Dienstag, 24. März 2009

Brawn GP in der Boxengasse nach hinten verbannt

Brawn GP in der Boxengasse nach hinten verbannt

Bei den Testfahrten vor Saisonbeginn waren sie die Schnellsten und fuhren in die Favoritenrolle, in der Boxengasse muss sich das Brawn-Team allerdings ganz hinten anstellen. Der Automobil-Weltverband FIA stufte vor dem Großen Preis von Australien in Melbourne am Sonntag (live im Stream und Ticker bei sport.de) den Rennstall des einstigen Ferrari-Superhirns Ross Brawn nicht als Nachfolger des Honda-Teams, das 2008 Neunter und damit Vorletzter war, sondern als komplett neuen Teilnehmer ein. Dadurch erhielten der Brite Jenson Button und der Brasilianer Rubens Barrichello die Startnummern 20 und 21.

Nutznießer dieser FIA-Entscheidung ist das Force-India-Team, das 2008 als einziger Rennstall gar keinen WM-Punkt holte. Adrian Sutil und der Italiener Giancarlo Fisichella rückten in die vorletzte Garage auf und starten jetzt mit den Nummern 18 und 19.

Eine team-interne Umbesetzung gab es bei Ferrari. Die Italiener hatten bei den FIA darum gebeten, dass der Brasilianer Felipe Massa als Vize-Weltmeister des Vorjahres die Startnummer 3 erhält und der Finne Kimi Räikkönen, Weltmeister von 2007, mit der 4 startet.

Kein Notgroschen für Hockenheim

Ecclestone: Kein Notgroschen für Hockenheim

Mit seinen Lizenzgebühren hat er den Hockenheimring fast in den Ruin getrieben, doch einen Notgroschen wird es von Bernie Ecclestone nicht geben. "Es ist jetzt an der Regierung, ihnen zu helfen. Ich kann nicht verstehen, warum das nicht passiert", sagt der Formel-1-Boss.

Die Hoffnung, dass in letzter Sekunde noch Hilfe vom Land Baden-Württemberg kommt, zerschlug sich am Dienstag vorerst. Anstatt finanzielle Hilfen für die Rennstrecke zu beschließen, entschied die Landesregierung in einer Kabinettssitzung laut 'Mannheimer Morgen' lediglich, dass Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) gemeinsam mit seinem rheinland-pfälzischen Amtskollegen Kurt Beck (SPD) das Gespräch mit Ecclestone suchen soll, um generell über die Zukunft der deutschen Formel-1-Strecken Hockenheimring und Nürburgring zu sprechen.

Zuvor hatte Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) in Stuttgart noch erklärt, man wolle "den Schlussbaustein setzen", aber offengelassen, ob das Land ein Fünftel oder ein Drittel der für 2010 erwarteten Verluste auffangen könnte. Man werde aber "mit Sicherheit nicht den vollen Betrag" übernehmen, auch wenn der Erhalt des Rennens "für Baden-Württemberg generell interessant" sei.

Hockenheim rechnet mit einem Verlust von sechs Millionen Euro, falls der Große Preis von Deutschland 2010 wie geplant im badischen Motodrom stattfinden kann. Nur darum geht es zunächst am Mittwoch, denn danach endet der Vertrag mit Ecclestone, die Formel-1-Zukunft steht in den Sternen. Für den 78-Jährigen wäre es persönlich eine große Enttäuschung, wenn Hockenheim aus dem Kalender gestrichen würde: "Wir haben viel für Hockenheim getan und waren dort auch Promoter."

Falls Deutschland irgendwann ganz von der Formel-1-Landkarte verschwinden sollte, wäre das für Ecclestone kein Beinbruch. Der Brite würde dann mit seinem PS-Zirkus schnell neue Märkte in Asien erobern, wo die Geschäfte sicher wesentlich ertragreicher wären. "Wir haben auch kein Rennen mehr in Frankreich. Das spiegelt die ökonomische Lage Europas wider", meint Ecclestone. Er habe diese Entwicklung kommen sehen und mehrfach gewarnt: "Europa könnte zu einer Dritte-Welt-Wirtschaft werden."


