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Donnerstag, 2. April 2009

Hamilton disqualifiziert

Hamilton disqualifiziert - Platz 3 von Australien futsch

Lügner, Betrüger und Ganoven - die Chaostage in der Formel 1 gehen in rasantem Tempo weiter: Vier Tage nach dem Saisonauftakt in Melbourne sind Weltmeister Lewis Hamilton und McLaren-Mercedes wegen "absichtlicher Irreführung" der Sportkommissare des Automobil-Weltverbandes FIA nachträglich disqualifiziert worden. Ein FIA-Sprecher schloss zudem sogar weitere Maßnahmen nicht aus. In diesem Fall würde der Weltverband sogar vor das World Council ziehen.

Hamilton hatte in Australien im unterlegenen Silberpfeil vom 18. Startplatz aus einen dritten Rang erkämpft. Neuer Dritter ist jetzt der wegen Hamilton zunächst bestrafte Toyota-Pilot Jarno Trulli (Italien), der dadurch auf Position zwölf zurückgestuft worden war.

Zu diesem spektakulären Urteil kamen die Sportkommissare nach einem Blitz-Verhör von Hamilton und Trulli am Donnerstag in Kuala Lumpur/Malaysia, wo am Sonntag (11.00 Uhr MESZ/live bei RTL) das zweite Saisonrennen stattfindet. Bester der fünf deutschen Fahrer bleibt Trullis Teamkollege Timo Glock (Wersau) auf Platz vier.

"Die Härte dieses Urteils ist unübersehbar. Wir brauchen jetzt aber all unsere Kraft für unsere weitere Leistungssteigerung auf der Strecke", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Deshalb wird das Team auch nicht in Berufung gehen und die Strafe akzeptieren. Haug: "Wir konzentrieren uns auf das, was vor uns liegt: Der nächste Grand Prix wird am Sonntag gestartet, der letzte ist abgehakt".

Die Rennkommissare widerriefen ihre Entscheidung mit Verweis auf die Artikel 151c (Schaden für das Ansehen des Motorsports) und 158 im FIA-Sportgesetzbuch. Demnach sollen Hamilton und McLaren-Mercedes die Stewards bei der ersten Anhörung in Melbourne mit einer Falschaussage absichtlich getäuscht haben. Dank abgehörter Funksprüche ist man diesem Vorgang jetzt auf die Schliche gekommen.

Der sensationelle Brawn-Doppelsieg durch den Briten Jenson Button und Rubens Barrichello (Brasilien) ist ebenfalls noch ohne Gewähr. Erst am 14. April entscheidet das FIA-Berufungsgericht in der Diffusor-Affäre, ob Brawn sich mit einem illegalen Rennauto einen Vorteil verschafft hat.

Auch der 'Fall Sebastian Vettel' wurde wieder aufgerollt, dabei ging es im Gegensatz zu Hamilton nicht um die Ergebnisse, sondern um das Strafmaß gegen den deutschen Hoffnungsträger. Der Red-Bull-Pilot war nach seinem Crash mit dem Polen Robert Kubica (BMW-Sauber) von den FIA-Sportkommissaren mit dem Abzug von zehn Startplätzen für das anstehende Rennen in Malaysia belegt worden. Vettel und Kubica waren im Duell um Rang zwei in Melbourne drei Runden vor dem Rennende kollidiert und ausgeschieden. Vettel war als Unfallverursacher bestraft worden.

Trulli: "Hamilton hat mir erlaubt, ihn zu überholen"

Im 'Fall Hamilton' waren Überholmanöver in der Schlussphase des Australien-Grand-Prix während einer Safety-Car-Phase der Auslöser für alle Diskussionen. Normalerweise gilt ein Überholverbot, wenn das Safety Car auf der Piste ist. Doch laut Hamilton war Trulli von der Strecke abgekommen und auf die Wiese gerutscht. In diesem Fall darf überholt werden.

Doch Hamilton ist nicht wegen seines Verhaltens auf der Strecke disqualifiziert worden. Der Brite verstrickte sich in einer ersten Anhörung nach dem Rennen in widersprüchliche Aussagen. Aus diesem Grund musste der 24-Jährige in Kuala Lumpur den Sportkommissaren erneut Rede und Antwort stehen - und wurde enttarnt.

"Ich habe ja schon so langsam gemacht wie ich konnte", meinte Hamilton. Bei McLaren-Mercedes war man sich offenbar nicht sicher über die Regelauslegung. Hamilton: "Nachdem ich vorbei war, sagte man mir, ich solle ihn wieder vorbeilassen."

Als Hamilton verlangsamte, zog Trulli tatsächlich wieder vorbei und wurde dafür mit einer 25-Sekunden-Strafe belegt. Der Italiener fiel dadurch vom dritten auf den 12. Platz zurück, Hamilton bekam Position drei am grünen Tisch zugesprochen. Toyota hatte zunächst Protest gegen die Bestrafung angekündigt, diesen aber wegen zu geringer Erfolgsaussichten wieder zurückgezogen.

"Lewis ist ganz an den Rand gefahren und war extrem langsam unterwegs. Er hat mir erlaubt, ihn zu überholen. Ich konnte nichts anderes tun", sagte Trulli. Für ihn habe es so ausgesehen als hätte der Weltmeister ein technisches Problem. In einem solchen Fall hätte Trulli durchaus wieder am Briten vorbeifahren dürfen, doch Hamilton gab anschließend wieder Gas.

