig in der Saison auf den Bau eines konkurrenzfähigen Wagens für 2010 zu konzentrieren. Vorerst will er jedoch weiterkämpfen und beim Großen Preis von Spanien am 10. Mai in Barcelona Verbesserungen am Auto präsentieren. "Wir werden leiden. Aber es ist viel zu früh zu sagen, wie sich die Saison entwickeln wird", sagte er: "Ferrari gibt sein Ziel nicht auf, den Titel zu jagen."

Dienstag, 14. April 2009

Formel 1 News

Ferrari reagiert: Baldisseri degradiert?

Ferrari hat vor dem Großen Preis von China auf den völlig verkorksten Saisonstart reagiert und den dritten WM-Lauf zum notwendigen "Wendepunkt" erklärt. Wie das italienische Team auf seiner Homepage bekanntgab, wird Teammanager Luca Baldisserri nicht mit nach Schanghai reisen und sich in Maranello als Bindeglied zwischen Strecke und Werk um die Weiterentwicklung des F60 von Vizeweltmeister Felipe Massa und Ex-Champion Kimi Räikkönen kümmern.

Seine Aufgabe an der Rennstrecke wird Ingenieur Chris Dyer übernehmen. "Aus technischer und organisatorischer Sicht hat das Entwicklungsprogramm des F60 einige neue Impulse bekommen", hieß es von Ferrari, das nach den "Nullern" in Australien und Malaysia den schlechtesten Saisonstart seit 1992 zu beklagen hat.


Nach der Rückkehr aus Malaysia hätten Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo und Teamchef Stefano Domenicali jeden Einzelnen an seinen Verantwortungsbereich erinnert, woraus man als Gruppe große Motivation gezogen habe, schrieb Ferrari. "Der China-Grand-Prix muss ein Wendepunkt für nach einem schlechten Start in die Saison sein", hieß es weiter.

FIA fordert Whitmarsh-Berichte in Lügenaffäre an

In der Lügenaffäre um McLaren-Mercedes soll der Internationale Automobilverband FIA übereinstimmenden Medienberichten zufolge Abschriften von BBC-Interviews mit Teamchef Martin Whitmarsh angefordert haben. Dabei geht es um die Frage, ob der Brite in die brisante Angelegenheit involviert war, die am 29. April drastische Strafen nach sich ziehen könnte.

Unmittelbar nach dem Großen Preis von Australien sowie vier Tage später hatten Weltmeister Lewis Hamilton und der mittlerweile entlassene McLaren-Sportdirektor Dave Ryan mit ihren Aussagen die Rennkommissare in die Irre geführt. Zuerst hatten diese Toyota-Pilot Jarno Trulli wegen eines Überholmanövers in der entscheidenden Szene während einer Safety-Car-Phase beim Saisonauftakt in Melbourne gegen Hamilton mit einer Zeitstrafe belegt. Dann strichen sie Hamilton aus der Wertung und Trulli bekam seinen dritten Platz zurück.


FIA verwundert: Diffusor-Urteil erst am Mittwoch

Wenn in dieser Saison auf eins Verlass ist, dann darauf, dass nichts so ist, wie man denkt. Da werden Rennergebnisse im Nachhinein hin- und hergeschoben, nachträglich Strafen ausgesprochen und Autos mal für legal und mal für illegal erklärt.

Auch beim Urteil über die von den Teams BrawnGP, Toyota und Williams verwendeten Diffusoren bleibt sich die FIA ihrer Linie treu. Obwohl der Zoff um die Legalität der 'Wunder-Luftansauger' schon seit Saisonbeginn tobt und vier Teams in Australien über ihre Nationalverbände Protest einlegten, setzte der Weltverband als frühesten Termin für die Berufungsverhandlung den 14. April an.


Zu einer Urteilsverkündung kam es aber freilich nicht, ließ die FIA kurz nach ihrer Zusammenkunft in Paris verlauten. Laut Auskunft eines Sprechers sei es bei Berufungsverhandlungen üblich, dass die Entscheidung der Richter erst am Tag darauf öffentlich gemacht werde. Ist ja auch logisch…

Das Warten auf die endgültige Wertung der ersten beiden Saisonrennen geht damit weiter. Schließlich geht es bei der Entscheidung um nicht mehr oder weniger als die WM. Sollte die Unterboden-Konstruktion für illegal erklärt werden, würden die Sieger der ersten beiden Rennen Fernando Alonso und Nick Heidfeld heißen.