Auch der Nürburgring, der im jährlichen Wechsel mit Hockenheim Schauplatz der Formel-1-WM ist, schreibt mit der Königsklasse des Motorsports längst nur rote Zahlen. Dort aber kommt das Land Rheinland-Pfalz als 90-prozentiger Anteilseigner noch weitgehend für die Verluste auf. Der WM-Lauf 2009 findet am 12. Juli auf dem Nürburgring statt, der Vertrag läuft auch noch für 2011.

Alternativen hat Ecclestone längst gefunden. Wie er dem sid verriet, findet 2010 das erste Formel-1-Rennen in Südkorea statt, ein Jahr später ist Indien erstmals dabei. "Die Verträge mit diesen beiden Ländern haben wir vor der Krise gemacht", sagt Ecclestone. Er habe immer nach neuen Märkten gesucht: "Das ist gut für die Hersteller."

Auch der Plan eines Stadtrennens in Rom ist nicht vom Tisch. "Das könnte großartig werden. Es ist gut, solche Rennen zu haben. Das Interesse ist groß", meint Ecclestone. Und was ist mit Monza? Der Italien-Grand-Prix muss sich laut Ecclestone keine Sorgen machen, denn Rom käme zusätzlich ins Programm.

Auch mit London gibt es weiter Gespräche über ein Stadtrennen. Eine Rückkehr in die USA sei ebenfalls kein Problem, dieses Rennen würde dann aber nicht mehr in Indianapolis stattfinden. Ecclestone schwebt offenbar Las Vegas, New York oder Miami vor. Doch das ist Zukunftsmusik: "Im Moment wollen die Teams nicht mehr als 17 Rennen.

Was die Rückkehr nach Nordamerika beschleunigen könnte, wäre ein US-Rennstall mit "Supergirl" Danica Patrick als Fahrerin. Die Pläne dafür gibt es schon, ob das Team 2010 allerdings tatsächlich am Start stehen wird, ist laut Ecclestone noch nicht entschieden: "Ich hoffe es."

Der Formel-1-Boss hatte vor einigen Jahren mal nicht nur zum Spaß gesagt, sein Zirkus brauche einen Schwarzen, einen schnellen Deutschen, eine Frau und einen Chinesen. Jetzt würden nur noch die Frau und der Chinese fehlen, meint der 78-Jährige. Die Frau könnte doch Danica Patrick werden? Ecclestone: "Es wäre aber besser, wenn sie Chinesin wäre. Dann wären wir perfekt aufgestellt."

Geheimwaffe Schumi

Ferraris Geheimwaffe - Schumi wird eingeflogen

Der Rekord-Champion ist weiterhin gefragt: Ferrari lässt Michael Schumacher für das Eröffnungsrennen in Melbourne einfliegen. Der 40-Jährige wird erstmals seit seinem Rücktritt vor drei Jahren in 'Down Under’ dabei sein und Ferrari als Geheimwaffe unterstützen. „Die letzten beiden Jahre war es nicht so wichtig, einen Schumacher in der Box zu haben. Jetzt aber, mit den Regeländerungen kann Michael den Ingenieuren helfen, das Auto besser zu verstehen. Das ist ein Teil seiner Aufgabe, die er innerhalb der Ferrari-Familie ausüben muss“, verriet Manager Willi Weber der 'Bild'.

Schumi weiß wie Brawn 'tickt'

Ein weiterer Grund ist Ross Brawn. Das ehemalige Ferrari-Superhirn mischt derzeit mit seinem Team Brawn GP die Formel 1 auf und bereitet nicht nur den ‚Roten’ Kopfschmerzen. Einer der genau weiß, wie Brawn 'tickt’, ist Schumacher. „Entscheidend wird die Kommunikation mit den Ingenieuren. Sie werten gemeinsam die Datenmengen aus. Und da ist die Erfahrung Michaels extrem wichtig“, so Weber weiter. Die wird auch beim Grand Prix von Malaysia gefragt sein, denn Ferrari hat 'Schumi’ auch für das 2. Rennen fest gebucht.