Bei dem Blitz-Verhör in Kuala Lumpur waren allerdings nur zwei der drei FIA-Sportkommissare aus Melbourne anwesend. Der Tscheche Radovan Novak war offenbar nicht mehr aufzufinden und wurde durch Surinder Thatti (Malaysia) ersetzt. Die beiden anderen Stewards vom Saisonauftakt, Olafur Gudmundsson (Island) und Steve Chopping (Australien), wurden extra eingeflogen.

Lauda: "Der größte Witz aller Zeiten"

Niki Lauda hat kein Verständnis für die Disqualifikation von McLaren-Mercedes-Piloten Lewis Hamilton vier Tage nach dem GP von Australien. " Ich kenne natürlich nicht die genauen Umstände. Aber das ist nicht mehr vermittelbar und schadet der Formel 1 sehr. Es ist absurd und der größte Witz aller Zeiten, dass man vier Tage benötigt, um das Rennen vollständig zu sichten und ein Resultat festzulegen", sagte der RTL-Experte.

Der Zuschauer wolle nach Rennende ein Resultat. "Das muss unter Berücksichtigung aller eingehenden Proteste an Ort und Stelle geklärt werden, und die Entscheidung muss dann auch so transparent sein, dass sie für alle nachvollziehbar ist", fordert Lauda. Diese Sicht der Dinge habe er FIA-Präsident Max Mosley schon vor einem Jahr mitgeteilt.

Mittwoch, 1. April 2009

Toyota akzeptiert Trulli-Strafe

Toyota akzeptiert Trulli-Strafe

Toyota hat die 25-Sekunden-Zeitstrafe für Jarno Trulli beim Großen Preis von Australien in Melbourne akzeptiert. Das in Köln ansässige Team von Timo Glock erklärte, dass man auf die in Melbourne noch angekündigte Berufung gegen die Strafe verzichtet. Bei genauer Prüfung der Entscheidungen des Berufungsgerichts des Automobil-Weltverbandes FIA sei man zu dem Schluss gekommen, dass eine Berufung gemäß Artikel 152, Absatz 5 des International Sporting Code abgewiesen würde. "Toyota Motorsport hat entschieden, dass es keinen Erfolg bringen würde, diese Angelegenheit zu verfolgen", heißt es in einer Pressemitteilung.

Diese Regel besagt, dass gegen Durchfahrtstrafen oder Stop-and-Go-Strafen keine Berufung möglich ist. Trulli hatte wegen des verbotenen Überholens von Weltmeister Lewis Hamilton (Großbritannien) während einer Safety-Car-Phase kurz vor Ende des Rennens eigentlich eine Durchfahrtstrafe erhalten, die nach Rennende den Regeln entsprechend automatisch in eine 25-Sekunden-Zeitstrafe umgewandelt wurde. Dadurch war Trulli nachträglich vom dritten auf den zwölften Platz zurückgefallen, Hamilton auf Rang drei vorgerückt.


Unter Berufung auf den gleichen Paragraphen hatte das Berufungsgericht der FIA am 23. September 2008 auch die Berufung von McLaren-Mercedes gegen die Zeitstrafe für Hamilton beim Großen Preis von Belgien in Spa abgewiesen. Der Brite war wegen der nach Rennende verhängten 25-Sekunden-Strafe vom ersten auf den dritten Platz zurückgestuft worden, der Sieg war an seinen WM-Rivalen Felipe Massa gefallen.

Dienstag, 31. März 2009

Top-Teams kopieren Brawns Diffusor

Top-Teams kopieren Brawns Diffusor

In Australien fuhr Brawn GP der Konkurrenz davon. Auch die anderen beiden ’Diffusor’-Teams Williams und Toyota waren viel schneller als die vermeintlichen WM-Favoriten Ferrari und McLaren-Mercedes. Am 14. April entscheidet das FIA-Berufungsgericht, ob die Diffusoren des Trios dem Reglement entsprechen. Nach Ansicht von Ferrari, Renault und Red Bull ist der ’Staubsauger’ illegal.

Allerdings stehen die Chancen für Brawn & Co. gut, dass das umstrittene Aerodynamik-Teil nicht verboten wird. “Irgendjemand hat ausgerechnet, dass nur vier Prozent der Fälle beim FIA Berufungsgericht gewonnen wurden“, sagte Mercedes-Motorsport Norbert Haug. Also beginnt in der Formel 1 nun das große Nachrüsten.

Die Topteams kündigten bereits an, ihre Boliden umzubauen. Allerdings kostet das viel Zeit und Geld. “Wenn sie nicht verboten werden, werden wir in Barcelona (5. Rennen am 10. Mai) Autos mit Ansaug-Effekt haben, müssen dazu jedoch das halbe Auto umbauen. Und dann reden sie darüber, die Kosten zu reduzieren“, ärgerte sich Renault-Teamchef Flavio Briatore.

Sein Schützling Fernando Alonso bringt die Situation auf den Punkt. Sollten die anderen Rennställe nicht nachrüsten, “dann könnte es sein, dass Brawn GP in dieser Saison alle Rennen gewinnt".

Ferrari: 20 Millionen Euro für den Umbau

Ferrari und BMW Sauber sind schon einen Schritt weiter als Renault. Die beiden Teams wollen nicht erst das Urteil der FIA abwarten und starten bereits die aufwendigen Umbauarbeiten. “Das Geldausgeben hat bereits begonnen, wir können ja nicht warten, bis irgendjemand sagt, dass es verboten ist“, sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. Die ’Scuderia’ hat sich ebenfalls für eine Umrüstung entschieden. Und dabei heißt die Devise ’Klotzen statt Kleckern’.