Freitag, 10. April 2009

Hamilton-Reue mit fadem Beigeschmack

Hamilton-Reue mit fadem Beigeschmack

Das Reue-Geständnis von Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton bekommt einen faden Beigeschmack. Während Formel-1-Chef Bernie Ecclestone drastische Strafen bis hin zum Ausschluss von Rennen für McLaren-Mercedes wegen der Lügenaffäre nicht ausschloss, berichtete das Fachmagazin 'Autosport' auf seiner Homepage, dass neben dem mittlerweile entlassenen McLaren-Renndirektor Dave Ryan auch Hamilton trotz klarer Beweise auf seiner Falschaussage wegen eines Überholmanövers von Rennrivale Jarno Trulli beim Saisonauftakt in Australien beharrt habe.

"Es war ein bisschen surreal", zitierte das Magazin eine nicht namentlich genannte Quelle des Internationalen Automobilverbandes FIA: "Wir hatten den Funkverkehr und das Interview als eindeutige Beweise und sie interpretierten immer noch komplett anders, was gesagt wurde."

In Malaysia hatte Hamilton als Grund für seine falsche Aussage gleich nach dem Auftaktrennen in Melbourne angegeben, dass Ryan ihn aufgefordert hatte, Informationen zurückzuhalten. "Ich hatte keine Zeit, darüber nachzudenken", sagte Hamilton. Er sei in die irre geführt worden. Dass der 24-Jährige aber offenbar auch bei der zweiten Anhörung vier Tage später bei seinen Aussagen blieb, was eine FIA-Mitteilung zur Einberufung der Weltratsverhandlung am 29. April in Sachen Lügenaffäre schon vermuten ließ, wirft ein anderes Licht auf die Angelegenheit.

In der FIA-Mitteilung hieß es, dass bei dem zweiten Treffen am 2. April kein Versuch unternommen worden sei, die unwahren Statements vom 29. März zu korrigieren. Hamilton wurde dabei allerdings nicht explizit genannt. Vielmehr will der Weltverband Antworten unter anderem auf die Frage haben, warum McLaren-Mercedes seinen Piloten offenbar anhielt, die Falschaussage zu machen und zu bestätigen.

Als man Hamilton und Ryan mit einem Interview konfrontiert habe, in dem der Pilot einräumte, "mir wurde gesagt, ihn (Trulli) überholen zu lassen", sei beiden sehr unbehaglich geworden. "Aber sie verneinten weiter, was wirklich passiert war", so die FIA-Quelle bei 'autosport.com'.

Das Überholmanöver war von den Rennkommissaren nach dem Großen Preis von Australien mit einer Zeitstrafe von 25 Sekunden geahndet worden. Hamilton rückte anstelle des bestraften Trulli auf Rang drei vor und bekam einen Punkt mehr als er auf seinem ursprünglichen vierten Rang erhalten hätte. Nachträglich wurde Hamilton, der zwei Tage vor dem zweiten WM-Lauf in Malaysia sein reumütiges Geständnis abgegeben hatte, aus der Wertung genommen.

"Es handelt sich prinzipiell um Betrug"

Drei Tage nach dem Großen Preis von Bahrain wird sich der Weltrat der FIA mit der Lügen-Affäre befassen. Das Strafmaß ist offen, es drohen Rennsperren, der Ausschluss von der WM oder aber Geldbußen. 2007 hatte McLaren-Mercedes 100 Millionen Dollar wegen der Verwicklung in die Spionage-Affäre zahlen müssen, zudem wurden die Silbernen von der Konstrukteursweltmeisterschaft ausgeschlossen.