Inspektionstour macht in Leverkusen Station

24.03.2009 13:04 Frauen-WM 2011

Inspektionstour macht in Leverkusen Station

Ernst Küchler, Tatjana Haemi, Ulrich Wolter, Wolfgang Holzhäuser, Alfred Vianden.
Ernst Küchler, Tatjana Haemi, Ulrich Wolter, Wolfgang Holzhäuser, Alfred Vianden.

Auf ihrer Inspektionsreise durch die neun Austragungsorte der Fußball-Frauen-WM 2011 haben FIFA und das deutsche Organisationskomitee am Dienstag Station in Leverkusen gemacht. Dort ist das Stadion, in dem Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen seine Heimspiele austrägt, noch bis August 2009 eine Baustelle. Bei der Frauen-WM in rund zwei Jahren sind im neuen Stadion dann vier Spiele vorgesehen.

Leverkusens Oberbürgermeister Ernst Küchler und Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer von Bayer 04 Leverkusen, begrüßten die Gäste. Ernst Küchler: „Wir sind sehr zuversichtlich, dass die FIFA die guten Voraussetzungen, die hier vorhanden sind, bestätigen wird. Unsere Stadt wird alles tun, optimale Bedingungen für die Fans, Teams und Medien zu schaffen.“

Für das Organisationskomitee meinte Gesamtkoordinator Ulrich Wolter: „Wir sind von der Bereitschaft der Stadt Leverkusen und von Bayer Leverkusen sehr angetan. Wir sind sicher, dass nach Ende der Bauarbeiten eines tolles Stadion entstehen wird.“

Nächstes Ziel der Stadion-Rundreise, die noch bis zum 1. April dauert, ist am Mittwoch Mönchengladbach.

Montag, 23. März 2009

Ferrari will Brawns Wunderauto verbieten lassen

Ferrari will Brawns Wunderauto verbieten lassen

Ferrari, McLaren, BMW, selbst Renault, Red Bull oder Toyota - sie alle wurden in den vergangenen Wochen und Monaten, die durch die Unsicherheit infolge der radikalen Regelreform geprägt waren, als Titelfavoriten genannt. Doch mit einem Team, dessen Teilnahme lange Zeit völlig offen war, hatte freilich keiner gerechnet: Brawn GP. Bei den abschließenden Testfahrten in Jerez und Barcelona verblies der Wunder-Bolide von Super-Hirn Ross Brawn die Konkurrenz nach allen Regeln der Kunst.

"Da überlegt man sich: Kann das alles sein?", rätselt RTL-Experte Christian Danner bei sport.de und kommt zu dem Schluss: "Ja, es kann." Das Auto sei sehr früh entwickelt worden. "Man hat sich für eine ganz spezielle aerodynamische Richtung entschieden, die halt die Konkurrenz nicht hat."

Doch genau an diesem Punkt kräuselt die düpierte Konkurrenz die Stirn. Brawn, ein Meister beim Finden von Regel-Schlupflöchern, hat bei der Entwicklung des BGP 001 zu Trick 17 gegriffen. Laut Reglement darf der Diffusor, der am Heck die Luft ansaugt und den Boliden am Boden 'kleben' lässt, nur 175 Millimeter groß sein. Dies wird überprüft, indem die Rennleitung den Boliden von unten betrachtet. Kein Teil darf über diese 175mm hinausgehen. Brawn ließ jedoch einen Diffusor in den Diffusor einbauen. Schaut man nun von unten auf das Auto, sieht man nur den regelkonformen, unteren Teil des Diffusors. Die Sicht auf den längeren, oberen Teil ist geschickt verdeckt.

"Sie haben ein Schlupfloch genutzt, das schon immer da war", sagte FIA-Rennleiter Charlie Whiting. "Wir können aber auch verstehen, dass andere Teams anders darüber denken." Besonders Ferrari läuft gegen Brawn GP sowie Williams und Toyota, die eine ähnliche Konstruktion gewählt haben, Sturm. "Wir haben mit unserem Auto das neue Reglement umgesetzt. Andere haben wohl einen anderen Weg gewählt. Es ist an der FIA, Zweifel über den anderen Weg zu zerstreuen, und das bitte so schnell wie möglich", fordert Teamchef Stefano Domenicali.