Ferrari steckt 20 Millionen Euro in den Umbau. Schließlich wollen die Roten nicht noch so ein Debakel wie in Melbourne (0 Punkte) erleben. Ob Ferrari schon am kommenden Wochenende beim Malaysia-GP in Kuala Lumpur wieder vorne mitmischen kann, ist aber mehr als fraglich. Felipe Massa ist machtlos und hofft das Beste. “Wir müssen unser Auto sehr schnell verbessern, wir haben einen Gegner, der eine Sekunde schneller ist." Viel Erfolg…

Sonntag, 29. März 2009

B-Team mischt die A-Klasse auf

B-Team mischt die A-Klasse auf

Brawn, Button, Barrichello - das 'B'-Team hat die A-Klasse des Motorsports aufgemischt. Nach dem Fast-Aus durch den Honda-Ausstieg hat Brawn GP die Formel-1-Hierarchie am anderen Ende der Welt fast auf den Kopf gestellt. "Es war unglaublich, Jenson und Rubens da oben zu sehen. Vor drei Wochen war dieses Wochenende unvorstellbar", sagte Teamchef und -Mitbesitzer Ross Brawn, durchnässt von der Champagner-Dusche auf dem Podest, auf dem Jenson Button und Rubens Barrichello ihren Doppeltriumph beim Großen Preis von Australien zelebrierten.

Auf der Strecke hatte der Aufsteiger seine Überlegenheit bewiesen. Seine wahre Stärke musste er dabei nicht zeigen. Dennoch taten Brawn und seine Piloten B&B so, als sei der erste Zweifach-Erfolg bei einem Rennstall-Debüt seit Mercedes 1954 ein mittleres Wunder. In Wahrheit hatte selbst die Konkurrenz nichts anderes erwartet, nachdem das Team schon bei den Tests auf und davon gefahren war.

Von überschäumender Partystimmung am Ende des Fahrerlagers, wo Brawn GP als neu eingestuftes Team bei den 17 Rennen des Jahres seinen Platz einnehmen muss, war aber nicht viel zu merken. Die Sachen mussten gepackt werden für das Rennen in Malaysia am kommenden Sonntag. "Es ist einfach nur schön für uns", meinte Button und genoss seinen zweiten Grand-Prix-Sieg seit Ungarn 2006. Der 29-Jährige, schon als ewiges Versprechen auf eine große Formel-1-Karriere abgehakt, ist dank Brawn GP vom fast arbeitslosen Rennfahrer zum Titelanwärter aufgestiegen. "Es ist aufregend, was man erreichen kann, wenn man das Paket und das Team hat."


Und auch der Brasilianer Barrichello darf im Herbst seiner Laufbahn wieder einmal von Siegen träumen. "Ich bin dankbar, ein gutes Auto zu haben. Es ist in den letzten Jahren schwer gewesen", sagte der 36 Jahre alte Piloten-Senior, der in seiner Ferrari-Zeit bis 2005 ganz im Schatten von Rekordchampion Michael Schumacher gestanden hatte und auch bei Honda selten in Fahrt gekommen war.

Hinter dem Team liegen Monate der Ungewissheit. Nachdem der japanische Automobil-Hersteller Anfang Dezember seinen Abschied verkündet hatte, wusste niemand im Werk in Brackley, wie es weitergehen sollte. Barrichello: "Es sind drei, vier harte Monate gewesen, zu Hause zu sitzen und auf Nachrichten zu warten."

Dabei hatte Brawn bis zum Zeitpunkt des Honda-Ausstiegs schon ein perfektes Auto fertig, dessen Diffusor allerdings am 14. April Gegenstand einer Berufungsverhandlung des Internationalen Automobilverbandes ist. Er und Geschäftsführer Nick Fry suchten nach Geldgebern. Am Ende übernahm der 58-jährige Brawn, einst siebenfacher Weltmeister-Macher von Schumacher, gemeinsam mit vier anderen Personen aus dem bisherigen Honda-Team den Rennstall. Die Japaner gaben geschätzte 100 Millionen Euro als lebenserhaltende Maßnahme, Formel-1-Chef Bernie Ecclestone soll das Projekt bezuschusst haben.

Die Genesung ist gelungen: Die Konkurrenten befürchten, dass auch bei dem Grand Prix im heißen Sepang die schneeweißen Boliden nicht einzuholen sind. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen: "Die wahren Kräfteverhältnisse hat das Rennen in Australien nicht gezeigt."

Strafe für Sebastian Vettel

Für Vettel kommt es knüppeldick

Sebastian Vettel ist nach seinem Unfall kurz vor Ende des Großen Preises von Australien von den Rennkommissaren doppelt bestraft worden. Das Team des Formel-1-Piloten muss 50.000 Dollar Strafe zahlen, weil er mit seinem defekten Red Bull in Melbourne weitergefahren war. Die Stewards, die zu dem Ergebnis kamen, dass Vettel an der Karambolage mit dem BMW-Sauber-Piloten Robert Kubica drei Runden vor Schluss Schuld hatte, entschieden zudem: In der Startaufstellung für den Grand Prix in Malaysia (Sonntag, 05.04.) rückt Vettel automatisch zehn Plätze zurück.

Vettel: Das ist nicht gerechtfertigt

Vettel ärgerte sich über die harte Strafe der FIA. "Das finde ich nicht gerechtfertigt", schimpfte der Red-Bull-Pilot nachdem er von der Entscheidung erfuhr. "Er kommt von außen und ich bin noch innen dabei - er zieht rein und hört nicht auf, reinzuziehen. Ich konnte leider nirgendwo anders hin", beurteilte Vettel die Situation. "Ich hätte mich ja am liebsten in Luft aufgelöst."