"Es ist noch nicht lange her, als McLaren vor dem Weltrat stand. Es ist für niemanden gut, wenn er für ähnliche Vergehen zweimal kurz hintereinander vor Gericht steht", meinte Formel-1-Rechtemitinhaber Ecclestone. Diesmal gehe es darum, dass ein WM-Punkt und ein Platz gestohlen worden seien. Beides sei bare Münze wert, "also handelt es sich prinzipiell um einen Betrug", meinte er jüngst im 'Daily Express'.
Ein möglicher Ausschluss von Rennen wäre schrecklich, befand er: "Aber es könnte passieren."

Mittwoch, 8. April 2009

Droht McLaren das WM-Aus?

McLaren: Danner befürchtet WM-Ausschluss

McLaren-Mercedes droht wegen der 'Lügen-Affäre' das Aus in der Formel 1. Ein entsprechend drakonisches Urteil fürchten Experten bei der außerordentlichen Sitzung des World Motor Sport Council des Automobil-Weltverbandes FIA am 29. April in Paris. "Ich befürchte, dass McLaren-Mercedes aus der WM ausgeschlossen wird. Das könnte eine Katastrophe für Mercedes und die Formel 1 sein", sagte RTL-Experte Christian Danner.

Das große Problem sei, dass die Silberpfeile nach der Spionage-Affäre von 2007 schon vorbelastet seien. Damals hatte die FIA die Rekordstrafe von 100 Millionen Dollar (72 Millionen Euro) ausgesprochen. Danner: "Bei der Spionage-Affäre konnte man sich noch über die Fakten streiten, aber jetzt ist die Angelegenheit glasklar."
Erschwerend käme hinzu, dass der Rennstall auf dem Weg vom Regelverstoß von Weltmeister Lewis Hamilton auf der Strecke in Melbourne bis zur zweiten Anhörung in Malaysia mehrere Gelegenheiten ausgelassen hätten, dessen Lüge gegenüber den Rennkommissaren richtigzustellen. "Sich wegen eines WM-Punktes so in die Nesseln zu setzen, grenzt an Selbstzerstörung. Hier geht es um die ethischen und moralischen Grundsätze, auf denen der Sport basiert", so Danner weiter.

Dienstag, 7. April 2009

FIA lädt McLaren vor / Interview mit Norbert Haug

Lügen-Affäre: FIA lädt McLaren vor

Der Formel-1-Rennstall McLaren-Mercedes muss sich wegen der 'Lügen-Affäre' von Melbourne vor dem Automobil-Weltverband FIA verantworten. Der Verband bestellte das Team am Dienstag zu einer außerordentlichen Sitzung des World Motor Sport Council der FIA am 29. April nach Paris.

Die FIA wirft den "Silberpfeilen" einen Verstoß gegen Artikel 151c des Internationalen Sporting Codes vor, der das Handeln gegen den Geist des Sports unter Strafe stellt. Der ehemalige McLaren-Sportdirektor Dave Ryan, der am Sonntag suspendiert und dann am Dienstag unmittelbar nach der FIA-Anklage entlassen wurde, hatte Weltmeister Lewis Hamilton zu einer Falschaussage gegenüber den Renn-Kommissaren angestiftet.

Auch die Rekordstrafe von 100 Millionen US-Dollar (damals 72 Millionen Euro) in der Spionage-Affäre 2007 hatte die FIA mit einem Verstoß gegen Artikel 151c begründet. Das mögliche Strafmaß reicht von Geldstrafen bis zu einem Ausschluss aus der WM.

FIA erhebt zahlreiche Vorwürfe

Im Einzelnen wirft die FIA dem Team fünf Verstöße vor.
Erstens habe man bei der Anhörung am 29. März nach dem Großen Preis von Australien in Melbourne erklärt, Hamilton nicht angewiesen zu haben, für Toyota-Pilot Jarno Trulli (Italien) Platz zu machen, obwohl das der Fall gewesen war.

Zweitens sei Hamilton dazu aufgefordert worden, diese Falschaussage gegenüber den Kommissaren zu bestätigen.
Drittens habe McLaren-Mercedes nichts dagegen unternommen, dass ein anderer Fahrer und ein anderes Team als Konsequenz der Falschaussage zu Unrecht bestraft wurden.