Doch die FIA drückt sich - wie üblich - um eine Entscheidung und überlässt diese den Rennkommissaren. Die Teams haben die Möglichkeit, beim Großen Preis von Australien am Wochenende (verfolgen Sie alle Sessions live bei sport.de) Protest einzulegen. Dann müssten die Rennkommissare entscheiden, ob der Diffusor den Regeln entspricht. Ihr Urteil wäre für die gesamte Saison gültig, sofern es zu keiner Berufungsverhandlung käme.

Bei den Ingenieuren der Konkurrenz rauchen derweil schon die Köpfe. Längst laufen Entwicklungsprogramme, die Diffusoren nachzubauen. "Es ist relativ einfach, diese Lösung zu kopieren. Mich wundert, dass es bis jetzt nicht noch mehr Teams gemacht haben", sagte Williams-Technikchef Sam Michael.

Melbourne macht sich Formel-1-fein

Melbourne macht sich Formel-1-fein

In Europa schlägt der Zickzack-Kurs der Formel-1-Verantwortlichen weiter hohe Wellen, in der Hafenstadt Melbourne ist davon nichts zu spüren. Während sich der Internationale Automobil-Verband FIA nach der beschlossenen und dann doch wieder vertagten Regeländerung um Image-Politur bemühen muss, putzt sich der australische Austragungsort für den Auftakt an diesem Sonntag heraus. Banner mit dem Slogan 'Feel It, Hear It, Love It' und dem nach den verheerenden Waldbränden in Australien geänderten Spruch 'Melbourne Gears Up' wurden am Montag an Straßenlaternen aufgezogen - ursprünglich sollte das Motto 'Melbourne Fires Up' lauten.

Der Streit zwischen FIA und Ecclestone auf der einen Seite und der Teamvereingung FOTA auf der anderen - kein Thema. Vom umstrittenen Wertungssystem - kein Wort. Die 'Herald Sun' vermeldete am Montag hingegen erfreut, dass der Red Bull des Lokalheldens Mark Webber als erster Rennwagen in den Albert Park geliefert wurde und schilderte, dass am Flughafen Avalon am Wochenende 400 Tonnen Material der Teams angekommen seien. Auch eine Meldung in Down Under wert: Brawn-GP-Pilot Jenson Button, der nach den sensationellen Testzeiten des Honda-Nachfolgers mit Siegchancen am Sonntag an den Start gehen könnte, habe die Teilnahme am St. Kilda-Triathlon verpasst - er sei zu spät in Melbourne gewesen. 'The Age' erläuterte den Lesern zumindest mal die FIA-Maßnahmen zur Kosteneindämmung.

Derweil gibt sich Formel-1-Chef Bernie Ecclestone in Sachen WM-Fahrerwertung weiter kämpferisch. "Es wird durch die FIA unterstützt werden und es wird in den Regeln sein", kündigte der 78-Jährige in der BBC hartnäckig die Einführung des Modus für 2010 ein, demzufolge die Anzahl der Siege über den Titelträger entscheidet. Sollte der Brite, dem vorerst der Schwarze Peter zugeschoben wurde, auf seiner Idee beharren, droht weiteres Ungemach durch die in der FOTA vereinigten Teams: Noch immer ist das Concorde Agreement, das das Verhältnis zwischen Rechteinhaber, Rennställen und Verband regelt, nicht unterschrieben.

Durch ihre einheitliche Ablehnung hatte die FOTA den Weltverband rund eine Woche vor dem ersten von 17 Saisonrennen gezwungen, die Änderungen drei Tage nach ihrer Verkündung wieder zurückzunehmen. "Was passiert ist, zeigt, dass die Stimme der Teams zählt, wenn sie zusammenhalten", meinte Renault-Teamchef Flavio Briatore. Nur mit Zustimmung der Teams hätte eine solche radikale kurzfristige Reform durch den FIA-Weltrat verabschiedet werden können. "Warum wir dagegen sind? Weil wir nicht denken, dass es interessant ist. Das ist alles", sagte Briatore, der betonte, dass Ecclestone nie mit ihnen darüber gesprochen habe.