Formel 1 Grand Prix von Melbourne

Button siegt, Vettel wirft Podest weg

Jenson Button hat die Formel-1-Welt auf den Kopf gestellt und den Großen Preis von Australien gewonnen. Beim souveränen Start-Ziel-Sieg des Brawn-GP-Piloten im Albert Park von Melbourne belegte Teamkollege Rubens Barrichello den 2. Platz. Nicht minder überraschend war der 3. Rang von Lewis Hamilton. Der McLaren-Mercedes-Pilot hatte das Rennen von Rang 18 aufgenommen, profitierte aber auch von der Bestrafung von Jarno Trulli. Weil der Toyota-Fahrer kurz vor Rennende in der Safety-Car-Phase Hamilton überholt hatte, brummten ihm die Rennkommissare eine 25-Sekunden-Strafe auf. Damit rutsche Trulli von Platz drei auf 12 zurück.
Toyota war wenig begeistert und legte offiziell Protest gegen die Entscheidung ein. Ob dem Einspruch stattgegeben wird, entscheidet die FIA allerdings erst am 14. April in Paris.

Vettel im Pech

Riesenpech hatte auch Sebastian Vettel, der bis drei Runden vor Schluss auf Position zwei gelegen hatte. Doch bei einem Angriff des BMW-Sauber-Piloten Robert Kubica kollidierten beide und schieden anschließend aus.

Vom Pech des Red-Bull-Piloten Vettel und von Trulli profitierten die anderen Deutschen Timo Glock und Nico Rosberg. Toyota-Mann Glock wurde Vierter. Ebenfalls WM-Punkte sammelte Williams-Pilot Rosberg, der hinter Fernando Alonso als Sechster gewertet wurde. Bei seinem Debüt punktete unerwartet Sebastien Buemi, der für Toro Rosso zwei WM-Punkte sammelte. Teamkollege Sebastien Bourdais rutschte nach Trullis Bestrafung als Achter noch in die Punkteränge. Adrian Sutil belegte im Force India den 9. Platz, gefolgt von BMW-Sauber-Pilot Nick Heidfeld. Ebenfalls leer aus gingen die Ferrari-Piloten Felipe Massa und Kimi Räikkönen, die kurz vor Rennende ihr Auto mit Defekten abstellten.

Vettel: "Ich bin ein Idiot"

Das Rennen hatte ähnlich turbulent begonnen, wie es endete. Button gewann den Start souverän, Teamkollege Barrichello kam dagegen gar nicht von der Stelle. Das nutzten Vettel und zunächst auch Rosberg, der als Dritter in die erste Kurve einlenkte, sich beim Herausbeschleunigen jedoch den mit KERS ausgestatteten Fahrern Massa und Räikkönen sowie Kubica beugen musste und nach der 1. Runde auf Platz sechs rangierte. Pech beim Start hatten Heidfeld und Sutil. Barrichello schob in der ersten Kurve Webber an, der wiederum Heidfeld rausdrückte. Sutil hatte keine Chance und raste in ein Trümmerteil. Heidfeld und Sutil mussten unverschuldet, ebenso wie Webber und Heikki Kovalainen, die Box ansteuern und anschließend dem Feld hinterherfahren.

Vorne war Rosberg schnell unterwegs und machte viel Druck auf Räikkönen. In der 9. Runde schnappte er sich den Weltmeister von 2007, der Probleme mit abbauenden Reifen hatte. Auch Massa, der wie sein Teamkollege mit weichen Reifen startete, hatte Probleme mit den Pneus und fuhr bereits in der 11. Runde an die Box. An der Spitze hatte sich Button nach elf Runden knapp fünf Sekunden von Vettel abgesetzt, der wiederum 28 Sekunden vor Kubica im BMW Sauber fuhr.

Nach 16 Runden kam auch Vettel zum Tanken und zog erneut harte Reifen auf. Alles lief glatt, ganz im Gegensatz zu Rosbergs Stopp. Die Williams-Crew bekam das linke Vorderrad nicht richtig befestigt. Rosberg stand 21 Sekunden und verlor wertvolle Zeit sowie zehn Ränge – er rutschte von Platz 3 auf 13. In der 19. Runde wurden die Karten neu gemischt, weil Nakajima nach einem Fahrfehler in die Streckenmauer einschlug und das Safety Car rauskommen musste. Nach fünf Runden kam das Saftey Car wieder rein und das Rennen begann von vorne. Button behauptete die Führung vor Vettel und Massa und hatte das Rennen voll unter Kontrolle.

In der 32. Runde eröffnete Massa die zweite Boxenstopp-Phase. Somit rückte Kubica auf Rang drei vor und machte mächtig Druck auf Vettel, dessen Vorsprung auf den Polen Runde um Runde schmolz. In der 40. Runde durfte Vettel wieder etwas durchatmen, denn Kubica kam zu seinem zweiten und letzten Stopp. In der 46. Runde stoppte Vettel und verteidigte seinen 2. Platz. Nach Buttons letztem Stopp wurde es noch mal richtig eng, denn der Brite stand knapp 14 Sekunden. Dadurch kam Vettel bis auf rund 1,5 Sekunden an den Führenden heran und es sah so aus, als könne der 21-Jährige mit um den Sieg kämpfen.
Doch es kam ganz anders. Die weichen Reifen funktionierten am Red Bull überhaupt nicht, und Kubica hing in Vettels Getriebe. Drei Runden vor Schluss kam die Attacke des Polen. Vettel hatte keinen Grip und hielt zu hart dagegen und beide beschädigten ihre Autos so stark, dass das Rennen zu Ende war.
Das Safety Car musste erneut für zwei Runden rauskommen. "Ich bin ein Idiot, das tut mir sehr, sehr, sehr leid", sagte der 21-Jährige völlig deprimiert über Boxenfunk seinem Team. Wie Vettel hatte auch Rosberg am Schluss Pech, denn der Williams-Pilot wurde auf weichen Reifen in den letzten acht Runden von Platz vier auf neun durchgereicht. Dank Vettels und Kubicas Nullnummer sowie Trullis Strafe erbte der Williams-Pilot jedoch noch drei Positionen und somit drei WM-Punkte.