Viertens sei das Team bei einer erneuten Anhörung am 2. April in Kuala Lumpur bei seiner Falschaussage von Melbourne geblieben, obwohl dem Rennstall bereits erlaubt worden war, einen Mitschnitt des belastenden Funkverkehrs zwischen Hamilton und der Box anzuhören.

Fünftens sei Hamilton am 2. April angewiesen worden, darauf zu beharren, dass seine falsche Aussage die Wahrheit gewesen sei, obwohl man wusste, dass das nicht so war.

Unmittelbar nach der FIA-Ankündigung teilte McLaren-Mercedes die endgültige Trennung von Ryan mit. "Er ist nicht länger ein Angestellter irgendeines Unternehmens der McLaren-Gruppe", hieß es in einer Presseerklärung.

Haug: "Das ist aus dem Affekt heraus passiert"

"McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh hat im Zuge der Lügen-Affäre seinen Rücktritt angeboten. Wie wird man sich entscheiden?"
Norbert Haug:
"Ich stehe in permanentem Kontakt mit Stuttgart und berichte direkt an Vorstandschef Dr. Dieter Zetsche. Natürlich werden wir uns an einen Tisch setzen und reden, aber ich habe volles Vertrauen in Martin. Er ist ein guter Kerl, und er führt dieses Team ganz großartig."

"Lewis Hamilton galt bisher als Sympathieträger für die Marke Mercedes-Benz. Jetzt steht er als Lügner da. Wie groß ist der Imageschaden?"
Haug:
"Ich glaube, es ist alles gesagt. Es gibt das alles mittlerweile als Aufzeichnung, als Originalton. Ich denke, es gibt eine zusätzliche Erklärung. Bei vielen solchen Verhandlungen, die das Team und Lewis mitmachen haben müssen, fühlt man sich vielleicht vollkommen ohne Grund in die Ecke gedrückt. Ich kann es mir nur so vorstellen, dass da irgendeine Art Blackout-Situation entsteht."

"Wie konnte Hamilton die Frage nach dem Funkverkehr verneinen, obwohl er doch wissen musste, dass es Aufzeichnungen darüber gibt?"
Haug:
"Ich kenne die Inhalte nach wie vor nicht, ich kenne die Protokolle nicht, was letztendlich gesagt worden ist. Das wissen nur Lewis und der inzwischen suspendierte McLaren-Sportdirektor Dave Ryan. Ich habe davon erfahren, als ich am Mittwochnachmittag nach Malaysia angereist bin. Wir waren in Melbourne und hatten keinen Grund zur Annahme, dass sich da irgendetwas zusammenbrauen könnte, um das noch einmal klipp und klar zu sagen."

"Wer hat die Entscheidung getroffen, die Sportkommissare bewusst anzulügen?"
Haug:
"Ich habe Lewis und Dave nicht so kennen gelernt, dass sie irgendwo hingehen und sagen: 'Jetzt erzählen wir mal mit Vorsatz etwas Falsches.' Ich kann mir nur vorstellen, dass das aus der Situation und aus dem Affekt heraus passiert ist."


"Hamilton hat inzwischen eine Lügen-Beichte abgelegt. Wie schwer ist ihm das gefallen?"
Haug:
"Dass Lewis selbst Stellung bezogen hat, ist aller Ehren wert. Ich habe im Motorsport viel erlebt, und ich weiß auch, dass es große Motorsportler gegeben hat, die nicht so dazu gestanden haben. Das muss man zur Erklärung der Situation um Lewis Hamilton sagen."

"Hamilton wird als Lügen-Weltmeister, Pinocchio und Münchhausen verspottet. Kann er sich derzeit überhaupt noch auf seinen Job als Rennfahrer konzentrieren?"
Haug:
"Ich hoffe, er kann es - ich hoffe, er fühlt sich im Auto konzentriert und wohl. Wir sind wegen des Sports hier, es ist sicher nicht so, dass wir uns unrechtmäßig einen Punkt verschaffen wollen - das ist nicht unser Ziel. Ich denke, Lewis wollte vielmehr seinen vierten Platz nicht verlieren bei der ganzen Geschichte, aber ich hoffe, man kann dahinter mal einen Haken machen und sich auf den Sport konzentrieren."