Brawn eine Legende, Vettel ein Idiot

Jenson Button (Brawn GP): "Was soll ich sagen? Bis zum Safety Car ging alles sehr gut, aber es war ziemlich viel los auf der Strecke. Am Ende war es ganz fantastisch. Was für ein Tag. Ich freue mich über den Sieg, keine Frage. Es kann sich kaum jemand vorstellen, wie eng das heute war." Zu Teamchef Ross Brawn: "Ross, du bist eine Legende."

Rubens Barrichello (Brawn GP): "Ein leichtes Rennen war das nicht. Zwischendurch habe ich gedacht: Du kommst nie aufs Podium, aber ich konnte das wieder rausholen. Nach dem ersten Stint dachte ich, ich bräuchte eine neue Nase. Wenn jemand denkt: Nur der Diffusor macht unser Auto stark, sollte das nochmal überdenken. Nach den ganzen Crashs waren wir auch stark. Entscheidend war nur die Pace."

Ross Brawn (Teamchef): "Das war etwas ganz Besonderes. Wir haben versucht, Vettel auf Distanz zu halten, aber er ist ja dann ausgeschieden. Es war ein großartiges Rennen, aber die Konkurrenz ist stark. Wir haben ein gutes Fahrzeug und ein starkes Team. Vielleicht schreiben wir bald noch ein Märchen."

Richard Branson (Sponsor Brawn GP): "Das war absolut brillant. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Vor zwei Monaten war das Team draußen, kein Sponsor, kein Geld. Das ist eine tolle Geschichte. Zum Schluss hatte ich nochmal ein ziemlich hohen Puls. Besonders als Barrichello am Schluss Probleme bekommen hat. Es war ein fantastisches Rennen."

Jarno Trulli (Toyota): "Ich bin froh, dass ich von Beginn an im Kuddelmuddel mit drin war. Ich habe meine Arbeit gemacht, aber das Team hat gewonnen. Es hat mir ein sehr gutes Auto hingestellt."

Nico Rosberg (Williams): "Ich hätte schon noch besser sein können. Ich hatte immer Reifenprobleme, wenn sie kalt waren. Bis zum ersten Pitstop war ich in Super-Position. Leider ist dort ein kleiner Fehler unterlaufen und wir haben Zeit verloren. Ich habe alles rausgeholt, 7. Platz und zwei Punkte ist ok. Unsere Entscheidung, weiche Reifen zu nehmen, war eigentlich eine Katastrophe. Ich glaube, alle neuen Regeln haben das Spektakel erhöht. Ich glaube nicht, dass KERS so den Unterschied gemacht. Auf der Geraden konnte ich voll mithalten. KERS ist ja 10% mehr Power, aber anscheinend nimmt es nicht so viel Einfluss."

Sebastian Vettel (Red Bull): "Ich bin ein Idiot, das tut mir sehr, sehr leid", sagte er seinem Team über Funk. Nach dem Rennen im Interview: "Der Crash zum Schluss ist sehr enttäuschend. Wir waren heute sehr schnell unterwegs und hätten eine gute Platzierung verdient gehabt. Aber nachdem ich den letzten Satz weiche Reifen bekommen habe, hat mich das wie ein Schlag getroffen. Es ging gar nichts mehr, ich bin nur noch rumgerutscht." Zum Unfall: "Ich war leicht vorne, konnte dann aber beim Überholmanöver von Robert wegen meinen Reifen nicht mehr nach rechts lenken. Es war für mich unmöglich, die Kollision zu vermeiden. Im Nachhinein hätte ich vor der Situation einfach zwei, drei Schritte voraus denken sollen. Ich wusste das Robert mit seinem harten Reifengemisch schneller ist als ich. In den letzten drei Runden wäre er bestimmt noch an mir vorbei gezogen. Da war ich ein bisschen blauäugig. Aber letztendlich trifft keinen von uns eine alleinige Schuld. Robert wollte einen Platz gut machen, ich wollte meinen Platz verteidigen. Schade ist natürlich, dass wir beide dadurch aus dem Rennen genommen wurden."

Robert Kubica (BMW):"In den letzten Runden war ich sehr gute Zeiten gefahren. Mit meinen harten Reifen wusste ich, dass ich schneller bin als Jenson und Sebastian, die durch ihre weichen Reifen Probleme kriegen. Beim Crash wr Sebastian einfach ein bisschen zu optimistisch. Wenn nicht da, dann hätte ich ihn eben drei Kurven später gekriegt. Das ist jetzt natürlich sehr ärgerlich. Bis zu dem Unfall hatten wir beide ein gutes Wochenende, jetzt gehen wir ohne Punkte nach Hause."

Chris Dyer (Chefingenieur Ferrari): "Das ist ein schwieriger Tag für uns. Vielleicht sind wir im Moment noch nicht in der Position, vorne mitzufahren."


Meine Meinung:

Echt ein super Rennen. Das frühe Aufstehen hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ich meine, ich wäre sonst immer um 05.00 Uhr aufgestanden (wobei ich das Rennen nicht immer gesehen habe, weil ich dann auf der Couch eingeschlafen bin). Rennstart um 08.00 Uhr bzw. aufstehen um 07.00 Uhr, um noch die Vorberichterstattung zu sehen, ist auf jeden Fall angenehmer.

Die Kollision von Sebastian Vettel und Robert Kubica gegen Ende des Rennens war echt unnötig. Ich sehe die Schuld aber eher bei Kubica, weil er früh in die Rechtskurve eingelenkt hat und somit Vettel gar keinen Platz hatte. Einige Runden zuvor haben Alonso und Glock das Überholmanöver an der gleichen Stelle besser hinbekommen. Kubica hätte in der Situation auch zurückstecken können, da Vettel Probleme mit dem weichen Satz Reifen hatte und Kubica Vettel sowieso überholt hätte.

Enttäuschend war die Vorstellung von Ferrari (beide Fahrer sind ausgeschieden). Na ja, und das Auto von McLaren-Mercedes scheint gar nicht so schlecht zu sein, wie vorher behauptet wurde. Zwar hat Hamilton von den Ausfällen provitiert, trotzdem ist er Vierter geworden und hat damit Punkte geholt.

Am besten war die Vorstellung vom Brawn GP Team. Pole geholt und einen Start-Ziel-Sieg eingefahren. Mehr geht nicht. Mal sehen, ob das Team die nächsten Rennen auch so stark ist ...

Samstag, 28. März 2009

Jedes Gramm entscheidend

Kampf ums letzte Gramm

Noch nie war das Gewicht von Fahrer und Bolide so entscheidend wie in dieser Saison. Obwohl alleine das Energierückgewinnungs-System KERS mit ca. 40 Kilogramm zu Buche schlägt, wurde das Mindestgewicht im Reglement nicht angehoben. Mindestens 605 kg müssen die Autos inklusive Fahrer, Kamera und Ballast auf die Waage bringen - ohne Benzin.

Für Leichtgewichte wie Ferrari-Pilot Felipe Massa (59 kg) ist das ein klarer Wettbewerbsvorteil. Der Brasilianer könnte sein Auto trotz KERS mit besagten 605 kg an den Start bringen. Anders sieht es zum Beispel bei Robert Kubica aus: Der großgewachsene Pole wiegt 73 kg. Aus diesem Grund verzichtet sein Team BMW Sauber bei ihm auf den Einsatz von KERS, denn der Vorteil durch das System würde den Nachteil des höheren Gewichts nicht ausgleichen.

Die Formel ist einfach: mehr Gewicht = geringere Beschleunigung. Dadurch hat unter den Piloten teilweise schon ein 'Wetthungern' begonnen. Gewogen wurden die Boliden nach dem Qualifying. Die Gewichts-Tabelle lässt Interpretationsspielraum, welche Piloten im Rennen KERS einsetzen und welche nicht.

Das bringt die Gewichtstabelle:

Ob mit oder ohne KERS - es ist davon auszugehen, dass alle Fahrer ohne Benzin nur knapp über der 605-kg-Marke liegen werden. Die Differenz zum gemessenen Gesamtgewicht ergibt die Treibstoffmenge im Tank. So sind erstmals Rückschlüsse auf die Strategie der Teams möglich.


Gewicht nach dem Qualifying in Australien

(Angegeben ist das Gesamtgewicht inkl. Benzin in kg)

Team Fahrer & Auto Gewicht in kg
McLaren-Mercedes Lewis Hamilton 655

Heikki Kovalainen 690,6
Ferrari Felipe Massa 654

Kimi Räikkönen 655,5
BMW Sauber Robert Kubica 650

Nick Heidfeld 691,5
Renault Fernando Alonso 680,7

Nelson Piquet 694,1
Toyota Jarno Trulli 660

Timo Glock 670
Toro Rosso Sebastien Buemi 675,5

Sebastien Bourdais 662,5
Red Bull Racing Sebastian Vettel 657

Mark Webber 662
Williams Nico Rosberg 657

Kazuki Nakajima 680,5
Force India Adrian Sutil 684,5

Giancarlo Fisichella 689
Brawn GP Jenson Button 664,5

Rubens Barrichello 666,5

Ergebnis des ersten Qualifyings

Doppel-Pole für Brawn GP, Vettel 3.

Die neuen Regeln in der Formel 1 haben die Kräfteverhältnisse und das Klassement kräftig durcheinandergeschüttelt. Die erste Pole Position des Jahres sicherte sich überraschend der Formel-1-Neuling Brawn GP. Jenson Button war im Albert Park von Melbourne mit einer Zeit von 1:26,202 Minuten der Schnellste, gefolgt von seinem Teamkollegen Rubens Barrichello (1:26,505). Dritter und damit bester Deutscher wurde Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel (1:26,830). Nico Rosberg, zuvor in allen drei Trainingssessions noch Bester, startet von Platz 5 in den Großen Preis von Australien. Toyota-Pilot Timo Glock schaffte einen guten 6. Rang.

Nick Heidfeld hatte den 3. Teil des Qualifying hingegen ganz knapp verpasst. Der BMW-Sauber-Pilot, der wie die beiden Ferrari, McLaren-Mercedes und Renaults mit dem Hybrid-Aggregat KERS fuhr, belegte den 11. Platz. Die Ferrari-Piloten Kimi Räikkönen und Felipe Massa hatten als 9. und 10. den Sprung in die Top Ten ganz knapp geschafft. Am Ende musste sich Massa mit Platz sieben zufrieden geben, Räikkönen startet sogar nur von Rang neun.
Noch schlimmer erwischte esLewis Hamilton. der Weltmeister erlebte im ersten Qualifying der Saison ein Desaster. Als 15. rettete er sich zunächst mit Ach und Krach in Q2, konnte dort aber nicht starten. Probleme mit dem Getriebe am McLaren-Mercedes MP4-24 zwangen den Champion zum Zuschauen. Sollten sich die Befürchtungen bewahrheiten und das Getriebe getauscht werden müssen, würde Hamilton von Rang 15 um fünf Startplätze strafversetzt – und somit das Ende der Startaufstellung zieren. Auch Hamiltons Teamkollege Heikki Kovalainen bestätigte, was sich bei den Tests im Winter angedeutet hatte: Die Silberpfeile sind nicht konkurrenzfähig. Kovalainen wurde nur 14.

Im ersten Teil der Qualifikation erwischte es die üblichen Verdächtigen. Trotz des starken Mercedes-Motors im Heck erwischte es die beiden Force-India-Piloten Giancarlo Fisichella auf Platz 18 und Adrian Sutil auf dem 19. Platz. Ebenfalls das Aus in Q1 kam für Neuling Sebastien Buemi auf Platz 16 und dessen Toro-Rosso-Teamkollegen Sebastien Bourdais, der Letzter wurde, sowie für Renault-Pilot Nelson Piquet junior (17.).

Rosberg auch im dritten Training vor

Rosberg schafft den Hattrick

Nico Rosberg hat auch das 3. Freie Training zum Australien-GP für sich entschieden und ist damit Favorit für das Qualifying. Der Williams-Pilot brannte in 1:25,808 Minuten die beste Zeit der drei Sessions in den Asphalt und verwies Jarno Trulli im Toyota mit der Winzigkeit von drei Tausendstelsekunden Vorsprung auf den 2. Platz. Brawn-GP-Fahrer Jenson Button wurde Dritter.

Bester Fahrer ohne die umstrittenen Diffusoren war Ferrari-Mann Felipe Massa auf Platz 4. Dahinter folgten mit dem zweiten Williams-Mann Kazuki Nakajima und Rubens Barrichello im zweiten Brawn GP noch zwei 'Diffusoren-Fahrer'.

Zweitbester Deutscher wurde Timo Glock auf dem 8. Rang. Zwei Plätze dahinter folgte Nick Heidfeld im BMW. Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel brach sich bei einem wilden Ausritt von der Strecke die Radnabe und wurde nur 13., gefolgt von Adrian Sutil (Force India).

Enttäuschend verlief das 3. Freie Training für das Weltmeister-Trio im Feld. Lewis Hamilton blieb knapp eine Sekunde über Rosbergs Bestzeit und musste mit Platz 12 vorlieb nehmen, eine Position hinter seinem McLaren-Mercedes-Teamkollegen Heikki Kovalainen. Der zweimalige Titelträger Fernando Alonso bekam seinen Renault nie unter Kontrolle und kam nur auf den 17. Rang (+1,549 Sekunden). Am schlechtesten erwischte es Kimi Räikkönen, der wegen eines Hydraulikproblems nur fünf Runden drehte und sich auf dem letzten Rang wiederfand.

Freitag, 27. März 2009

Rosberg ganz vorne, Vettel ganz hinten

Rosberg ganz vorne, Vettel ganz hinten

Was für ein Paukenschlag zum Auftakt der Formel-1-Saison 2009: Nico Rosberg ist im 1. Freien Training zum GP von Australien überraschend die Bestzeit gefahren. Der Williams-Pilot verwies seinen Teamkollegen Kazuki Nakajima (+ 0,049 Sekunden) und Kimi Räikkönen im Ferrari (+ 0,063) auf die Ränge 2 und 3. Den erwartet guten Eindruck hinterließ Brawn GP: Rubens Barrichello wurde Vierter, Jenson Button Sechster.

Timo Glock (Toyota) belegte Platz 9, gefolgt von Adrian Sutil (Force India). Nick Heidfeld (BMW) wurde 11. Pech hatte Sebastian Vettel, der mit seinem Red Bull nach nur vier Runden wegen Hydraulik-Problemen liegenblieb. Nach 45 Minuten war für den 21-Jährigen die Session zu Ende, mehr als der 20. und letzte Platz war nicht drin.

Nicht viel besser lief es für Weltmeister Lewis Hamilton, der die schlechten Testergebnisse bestätigte und seinen Silberpfeil auf den 16. Platz stellte - satte 2,355 Sekunden hinter Rosberg. Dass es mit dem McLaren-Mercedes auch schneller geht, bewies Teamkollege Heikki Kovalainen, der sich zwischen die beiden Brawn-Piloten auf den 5. Rang schob.

Die Ergebnisse im Training haben allerdings nur begrenzte Aussagekraft über das Kräfteverhältnis. Die Teams nutzten die Einheit, um ihre Fahrzeuge abzustimmen. Wegen des von diesem Jahr an geltenden Testverbots während der Saison probierten die Rennställe zudem auch neue Teile in den Trainingssessions aus.

Brawn GP, Williams und Toyota konnten ihre Autos wie geplant einsetzen, nachdem am Vorabend die drei Rennkommissare in Melbourne einen Protest abgelehnt hatten. Ferrari, Renault und Red Bull hatten gegen die Konstruktion der Diffusoren geklagt. Der Diffusor ähnelt einer Rampe am hinteren Ende des Unterbodens und hat große Bedeutung für die Aerodynamik.

Nach der Niederlage in Melbourne erklärten die unterlegenen Teams ihre Absicht, Einspruch beim Berufungsgericht der FIA einzulegen. Ein Urteil ist erst nach dem Grand Prix in Australien und dem Rennen eine Woche später in Malaysia wahrscheinlich.


"Diffusor-Teams" fahren vorneweg

'Diffusor-Teams' fahren vorneweg

Nico Rosberg hat im 2. Freien Training zum Großen Preis von Australien dort weiter gemacht, wo er in der 1. Session aufgehört hat: Er war der Schnellste. Was im Auftakt-Training noch nach einer Überraschung aussah, scheint jetzt Gewissheit zu sein: Rosberg und sein Williams-Team sind die Favoriten in Melbourne. Das belegte auch der gute 7. Platz von Rosbergs Teamkollegen Kazuki Nakajima, der im 1. Training sogar Zweiter war.

Auf Platz zwei mit einem Rückstand von 0,104 Sekunden raste Rubens Barrichello im Brawn GP, gefolgt von Toyota-Pilot Jarno Trulli (+ 0,297). Diese drei Fahrer gehören genau zu den Teams, gegen die die Konkurrenten Ferrari, Red Bull, Renault und BMW Sauber wegen eines vermeintlich verboteten Diffusors Protest eingelegt hatten. Auf Position vier landete Mark Webber im Red Bull. Damit war der Australier der beste Fahrer jener Teams, die mit einem herkömmlichen Diffusor unterwegs sind.

Neben Rosberg überzeugten auch die deutschen Piloten Timo Glock, Sebastian Vettel und Adrian Sutil. Toyota-Mann Glock blieb als Sechster mit nur 0,390 Sekunden Rückstand auf den Tagesbesten in Schlagdistanz. Auch Vettel im zweiten Red Bull auf Rang acht (+ 0,687) und Force-India-Fahrer Sutil (9.) mit 0,987 Sekunden Rückstand präsentierten sich stark.

Rätsel gibt dagegen die Leistung von Nick Heidfeld auf. Der BMW-Sauber-Pilot schaffte es nur auf Platz 14 - viel schlimmer erscheint jedoch der Differenz von 1,264 Sekunden auf den Trainingsschnellsten Rosberg. Einziger Trost für Heidfeld: Er lag wenigstens vor Teamkollege Robert Kubica, der 15. wurde, und Lewis Hamilton. Der Weltmeister in Diensten von McLaren-Mercedes landete abgeschlagen auf Platz 18 (+1,770).

Montag, 23. März 2009

Melbourne macht sich Formel-1-fein

Melbourne macht sich Formel-1-fein

In Europa schlägt der Zickzack-Kurs der Formel-1-Verantwortlichen weiter hohe Wellen, in der Hafenstadt Melbourne ist davon nichts zu spüren. Während sich der Internationale Automobil-Verband FIA nach der beschlossenen und dann doch wieder vertagten Regeländerung um Image-Politur bemühen muss, putzt sich der australische Austragungsort für den Auftakt an diesem Sonntag heraus. Banner mit dem Slogan 'Feel It, Hear It, Love It' und dem nach den verheerenden Waldbränden in Australien geänderten Spruch 'Melbourne Gears Up' wurden am Montag an Straßenlaternen aufgezogen - ursprünglich sollte das Motto 'Melbourne Fires Up' lauten.

Der Streit zwischen FIA und Ecclestone auf der einen Seite und der Teamvereingung FOTA auf der anderen - kein Thema. Vom umstrittenen Wertungssystem - kein Wort. Die 'Herald Sun' vermeldete am Montag hingegen erfreut, dass der Red Bull des Lokalheldens Mark Webber als erster Rennwagen in den Albert Park geliefert wurde und schilderte, dass am Flughafen Avalon am Wochenende 400 Tonnen Material der Teams angekommen seien. Auch eine Meldung in Down Under wert: Brawn-GP-Pilot Jenson Button, der nach den sensationellen Testzeiten des Honda-Nachfolgers mit Siegchancen am Sonntag an den Start gehen könnte, habe die Teilnahme am St. Kilda-Triathlon verpasst - er sei zu spät in Melbourne gewesen. 'The Age' erläuterte den Lesern zumindest mal die FIA-Maßnahmen zur Kosteneindämmung.

Derweil gibt sich Formel-1-Chef Bernie Ecclestone in Sachen WM-Fahrerwertung weiter kämpferisch. "Es wird durch die FIA unterstützt werden und es wird in den Regeln sein", kündigte der 78-Jährige in der BBC hartnäckig die Einführung des Modus für 2010 ein, demzufolge die Anzahl der Siege über den Titelträger entscheidet. Sollte der Brite, dem vorerst der Schwarze Peter zugeschoben wurde, auf seiner Idee beharren, droht weiteres Ungemach durch die in der FOTA vereinigten Teams: Noch immer ist das Concorde Agreement, das das Verhältnis zwischen Rechteinhaber, Rennställen und Verband regelt, nicht unterschrieben.

Durch ihre einheitliche Ablehnung hatte die FOTA den Weltverband rund eine Woche vor dem ersten von 17 Saisonrennen gezwungen, die Änderungen drei Tage nach ihrer Verkündung wieder zurückzunehmen. "Was passiert ist, zeigt, dass die Stimme der Teams zählt, wenn sie zusammenhalten", meinte Renault-Teamchef Flavio Briatore. Nur mit Zustimmung der Teams hätte eine solche radikale kurzfristige Reform durch den FIA-Weltrat verabschiedet werden können. "Warum wir dagegen sind? Weil wir nicht denken, dass es interessant ist. Das ist alles", sagte Briatore, der betonte, dass Ecclestone nie mit ihnen darüber gesprochen habe.